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Halbes Jahr für 8851 Kilometer : Warum ein Franzose einmal quer durch den Pazifik schwimmt

  • Aktualisiert am

Die ersten Schwimmzüge auf dem Weg nach Westen: Ben Lecomte Bild: AFP

Der Franzose Ben Lecomte will als erster Mensch quer durch den Pazifik von Tokio nach San Francisco schwimmen. Sein Abenteuer über 8851 Kilometer soll auch einem tieferen Sinn dienen.

          2 Min.

          Ben Lecomte hätte sich schon vor seinem großen Pazifik-Abenteuer sehr einsam fühlen können. Nur Familie, Freunde und einige wenige Schaulustige waren gekommen, als der Franzose am Dienstagmorgen an einem kleinen Strand nahe Tokio im Neoprenanzug ins Meer stapfte. Doch der Langstreckenschwimmer hatte nur das große Ziel vor Augen. Mit der ersten Durchquerung des riesigen Ozeans will der 51-Jährige auf die Verschmutzung der Weltmeere aufmerksam machen. Und so gewaltig diese ist, ist auch seine Aufgabe. Erst rund sechs Monate später und 8851 Kilometer entfernt soll er in San Francisco wieder an Land gehen.

          So ganz allein war Lecomte zu Beginn seiner Reise dann doch nicht. Auf den ersten hundert Metern zogen sein Sohn und seine Tochter noch neben ihm her, dann ging es für ihn alleine weiter.

          Sechs Jahre darauf vorbereitet

          Sechs Jahre hat er sich auf diesen Moment vorbereitet. Auf dem Weg nach Kalifornien passiert der Architekt unter anderem den Nordpazifik. Dort hat sich Mikroplastik in großer Dichte angesammelt und den sogenannten „Großen Plastikmüllfleck“ gebildet. Diese „Insel“ ist rund 16-mal so groß wie Österreich. In diesem Abschnitt zwischen Hawaii und Kalifornien gibt es zahlreiche Strudel, in denen verworrenes Plastik herumwirbelt. Körperlich ist diese Passage eine Tortur. „Ich versuche, meine Gedanken von meinem Körper zu trennen - von Kälte oder Schmerz, ich versuche, das auszublenden“, sagte Lecomte.

          Zum Schlafen und Essen geht er an Bord des Segelboots, das ihn während des Trips begleitet. Mit dabei ist ein Expertenteam, das während des Abenteuers Wasserproben sammeln wird, um mehr über das Mikroplastik in den Gewässern zu erfahren und Daten für zahlreiche naturwissenschaftliche Institutionen zu sammeln. Er peilt an, innerhalb von acht Stunden täglich 48 Kilometer zurückzulegen, 8000 Kalorien würde er dabei verbrennen. „Der mentale Teil ist viel wichtiger als der physische. Du musst sicherstellen, dass du immer an etwas Positives denkst oder überhaupt immer über etwas nachdenkst“, sagte Lecomte.

          Für den gebürtigen Franzosen mit amerikanischer Staatsbürgerschaft sind solche Strapazen nicht neu. 1998 durchschwamm er bereits den Atlantik, knapp 6000 Kilometer betrug die Distanz. Damals sagte er nach seiner Ankunft: „Nie wieder.“ 

          Doch die zunehmende Verschmutzung der Weltmeere und die Gründung seiner eigenen Familie gab ihm neuen Antrieb. Als er klein war und mit seinem Vater am Strand spazierte, habe es dort nirgends Plastik gegeben, sagte Lecomte: „Wenn ich jetzt mit meinen Kindern dort bin, sehen wir Plastik - überall.“ Mit der Atlantik-Durchquerung zollte er seinem inzwischen an Krebs verstorbenen Vater Tribut und sammelte Geld für die Krebsforschung. Jetzt schwimmt er für die Umwelt, und die Zukunft seiner Kinder. Und wahrscheinlich schwimmt auch der Vater wieder mit - in seinen Gedanken.

          Auf den ersten Metern begleiten den Extremsportler seine Kinder Bilderstrecke

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