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Frauen-Team SCA beim Ocean Race : Angriff auf die Segel-Machos

Fahrt ins Ungewisse: Liz Wardley und die Frauen-Crew SCA beim Volvo Ocean Race Bild: Team SCA

Die Helden beim legendären Volvo Ocean Race waren bisher immer Männer. Das ändert sich nun. Noch nie startete ein Frauen-Team so gut vorbereitet in die neunmonatigen Segel-Regatta. Der Auftakt ist vielversprechend.

          Ein Boot um die Welt zu segeln, ist eine brutale Aufgaben. Tropische Zyklone, antarktische Stürme, Eiseskälte, unerträgliche Hitze, haushohe Wellen, entnervende Flauten, in denen plötzlich nichts mehr vorangeht, und auch die Enge an Bord - alles muss irgendwie überwunden werden. Wenn dann noch der harte Wettkampf dazukommt, wenn 20-Meter-Rennyachten über Monate Tag und Nacht von den Crews mit Maximalgeschwindigkeit über die einsamsten Winkel der Weltmeere geprügelt werden, geht das an die Grenzen der menschlichen Leistungsfähigkeit.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Man könnte meinen, das sei vor allem etwas für muskelbepackte Seebären, den Gewalten der Natur zu trotzen. Wie muss das also für Frauen sein? „Solche Fragen mag ich ja gar nicht“, antwortet Liz Wardley. „Wir sind genauso trainiert, gehen an unsere Limits. Da gibt es keinen Unterschied zu den Männern“, sagt die Australierin.

          Sie ist auf Papua-Neuguinea geboren und gehört zu den erfahrensten Seglerinnen der Frauencrew, die am Samstag gegen sechs Männermannschaften von Alicante aus beim Volvo Ocean Race in See gestochen ist - über neun Etappen. Der Auftakt war vielversprechend, die Frauen setzten sich gleich an die Spitze. Zurück erwartet werden die Boote im Juni nächsten Jahres am Zielort Göteborg. Liz Wardley hat als Mädchen schon nach Haien geangelt, ist in hohen Wellen gesurft und will als nächstes mit dem Kanu alleine von den Kanaren aus über den Atlantik in die Karibik paddeln.

          Steuerfrau Samantha Davies brachte bei der Präsentation der Skipper vor dem Start in Alicante den Saal zum Lachen, als sie das Thema, mit dem sich Frauen auf Segelbooten schon seit eh und je herumschlagen müssen, auf amüsante Weise ins Lächerliche zog. Zu ihren männlichen Kollegen auf dem Podium sagte sie trocken: „Wir sind im selben Wettkampf, haben alle das gleiche Boot. Ich nehme mal an, der einzige Unterschied zu den Männern ist, dass wir an Bord Sport-BHs tragen.“

          Bilderstrecke

          Der Angriff der Seglerinnen auf die Hochsee-Männerdomäne ist das seit langem spannendste Projekt eines Frauenteams im Sport. Es geht um Motivation, Überwindung, Kampf, Zusammenhalt, Teamführung, Wissen, Erfahrung, technisches Know-how, aber auch um Athletik und Disziplin. Die Helden beim legendären Ozean-Rennen waren bisher immer nur Männer. Verrückte Typen wie der Holländer Cornelis van Rietschoten, der einst an Bord eine Herzattacke erlitt, aber mit seiner Crew trotzdem weiter segelte und gewann.

          Einer Sensation kam es gleich, als die britische Seglerin Tracy Edwards im Jahr 1990 mit ihren Mitstreiterinnen zwei Etappen beim Ocean Race gewinnen konnte und am Ende Zweite wurde. Eine Ausnahme. Ansonsten erhielten Frauen kaum Unterstützung, es gab nie wirkliche Aufbauarbeit, wenig finanzielle Hilfe. Es blieb bei einzelnen spektakulären Vorstößen, manchmal so unglaublich wie bei der Holländerin Laura Dekker, die nach juristischem Hickhack mit 15 Jahren die Welt alleine umsegelte.

          Zweihundert Frauen wurden gecastet

          Segel-Machos der alten Garde konnten nie etwas anfangen mit den Frauen auf dem Boot und blickten abschätzig auf sie herab. Die America’s-Cup-Legende Dennis Conner bezeichnete noch in den Neunzigern eine weibliche Crew als „Lesben-Bande“. Beim Ocean Race ging zuletzt im Jahr 2001 ein Frauenteam auf die gefährliche Weltreise. Ein Sponsor stieg kurzfristig ein, wollte schnell Aufmerksamkeit und setzte auf Seglerinnen, die aber nur vier Monate Vorbereitungszeit bekamen. „Das war nur Effekthascherei“, sagt Liz Wardley. Sie war damals dabei.

          Diesmal ist alles anders. Noch nie ging eine weibliche Crew so umfassend vorbereitet in die bedeutendste Hochseeregatta der Welt. Zweihundert Frauen aus der ganzen Welt wurden für die verschiedenen Jobs gecastet. Auf Lanzarote wurde ein Camp eingerichtet, Segel-Experten, Fitnesstrainer und Sportpsychologen engagiert.


          Die Aufgaben sind komplex. Eine Rennyacht ist 20 Meter lang, der Mast so hoch wie ein zehnstöckiges Gebäude. Erstmals sind alle Boote baugleich. Ein über Hydrauliksysteme schwenkbarer Kiel macht sie schneller, bis zu 75 Kilometer pro Stunde. Die Seglerinnen müssen auch Technikerinnen, Wetterexpertinnen oder Sanitäterinnen sein. Sie wurden geschult, wie sie mit Konflikten an Bord umgehen. Am Ende stand eine Crew, die jetzt mit gutem Gefühl das Abenteuer angeht. „Die Lernkurve ist unfassbar steil nach oben geschossen. Wir haben gesehen, welches Potential vorhanden ist, wenn Frauen intensiv gefördert werden“, sagt Teamchef Richard Brisius. Eine deutsche Seglerin ist nicht dabei.

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