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Volvo Ocean Race : Psycho-Spiele und das kleine Segel-Einmaleins

Obwohl die Dongfeng noch keine Etappe für sich entscheiden konnte, führt die Crew von Skipper Charles Caudrelier das Gesamtklassement an. Bild: Jeremie Lecaudey/Volvo Ocean Rac

Kurz vor dem Ende des Volvo Ocean Race trennen die drei besten Crews gerade einmal drei Punkte. Beim Hafenrennen in Den Haag könnte es zum Showdown kommen.

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          Sie haben sich rar gemacht in den vergangenen Tagen, die Teilnehmer des Volvo Ocean Race. Lediglich ein paar gutgelaunte Einträge in den sozialen Netzwerken und einige still vor sich hin arbeitende Mechaniker zeugten von der Spannung, die derzeit über dem Hafen der walisischen Hauptstadt Cardiff liegt. Neun harte Etappen und acht lange Monate auf den unruhigen Ozeanen rund um den Erdball liegen hinter den Seglerinnen und Seglern – und nun, kurz vor dem Ziel, trennen gerade einmal drei Punkte die drei besten Crews.

          Obwohl mit 57 Punkten in der Gesamtwertung nur auf dem dritten Rang liegend, gilt das niederländische Brunel-Team derzeit als die Crew der Stunde. Zwei Siege und ein zweiter Platz in den letzten drei Etappen haben die Crew von Skipper Bouwe Bekking nach einem schwachen Start in die Regatta wieder zurück in den Kreis der Favoriten katapultiert. Zuletzt behielt das Team im nächtlichen Nebel den Durchblick, zog auf den letzten Metern noch am AkzoNobel-Team vorbei und hat aufgrund der für die Transatlantik-Etappe doppelt vergebenen Punktzahl nun nur einen beziehungsweise drei Punkte Rückstand auf die Teams von Mapfre und Dongfeng. „Das war genau der Sieg, den wir brauchten, um noch einmal ins Geschehen eingreifen zu können. Jetzt sind wir so heiß auf die letzten beiden Etappen, dass wir am liebsten direkt weitergesegelt wären. Aber ein bisschen Pause tut natürlich auch uns ganz gut“, sagte Brunel-Steuermann Peter Burling kurz nach der nächtlichen Ankunft in Cardiff.

          An diesem Sonntag starten die sieben Boote nun auf die vorletzte Teilstrecke der Regatta, die einmal rund um die Britischen Inseln nach Göteborg in Schweden führen wird. Falsche Entscheidungen und flatternde Nerven dürften dann schnell bestraft werden: Für die 1300 Seemeilen lange Route werden die besten Teams deutlich weniger als eine Woche benötigen, bevor die finale Etappe nach Den Haag – wo die Regatta am 30. Juni nach etwa 80.000 Kilometern um die Welt ihr Ende finden wird – mit einer Länge von gerade einmal 700 Seemeilen dann noch einmal kürzer ausfallen wird. Sollten in Den Haag tatsächlich zwei Teams punktgleich sein, könnten am Ende sogar die in den hauptsächlich zum Entertainment der Segelfans ins Leben gerufenen Hafenrennen gesammelten Punkte, die vor jeder Etappe stattfinden, für die Gesamtwertung entscheidend sein. Ein Szenario, das sich auch die Rennorganisatoren nicht dramatischer hätten wünschen können. „Es ist wirklich abgefahren, wie eng das Rennen nach all den Monaten noch ist. Dass die Brunel-Crew am Ende der lachende Dritte sein könnte, würde der Geschichte noch die Krone aufsetzen“, sagt Conrad Colman. Der Neuseeländer ist einer der Rennexperten, die im Ocean-Race-Hauptquartier im spanischen Alicante die Teams bei ihrer Hatz über die Weltmeere betreuen und sie regelmäßig über Gefahren wie Stürme, Eisberge oder andere Schiffe informieren.

          Überhaupt keine Lust auf zu viel Rechnerei zum Ende der Regatta hat dagegen Dongfeng-Skipper Charles Caudrelier. „Es macht keinen Sinn, Mathematik zu betreiben und Plazierungen durchzurechnen“, sagt der Franzose, der mit seiner Crew das Klassement anführt – obwohl das Team noch keine Etappe gewinnen konnte. Auch deswegen begnügt sich Caudrelier lieber mit dem kleinen Segel-Einmaleins: „Wer die nächste Etappe gewinnt, hat die besten Chancen, so einfach ist das. Der Druck auf uns ist natürlich maximal. Auf die anderen aber auch.“ So hatte zum Beispiel die Mapfre-Crew von Skipper Xabi Fernandez nach drei Triumphen auf den ersten acht Etappen schon eine Hand am Siegerpokal. Doch der fünfte Platz der vergangenen Etappe hat das Selbstvertrauen des spanischen Teams angeknackst. „Wir haben immer noch alles selbst in der Hand. Es liegt an uns, das Spiel in den nächsten zwei Etappen zu beenden“, spricht Fernandez sich und seiner Crew Mut zu.

          Das Ocean-Race-Finale wird somit auch zu einem psychologischen Spiel – zur Freude von Colman: „Nach so vielen Wochen auf See zeigt sich, welches Team am besten funktioniert und mental auf der Höhe ist. Es ist großartig, das zu beobachten“, sagt der 34-Jährige, der 2017 die Vendée Globe absolviert hat und nun von einer Teilnahme beim nächsten Ocean Race im Jahr 2021 träumt – das dann allerdings nicht mehr vom derzeitigen Namensgeber Volvo veranstaltet wird. Der Autohersteller aus Schweden zieht sich nach zwanzig Jahren aus der Organisation der Regatta zurück und will künftig nur noch als Sponsor aktiv sein. Den neuen Renneigentümer, das Atlant Ocean Racing Spain, erwartet viel Arbeit: Bislang stehen für die nächste Auflage weder die teilnehmenden Bootsklassen, ein Regatta-Modus noch die sich bewerbenden Hafenstädte fest.

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