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Volleyball : Sturmwarnung am Bodensee

  • -Aktualisiert am

Kräfteverschiebung im deutschen Volleyball: Friedrichshafen muss um seinen Status kämpfen. Bild: AP

Steht im Volleyball eine Wachablösung bevor? Der VfB Friedrichshafen wankt durch die Liga, ist im deutschen Pokal ausgeschieden und hat nach der 0:3-Niederlage im Viertelfinalhinspiel gegen Iraklis Thessaloniki nun auch in der Champions League kaum noch Chancen.

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          Es war das wohl traurigste Mannschaftsfoto des Jahres. Mit betretenen Gesichtern schauten Spieler und Betreuer des VfB Friedrichshafen freudlos in die Kamera, eine menschliche Wand, erstarrt in Frust und Enttäuschung. Zu deprimierend war der dritte und letzte Satz im Champions-League-Viertelfinale gegen Iraklis Thessaloniki verlaufen, zu ernüchternd war der Gedanke an den Satzball für den VfB im Durchgang zuvor, als der Sprungaufschlag des Griechen Andrej Kravarik schon an der Netzkante anschlug, bevor er doch um Haaresbreite auf Friedrichshafener Seite zu Boden ging.

          Bernd Steinle
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Vorbei die Chance zum Satzausgleich und vorbei nun wohl auch die Aussicht auf den Einzug ins Final-Four-Turnier in Prag. 0:3 (21:25, 25:27, 18:25) unterlag der VfB am Mittwochabend vor 3300 Zuschauern dem griechischen Meister und Pokalsieger. Im Viertelfinal-Rückspiel am kommenden Mittwoch müssten sie nun schon 3:0 in Thessaloniki gewinnen und danach den Golden Set für sich entscheiden. Kein sehr wahrscheinliches Szenario. „Die Messe ist gelesen“, sagte VfB-Trainer Stelian Moculescu.

          Wankender Riese Friedrichshafen

          Der nächste Rückschlag also in einer Saison, in der Moculescus Team sowieso vielen zuweilen vorkam wie ein wankender Riese? Im deutschen Pokal ist der VfB überraschend gescheitert, in der Bundesliga vorübergehend auf Rang drei abgerutscht. Fünf Niederlagen gegen deutsche Klubs setzte es bereits, in der vergangenen Spielzeit gab es keine einzige. Das große Wort von der Wachablösung machte in der Branche schon die Runde. Sturmwarnung am Bodensee?

          Bild aus glücklicheren Tagen: Friedrichshafens Trainer Stelian Moculescu feiert mit den Spielern Jose (l.) und Idner Lima Martins (r.) die Meisterschaft 2008
          Bild aus glücklicheren Tagen: Friedrichshafens Trainer Stelian Moculescu feiert mit den Spielern Jose (l.) und Idner Lima Martins (r.) die Meisterschaft 2008 : Bild: dpa

          Stelian Moculescu ist beileibe kein Typ, der gern verliert. Die Situation seines Teams sieht er trotzdem gelassen: „Sind wir Erster in der Liga, sagen alle, ist das langweilig. Sind wir nicht Erster, sagen sie, die sind in der Krise.“ Moculescu verweist lieber darauf, dass der VfB die stärkste Vorrundengruppe der Champions League überstanden hat, dass er zum achten Mal seit 1999 ins Viertelfinale der Königsklasse vorgestoßen ist und nun gegen eine Mannschaft verloren hat, die in dieser Saison international ungeschlagen ist. Und dabei auch noch ziemliches Pech hatte. „Das Spiel war nicht so deutlich, wie das Ergebnis nahelegt“, sagte Iraklis-Zuspieler Simon Tischer, mit dem VfB 2007 Champions-League-Sieger. „Wir haben den zweiten Satz mit Glück noch umgebogen. Sonst kann das Spiel ganz anders laufen.“

          Dieses Jahr fehlt die Sicherheit

          Alles richtig, und trotzdem fällt auf, dass der Dauermeister in dieser Saison bisher nicht zu der Sicherheit, der Abgeklärtheit und der Unerschütterlichkeit gefunden hat, mit der er sich sonst oft aus kritischen Situationen befreite. Es gab in dieser Saison viel Bewegung in der Mannschaft, teils verletzungs-, teils leistungsbedingt. Die anfängliche Variante mit dem koreanischen Jungstar Sung-Min Moon als Diagonalangreifer und Georg Grozer auf der Außenposition erwies sich bald als wenig erfolgversprechend. Inzwischen ist Grozer auf Moons Platz gewechselt, auf Außen wurde wegen des Ausfalls des langzeitverletzten Robert Hupka der Holländer Allan van de Loo nachverpflichtet.

          Und in der Libero-Frage plagt den VfB das Luxus-Problem, dass sich die Nationalspieler Markus Steuerwald und Tom Kröger um den einen Platz drängeln. Gegen Thessaloniki war aus taktischen Gründen Kröger dran, dem es aber nicht gelang, die Annahme gegen die wuchtigen Aufschläge des Schweden Marcus Nilsson zu stabilisieren. So waren die Variationsmöglichkeiten für Zuspieler Lukas Tichacek oft überschaubar – was die routinierten Blockspieler der Griechen dankbar zur Kenntnis nahmen.

          Selbst Berlin redet nicht von Wachablösung

          Schwächephasen dieser Art machten dem VfB auch in der Bundesliga schon zu schaffen. Nicht zuletzt, weil die Konkurrenz, der SCC Berlin etwa oder Generali Haching, ihrerseits näher an den Primus herangerückt ist – was die Liga so spannend, ausgeglichen und attraktiv macht wie lange nicht. Als Friedrichshafen Anfang Februar in Berlin antrat, verwandelte die Rekord-Kulisse von 7700 Fans die Partie in der Max-Schmeling-Halle in ein Volleyball-Fest. „So stelle ich mir ein Spitzenspiel vor“, sagte Moculescu, „so muss das sein.“ Abgesehen vom Ergebnis: Berlin gewann 3:1.

          Von einer Wachablösung aber wollen selbst die Berliner trotzdem nicht reden. Das 3:1 werten sie eher als Momentaufnahme, wenngleich als ziemlich schöne. Von einem Wechsel könne man erst sprechen, sagte SCC-Manager Kaweh Niroomand dem „Volleyball-Magazin“, „wenn es die Konkurrenz zweimal hintereinander schafft, dass der VfB nicht Meister wird“. In den vergangenen Wochen wurde seine Zurückhaltung bestätigt. Weil auch die Berliner in der Liga zwei Mal patzten, steht der VfB Friedrichshafen inzwischen schon wieder da, wo er meistens steht: an der Tabellenspitze.

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