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WM-Qualifikation im Volleyball : Willkommener Druck

Andrea Giani will seiner Mannschaft Liebe zum Spiel vermitteln. Bild: dpa

Statt auf wilde Gesten und Provokationen setzt Trainer Andrea Giani auf saubere Technik und hohe Motivation. Dennoch wird die WM-Qualifikation für die deutschen Volleyballer schwierig.

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          Seine Rolle als Underdog und Störenfried spielt Vital Heynen mit Bravour: „Deutschland ist der Favorit“, sagt der ehemalige deutsche und aktuelle belgische Volleyball-Nationaltrainer vor dem finalen WM-Qualifikationsturnier in seinem Heimatland Belgien. Damit ist der Ball schon mal auf der anderen Seite, gemäß Heynens Spielmotto, stets den Gegner die Fehler machen zu lassen.

          Und dann schiebt er noch lässig hinterher, Deutschland sei allerdings nicht mehr so stark wie noch beim überraschenden Gewinn von WM-Bronze 2014. Was damals in Polen freilich noch unter seiner Regie gelang. Ebenfalls unter Heynens Führung hatten die Deutschen auch das Ticket für die anstehende Europameisterschaft Ende August gelöst, die wieder in Polen stattfindet.

          Mit klaren Offensivaktionen zum Erfolg

          Zwischenzeitlich, nach der knapp verpassten Olympia-Qualifikation 2016, hat Andrea Giani nach Heynens Rücktritt das Sagen bei den deutschen Männern übernommen. Der 47 Jahre alte Italiener verfolgt eine andere Philosophie als sein ein Jahr älterer Vorgänger. Genaugenommen verkörpert er sogar das exakte Gegenteil. Giani agiert an der Seitenlinie als die sprichwörtliche Ruhe in Person, fällt weder mit großen Gesten noch mit frechen Worten auf. Und hat auch keine Freude an gezielten Provokationen.

          Stattdessen predigt er klare Offensivaktionen, mit denen er seine Mannschaft zum Erfolg führen möchte: Angriff und Aufschlag gelten für ihn als maßgebliche Komponenten, die er gerne aggressiv eingesetzt sieht. Zudem setzt er auf saubere Technik und hohe Motivation als Schlüssel zu Spiel und Sieg.

          „Ohne Druck erreichst du keine hohen Ziele“

          Als Spieler galt Giani als Mensch gewordene Perfektion, als Trainer sieht er sich noch als Lernender und vermeidet es penibel, seine Akteure mit sich selbst zu vergleichen. Was er ihnen aber mitzugeben versucht, ist hundertprozentige Leidenschaft und Liebe zum Spiel. Dabei lässt er sich auch nicht von großen Erwartungen belasten: „Ich liebe Druck“, sagt er. „Ohne Druck erreichst du keine hohen Ziele.“

          So gesehen dürfte ihm die bevorstehende Aufgabe in der belgischen Kleinstadt Kortrijk liegen, auch wenn er ohne seinen besten Angreifer Georg Grozer auskommen muss, der aus familiären Gründen auf eine Teilnahme verzichtete. „Unser Ziel ist der Turniersieg“, daran lässt Giani keinen Zweifel, auch wenn starke Gegner warten.

          Die Chance zur direkten Qualifikation hat die Mannschaft vergeben

          Sechs Teams spielen an fünf Tagen nach dem Motto jeder gegen jeden um den letzten europäischen Start-Platz bei der WM 2018 in Bulgarien und Italien. Bevor es für Gianis Männer am Samstag (20.10 Uhr) zum vermeintlichen Showdown gegen Belgien geht, muss das deutsche Team zum Auftakt in Flandern am Mittwoch (17.30 Uhr) gegen Spanien bestehen und außerdem die Slowakei, Estland sowie zum Abschluss Weißrussland schlagen.

          Die erste Chance zur WM-Qualifikation hatte das deutsche Team mit einem 0:3 gegen Europameister Frankreich vergeben. Und der anvisierte Aufstieg aus der Weltliga-Gruppe drei ging nach einer Niederlage gegen Spanien ebenfalls daneben. Sollte es mit dem WM-Ticket auch im zweiten Anlauf nicht klappen, wäre die Enttäuschung groß. Und ein Spruch von Heynen würde sicher nicht fehlen.

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