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Volleyball-Bundesliga : „Nordalpenvolleys“ wollen es alleine schaffen

Hände hoch, das Spiel geht weiter: Unterhaching kehrt in die Bundesliga zurück. Bild: Picture-Alliance

Überraschendes Comeback des TSV Unterhaching in der Volleyball-Bundesliga. Erst kürzlich endete das Projekt AlpenVolleys. Nun herrscht wieder Aufbruchstimmung bei den Münchnern.

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          Überraschender Aufsteiger in der Volleyball-Bundesliga. Der TSV Unterhaching spielt in der kommenden Saison doch erstklassig, womit sich die Zahl der Bundesligateams bei den Männern auf elf erweitert. Kaum zweieinhalb Monate nach dem Aus der Alpenvolleys, dem deutsch-österreichischen Joint-Venture aus Haching und Innsbruck, kehrt der Münchner Vorortverein nun als eigenständiges Team in die Eliteliga zurück.

          „Eigentlich hatten wir mit der 1. Liga erst mal abgeschlossen“, erklärte Mihai Paduretu, der Geschäftsstellenleiter des TSV Unterhaching. Man bereitete sich nach der Trennung von den Tirolern auf eine Spielzeit in der zweiten Liga Süd vor. Doch da Sätze, die mit „eigentlich“ beginnen, meistens eine Hintertür offenbaren, kommt der neuerliche Sonderweg der Münchner auch wieder nicht ganz so überraschend. Denn der Wunsch, „irgendwann“ wieder in der Bundesliga zu spielen, sei schon dagewesen, so Paduretu.

          Mit der Volleyball-Bundesliga (VBL) wurden Gespräche geführt und offenbar offene Türen eingerannt. Denn im jüngsten Quartal waren die Botschaften, die die Liga von ihren Vereinen vernehmen mussten, allesamt negativ gewesen: Eltmann bekam die Lizenz entzogen, Rottenburg gab sie freiwillig zurück und die Alpenvolleys beendeten ihr Projekt. Zudem liebäugelten die Seriensieger aus Berlin mit einem Umzug nach Polen, um dort auf stärkere Konkurrenz zu stoßen, als die Bundesliga sie ihnen noch bieten kann.

          Nun also das positive Signal aus Unterhaching, das auf einer Sondergenehmigung fußt: die nachträgliche Vergabe der Lizenz wurde durch eine Änderung im Lizenzstatut möglich, wonach freie Plätze zur Saison 2020/21 in der Bundesliga zur Abmilderung der Folgen der Corona-Pandemie an Lizenznehmer aus einer unteren Spielklasse vergeben werden können.

          „Wir werden eine junge, leistungsorientierte Truppe sein“ erklärt Paduretu und vergleicht die eben noch so gedrückte Stimmung nun schon wieder mit der Aufbruchsstimmung um die Jahrtausendwende, als das Team zum ersten Mal aufgestiegen war und im Jahrzehnt danach durchaus für Furore sorgte: Viermal wurden die Münchner deutscher Pokalsieger, ehe sie sich mangels Sponsor 2014 aus der Bundesliga zurückzogen, in die sie 2017 mit Hilfe ihrer Partner aus Österreich wieder einstiegen.

          Das Team wird unter dem Namen TSV Unterhaching spielen, und mit dem Slogan „local heroes“ werben. Ein Pool mehrerer kleinerer Sponsoren soll das Unternehmen absichern. „Wir wollen nicht mehr nur von einem Sponsor abhängig sein“, erklärt Paduretu als Lehre aus der Vergangenheit, als nach dem Rückzug des Versicherers Generali die Lizenz nicht mehr gehalten werden konnte. „Das zweite Haus, das man baut, ist immer besser als das erste.“

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          Selbst das Problem des Bodenbelags konnte im neuen Haus schon gelöst werden. Zwar hatte Hannes Kronthaler, der Manager der AlpenVolleys, den nicht mehr benötigten Boden nach Herrsching verkauft, da zu dem Zeitpunkt nicht absehbar war, dass Haching so schnell in die Bundesliga zurückkehren würde. Doch nun konnten die Münchner bei der Insolvenzmasse aus Eltmann zugreifen. 

          VBL-Präsident Michael Evers zeigt sich von dem bayrischen Vorstoß begeistert: „Mit dem TSV Unterhaching kehrt ein traditionsreicher Standort in die erste Liga zurück, der in der Vergangenheit einige Erfolge feiern konnte“, sagte er: „Das Konzept der Hachinger, in der Corona-Zeit auf eine Mannschaft mit jungen deutschen Spielern zu bauen und auf teure ausländische Akteure zu verzichten, hat den Vorstand überzeugt, diese zusätzliche Lizenz zu vergeben.“

          Die VBL verspricht, den Aufstieg der Hachinger am Grünen Tisch eng zu begleiten, um den Verein möglichst reibungslos wieder in den Spielbetrieb zu integrieren. Sportlich passieren kann bei dem abermaligen Neustart erst mal nichts: Der VBL-Vorstand hatte beschlossen, dass es in der Saison 2020/21 keine Absteiger geben wird.

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