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Vom Tennis- zum Golfprofi : Schläger gewechselt, Rückschläge verarbeitet

  • -Aktualisiert am

Ende einer Tenniskarriere: Draper siegt mit Stosur bei den Australian Open 2005 Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Scott Draper war bis 2005 Tennisprofi, heute ist er erfolgreicher Golfer. In beiden Sportarten hat der Australier einen Titel gewonnen, Hollywood will diese einzigartige Leistung verfilmen. Der Schlägerwechsel half dem von Krisen Verfolgten, den Tod seiner Frau zu verarbeiten.

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          Scott Draper darf mit Fug und Recht als Ausnahmeathlet gelten. Aber nicht nur sein Werdegang vom erfolgreichen Tennis- zum hoffnungsvollen Golfprofi, auch seine Lebensgeschichte voller Schicksalsschläge, das Überwinden einer Zwangsneurose in der Jugend und des frühen Todes seiner ersten Ehefrau Kellie macht ihn so interessant, dass jetzt gleich drei Hollywood-Produzenten das Leben des 32 Jahre alten Australiers verfilmen wollen. „Das Interesse in Amerika ist spektakulär“, sagt Wayne Smith von der Agentur Blue Giraffe Sports, die den sportlichen Tausendsassa aus Queensland betreut. Mit dem australischen Schauspieler Eric Bana bewarb sich bereits ein Prominenter um die Hauptrolle.

          Das Interesse ist schon aus sportlicher Sicht verständlich. Draper schaffte, was vor ihm noch nie einem Berufssportler geglückt war: Er gewann in zwei großen Einzelsportarten Profiturniere: 1998 triumphierte er als Linkshänder beim ATP-Turnier im Londoner Queen's Club; vor zwei Wochen feierte er, diesmal als Rechtshänder, seinen ersten Erfolg als Golfprofi bei der New South Wales PGA Championship auf dem Platz von Riverside Oaks nahe Sydney.

          Tennis und Golf - zwei Welten

          Die Siege auf dem Tennis- und auf dem Golfplatz kann man kaum vergleichen: Während er beim Wimbledon-Aufgalopp einen Weltklassespieler wie seinen Landsmann Pat Rafter in der zweiten Runde besiegen musste, hatte er es bei dem Turnier der Von Nida Tour, der zweiten Liga der Australasian Tour, nur mit hoffnungsvollen Nachwuchsspielern und einigen Kollegen, für die es nie zum Sprung auf eine der großen Profiturnierserien reichte, zu tun. Dennoch sind sein Ergebnis von 20 unter Par und eine fulminante Schlussrunde von 65 Schlägen aller Ehren wert, auch wenn sich das Siegespreisgeld von 16.500 australischen Dollar, 9915 Euro, gegenüber dem Siegerscheck für seinen einzigen Turniersieg auf der ATP Tour von 85.000 amerikanischen Dollar dürftig ausnimmt.

          Draper fühlte sich schon immer auf Rasen wohl

          Im Tennis verdiente Draper in seiner von 1993 bis 2005 währenden ersten sportlichen Karriere etwa 1,6 Millionen Dollar. Er gehörte dem australischen Davis-Cup-Team an, stieg 1998 bis auf Rang 42 der Weltrangliste auf und machte bei den Australian Open vor zwei Jahren Schlagzeilen, als er abwechselnd im Mixed an der Seite seiner Landsfrau Samantha Stosur auf- und bei der Victorian Open abschlug. Während er das Mixed-Finale gewann, scheiterte er auf dem Golfplatz am Cut, ein Schicksal, das dem Berufswechsler häufig widerfuhr: Bei neun für die Weltrangliste zählenden Turnieren in den vergangenen beiden Jahren schaffte er nie den Cut oder die Qualifikation fürs Hauptfeld, ist mithin in der Hackordnung seines neuen Jobs nicht notiert. Daran änderte auch der erste Erfolg nichts.

          Der Traum von der PGA Tour

          „Ich weiß, dass ich mich noch stark verbessern muss, vor allem im kurzen Spiel“, sagte Draper, der trotz aller Rückschläge - im Vorjahr verlor er die Spielberechtigung für die Australasian Tour, erkämpfte sich aber in der Qualifikation wieder einen Arbeitsplatz auf der Von Nida Tour - einen Traum verfolgt: Eines Tages will er mit den Besten der Welt auf der US PGA Tour spielen. „Er ist ein Ausnahmetalent. Er hat eine große Zukunft vor sich“, sagt sein Golflehrer Denis McDade.

          Vielleicht gründet sich dieser Optimismus aus der Vita eines jungen Mannes, der sich von Rückschlägen immer nur kurzfristig aus der Bahn werfen ließ. Zu Beginn seiner Tenniskarriere litt er unter dem Drang, in seiner Umgebung alles immer picobello zu ordnen. Oft räumte er drei Stunden auf, ehe er ins Bett ging. Zeitweise war es so schlimm, dass man ihn in eine Klinik einweisen wollte.

          Schicksalschläge münden in einer Lebenskrise

          Nach überwundener Krankheit heiratete er die hübsche, fit wirkende Kellie. Doch die junge Frau litt an Zystischer Fibrose. Das Paar hielt das geheim. Selbst als Draper seine Frau 1998 bei den French Open mitten in der Nacht zu einer Notoperation in ein Pariser Krankenhaus bringen musste. Ohne eine Minute Schlaf eilte er vom Hospital direkt auf die Tennisanlage von Roland Garros - und gewann sein Erstrundenspiel. 1999 starb Kellie Draper im Alter von 25 Jahren, für den jungen Witwer der Beginn einer Lebenskrise: „Zwei Jahre hat mich Tennis eigentlich nicht interessiert. Ich konnte einfach keinen Grund finden, weiterzumachen“, erinnert er sich. „Er hat zu viel getrunken und zu viel gegessen“, sagt sein Vater Dennis Draper, „Golf war seine Rettung.“

          Schon als Kind spielte der kleine Scott neben Tennis Golf. „Wir haben immer wieder zusammen Golfrunden gedreht und über Kellie geredet“, schildert Drapers Freund und Tenniskollege Jason Stoltenberg, wie Draper zurück ins Leben fand. Ein paar Jahr später lernte er seine zweite Frau Jessica kennen, mit der er in diesem Jahr das erste Kind erwartet. Anfang Februar lehnte er das Angebot ab, Tennisprofi Lleyton Hewitt permanent als Trainer für ein Jahressalär von 450.000 Euro zu begleiten. Für Petria Thomas, die dreifache Schwimm-Olympiasiegerin von Athen, hat ihr Cousin Draper die richtige Wahl getroffen: „Golf ist ideal für penible Menschen wie ihn. Man kann den Ball und die Schläger putzen. Man trägt immer ordentliche Kleidung.“

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