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Volleyball-Pokalfinals : Der VfB Friedrichshafen, die blaue Welle vom Bodensee

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„Es war wie eine Droge“: Begleitet vom Fangetrommel, feiert sich das Team aus Friedrichshafen selbst. Bild: dpa

Trommelwirbel: Seriensieger VfB Friedrichshafen gewinnt auch diesmal das Finale des Volleyball-Pokals. Bei den Frauen überrascht der Schweriner SC den Favoriten Stuttgart.

          Die Übermacht trug Blau. Zumindest in den Kurven. Es ist zur guten Sitte im deutschen Volleyball geworden, dass die beiden Finalspiele des nationalen Pokalwettbewerbs nacheinander in derselben Halle ausgetragen werden. Und so bilden sich auf den Fantribünen Allianzen. Am Sonntag trommelten die Anhänger der Südklubs in den azurfarbenen Shirts der Männer vom VfB Friedrichshafen und der Frauen des MTV Stuttgart. Dagegen präsentierte sich auf der Nordseite ein bunter Mix: Zum Rot des SVG Lüneburg leuchtete das Gelb des SSC Schwerin. Und die Lüneburger „Hünen“ auf dem Feld trugen Weiß. Im Finale der Männer dauerte es vor 10287 Zuschauern in der Mannheimer Arena eine ganze Weile, ehe die blaue Welle den bunten Haufen überwältigte. Doch schließlich setzte sich der etablierte Rekordpokalsieger aus Friedrichshafen mit 3:0 Sätzen (25:23, 25:18, 25:16) gegen den Newcomer aus dem Norden durch. Am Anfang musste die Mannschaft vom Bodensee noch viel Aufwand betreiben. „Dass wir den ersten Satz noch knapp gewonnen haben, war der Knackpunkt“, sagte Friedrichshafens Außenangreifer David Sossenheimer hinterher. „Danach ging es überraschend einfach.“

          Friedrichshafen gegen Lüneburg, das schien auf den ersten Blick eine klare Angelegenheit zu werden. Auf der einen Seite der 15-malige Pokalsieger, der auch schon 13 deutsche Meistertitel gewonnen und zuletzt drei Mal den Supercup für sich entschieden hat. Trainiert zudem von einem aktuellen Weltmeister: Vital Heynen, der im Sommerjob mit Polens Nationalmannschaft 2018 den WM-Titel gewonnen hat. Auf der Gegenseite ein Team, dessen Trainer Stefan Hübner einst Heynens Assistent zu dessen Zeit als deutscher Bundestrainer war. Ein Team, das als größten Erfolg den Aufstieg in die Bundesliga 2014 vorweisen kann und 2015 schon einmal ein Pokalfinale erreichte – aber gegen das damals noch von Trainerlegende Stelian Moculescu gecoachte Friedrichshafen ebenfalls chancenlos war.

          Überraschende, strahlende Siegerinnen: Die Volleyballerinnen des SSC Palmberg Schwerin

          Nun schienen die Zeichen zunächst auf Wachablösung zu stehen. Lüneburg ging schnell 3:0 in Führung, führte später 11:9, 16:13 und noch 21:19, ehe der etablierte Pokalverteidiger das Spiel noch drehen konnte. Dabei zahlte sich die Leistungsdichte im Bodensee-Team aus. Während bei Lüneburg der amerikanische Außenangreifer Cody Kessel allein im ersten Satz neun Punkte beisteuerte, danach aber kaum noch zum Zug kam, verteilte sich die Angriffslast bei den Blauen auf mehrere Schultern.

          „Das ist generell unsere Kunst“, meinte der deutsche Nationalspieler Sossenheimer hinterher. Dass er selbst sich trotz seiner erst 22 Jahre immer mehr zum Anführer des Teams aufschwingt, überspielte er lässig. Dabei scheint der Spieler mit der Nummer fünf kaum zu stoppen zu sein. Er betrat nach Auszeiten stets als Erster das Feld und versprühte dort unbändige Energie, ballte die Faust und ließ laute Schreie nach jedem gelungenen Schlag los. Dabei ließ sich Sossenheimer auch von kleineren Rückschlägen nicht irritieren. Dass er gleich den ersten Angriff verschlug und auch mit seinem zweiten Ball im Block hängenblieb, verschmerzte er. Immer wieder neu versuchen, lautete die Devise: dafür aber besser und variantenreicher. Neben Durchschlagskraft mit der rechten Schlaghand von der linken Seite zeichnete ihn auch ein feines Händchen aus, mehrmals streute er geschickte Lobs ins Spiel ein. Am Ende sammelte er insgesamt zwölf Punkte, sein Außenangriffs-Kollege Athanasios Protopsaltis deren 14. Und Bartlomiej Boladz, der Diagonalspieler, schaffte zehn.

          Nur der Beginn war holprig

          „Lüneburg spielt eine Wahnsinnssaison“, lobte Sossenheimer später den unterlegenen Gegner, der in der Bundesliga-Tabelle als Dritter nur knapp hinter den zweitplazierten Friedrichshafenern rangiert. „Und von uns wird immer viel erwartet. Aber wenn wir erst mal ins Rollen kommen, sind wir eben schwer zu stoppen.“ Im zweiten Satz marschierte der VfB über 9:5, 18:12 und 22:15 ohne Umschweife auf den zweiten Satzgewinn zu. Im dritten Durchgang bäumte sich Lüneburg zwar noch einmal auf, war der blauen Übermacht aber mit 16:25 deutlich unterlegen.

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          „I will survive“ spielte die Hallenregie nach dem Matchball. Was diesmal aber nicht nur als Trost für die Unterlegenen gelten mochte, sondern auch dem Durchhaltevermögen der Sieger gewidmet war. Der Friedrichshafener Erfolg war der dritte Pokalsieg in Serie „in der Ära Vital“, was noch fehlt, ist aber ein deutscher Meistertitel unter Heynen. „Wir haben diesmal etwas holprig begonnen“, sagte Sossenheimer, womit er auch den gesamten Saisonverlauf meinte – immerhin hatte Lüneburg das Bundesligaspiel in der Bodensee-Arena mit 3:2 gewonnen. Doch zugleich kündigte er als Analogie auf das Pokalspiel an: „Zum Ende der Saison wollen wir das beste Level spielen.“

          Farbe bekennen hieß es anschließend im Endspiel der Frauen. Nach zwanzig Siegen in Pokal und Liga in dieser Saison endete die Stuttgarter Serie jäh mit einem deutlichen 0:3 (21:25, 21:25, 20:25) gegen den Schweriner SC. Nach dem Matchball lagen sich nur eine Handvoll Blaue in den Armen: das Schweriner Trainerteam um Bundestrainer Felix Koslowski, das im Gegensatz zu den gelbgekleideten Schweriner Spielerinnen blaue Shirts trug.

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