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Volleyball : Spielen statt rechnen – und auf ein gutes Ende hoffen

Hält nicht viel vom Jonglieren mit Punkten: Trainer Moculescu Bild: dpa

Der deutsche Volleyball-Meister VfB Friedrichshafen bekommt es diesen Mittwoch in der Champions-League mit der besten Klubmannschaft der Welt zu tun. Trainer Moculescu hat vor dem Duell mit Trentino auch einen Plan B.

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          Man kann die Sache natürlich rein mathematisch angehen. Und genau ausrechnen, mittels höherer Kombinatorik, was alles geschehen muss, damit der VfB Friedrichshafen an diesem Mittwoch doch noch in das Achtelfinale der Volleyball-Champions-League einzieht. Das Problem ist nur, dass der deutsche Meister sein letztes Vorrundenspiel gegen den italienischen Klub Trentino BetClic (19.15 Uhr/Sport1) so hoch gewinnen kann wie er will – er ist trotzdem vom Ausgang der Spiele in den anderen Gruppen abhängig. Aus eigener Kraft kann der VfB den Sprung in die K.o.-Runde nicht mehr schaffen; die ersten beiden Plätze in der Vorrundengruppe D sind schon vergeben, an Trentino und den polnischen Klub PGE Skra Belchatow. Dem VfB bleibt nur die Chance, sich als bester Gruppendritter zu qualifizieren – sollten ihm die anderen Teams tatsächlich in die Karten spielen.

          Bernd Steinle
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Stelian Moculescu, der Friedrichshafener Trainer, hält von diesem Jonglieren mit Punkten und Sätzen ohnehin nicht viel. Spielen statt rechnen, so lautet sein Credo, und das Spielen wird in diesem Fall schon schwer genug. Trentino ist die derzeit erfolgreichste Volleyball-Mannschaft der Welt: Champions-League-Sieger 2009, Champions-League-Sieger 2010 und seit kurzem abermals Klubweltmeister, durch einen 3:1-Finalsieg gegen Belchatow, den anderen Gruppengegner des VfB. Die italienische Liga führt Trentino mit 13 Siegen in Folge an, davon elf ohne Satzverlust. „Sie haben das Beste, was es auf den Außenpositionen gibt“, sagt Moculescu, „und es sind oft die Außenangreifer, die Spiele entscheiden“ – im Fall Trentino durch den schlaggewaltigen Bulgaren Matey Kaziyski und den Kubaner Osmany Juantorena, zuletzt bei der Klub-WM in Doha (Qatar) als wertvollster Spieler und bester Angreifer ausgezeichnet. Will der VfB gegen sie bestehen, „müssen wir an unserer oberen Grenze spielen, und sie dürfen nicht ihren besten Tag haben“, sagt Moculescu.

          „Da haben wir nicht den Schlüssel gefunden“

          Für den Champions-League-Sieger 2007 ist es ein echtes Endspiel, ein „Showdown“, wie der einstige Bundestrainer sagt. Doch der 60 Jahre alte Moculescu ist lange genug Trainer, um seine Spieler in so einer Situation nicht zusätzlich mit markigen Sprüchen unter Druck zu setzen. „Wir haben nicht den Anspruch weiterzukommen“, sagt er. „Es ist einfach nicht optimal gelaufen für uns in der Champions League“, vor allem die zwei 0:3-Vorrundenniederlagen gegen Belchatow schmerzten, auch wenn der VfB dabei in Polen vor der Traumkulisse von 11.300 Zuschauern spielen durfte. „Belchatow war einen Tick besser, da haben wir nicht den Schlüssel gefunden“, sagt Moculescu.

          Im Hinspiel bei Trentino unterlag der VfB dagegen nur knapp 2:3 – die Chance, die Überflieger aus Norditalien zu bezwingen, ist also da. Sollte die Last-Minute-Qualifikation dennoch scheitern, tritt Plan B in Kraft: der CEV-Pokal. Für diesen Wettbewerb qualifizieren sich vier Gruppendritte aus der Champions League. Auch die zweite Liga in Europa bietet manchen erstklassigen Gegner, Casa Modena aus Italien etwa oder den polnischen Klub Resovia Rzeszow, neue Heimat des Angreifers Georg Grozer, 2010 noch deutscher Meister mit dem VfB.

          Haching erschüttert die nationale Vormachtstellung

          Doch in diesem Fall wäre Champions-League-Debütant Generali Haching das einzig verbliebene deutsche Team in der Königsklasse. Und der deutsche Pokalsieger, in der Bundesliga 3:2-Sieger gegen den VfB und in der Champions League schon für das Achtelfinale qualifiziert, erschüttert die nationale Vormachtstellung des Branchenriesen vom Bodensee ohnehin schon mehr und mehr. Moculescu nimmt das, zumindest nach außen hin, sportlich-gelassen. Er freut sich über die Herausforderung durch Haching, „das zeigt, dass es geht“, auch in Deutschland. Vor allem von der Arbeit des Hachinger Trainers und Machers Mihai Paduretu zeigt sich Moculescu beeindruckt. „Es freut mich für ihn, dass er das geschafft hat“, sagt der VfB-Coach.

          Doch Friedrichshafens offene Rechnung am Mittwoch birgt auch noch eine Unbekannte – den Plan C gewissermaßen: Sollte der VfB am Ende schwächster Gruppendritter der sechs Vorrunden-Pools werden, scheidet er international ganz aus. An dieses Szenario freilich wollen sie in Friedrichshafen noch gar keinen Gedanken verschwenden. Nicht mal einen rein mathematischen.

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