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Volleyballteam nicht zu stoppen : Eindrucksvoller Pokaltriumph der Berlin Volleys

  • -Aktualisiert am

Strahlemänner: Sergey Grankin (links) und Samuele Tuia bejubeln ihren Sieg. Bild: Imago

Viel Druck, wenig Fehler: Gegen Düren zeigen die Berliner im deutschen Pokalfinale eine sehr gute Leistung. Der Sieg ist dennoch keine Selbstverständlichkeit.

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          Der Sonderzug aus Düren war exakt drei Stunden unterwegs. Abfahrt 9.30 Uhr, Gleis 4. Ankunft direkt an der SAP-Arena. Umweltfreundliche Anreise zum Pokalfinale nach Mannheim mit der „Rurtalbahn“ – grauer Fanschal und türkisfarbenes Finalshirt neben der Eintrittskarte inklusive. Ein schöner Ausflug für 80 Euro, den sich ein paar Hundert Fans der SWD Powervolleys aus dem Eifelstädtchen unweit von Köln am Sonntag gönnten. Mit im Gepäck hatten die „Moskitos“, wie sie sich nennen, die vage Hoffnung auf eine Volleyball-Sensation im Finale um den Deutschen Volleyball-Pokal gegen die Berlin Recycling Volleys. Doch die Favoriten fegten den Gedanken von den „eigenen Gesetzen“ des Pokals mit einem souveränen 3:0-Sieg (25:12, 25:18, 25:22) in nur 68 Minuten Spielzeit aus den Köpfen.

          Rheinländer stoßen an ihre Grenzen

          Trotz der Überlegenheit war der Pokalsieg für das Berliner Starensemble von Trainer Cédric Énard, das in der Bundesliga alle 18 Saisonspiele gewonnen hat, keine Selbstverständlichkeit. Denn sie waren zwar in den vergangenen acht Jahren siebenmal Meister, aber nur einmal, 2016, Pokalsieger. Für die Powervolleys gilt dagegen weiterhin der alte Slogan, dass sie „die beste Mannschaft sind, die noch nie was gewonnen hat“. Soeben hatten sie auch ihr sechstes Pokalfinale verloren. Immerhin war Düren 1:0 im ersten Satz in Führung gegangen, wegen eines Aufschlagfehlers von Sergey Grankin, dem russischen Olympiasieger auf Seiten der Berliner.

          Doch danach stießen die Rheinländer rasch an ihre Grenzen – 12:25 gaben sie den ersten Satz ab. Und auch im zweiten Durchgang sollte es nicht viel spannender werden. Vor allem Benjamin Patch, der 2,05 Meter große Diagonalangreifer auf Seiten der Berliner, war nicht zu stoppen. Der an beiden Armen tätowierte, Kettchen und Ohrring tragende Amerikaner bestach nicht nur durch seine Angriffswucht, die er in insgesamt 13 direkte Punkte umsetzte – sondern auch durch seine lässige Körpersprache, untermalt durch sein smartes Lächeln und leicht provozierend wirkendes Kaugummikauen. Ihm zur Seite stand der Franzose Samuel Tuia als Außenangreifer mit elf Punkten an Durchschlagskraft wenig nach und dessen Landsmann Nicola Le Goff – 2,06 Meter groß, 115 Kilogramm schwer – bildete alleine schon einen kaum zu überwindenden Mittelblock mit besonders außergewöhnlicher Griff- und Schlaghöhe.

          Auch wenn Düren im dritten Satz etwas durchatmen konnte und bis zum 16:14 sogar knapp in Führung lag, gab es am deutlichen Sieg der von Zuspieler Grankin glänzend in Szene gesetzten Berliner keinen Zweifel. „Chapeau“, sagte der in 280 Länderspielen gestählte Dürener Björn Andrae über die Vorstellung der Berliner: „So ein Finale habe ich selten erlebt, so viel Druck, so wenig Fehler. Da kann man nichts machen.“ Spaß habe es trotzdem gemacht, sagte der 38-Jährige, der auch schon in Italien, Russland, Polen und Griechenland sein Geld als Volleyball-Profi verdiente und zwei Olympische Spiele erlebte: „Die Atmosphäre hier ist phänomenal.“

          10689 Zuschauer entfachten am Final-Sonntag Lärm in der Arena, und weil dieses große Fest nun schon zum fünften Mal ähnlich stimmungsvoll verlaufen ist, freute sich René Hecht, der Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes, nach dem Männer-Finale sichtlich, dass der Vertrag mit Mannheim um weitere fünf Jahre bis 2025 verlängert wurde. Matchwinner Patch dankte dem Publikum mit einem typisch amerikanischen: „It‘s amazing, thank you so much“ und verkündete: „The party starts now.“ Für Andrae hatte das Fest dagegen schon während des Spiels begonnen. „Wenn man so verprügelt und dennoch von den Fans so angefeuert wird, ist das schon unglaublich: Ich habe es versucht, zu genießen.“

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