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Volleyball-Nationalspieler : Wanderarbeiter am Netz

Hauptangreifer Grozer: In der Bundesliga spielen? Bild: dpa

Fast alle deutschen Volleyball-Nationalspieler, die derzeit bei der WM für Furore sorgen, verdienen ihr Geld im Ausland. Das hat gute Gründe. Sportliche - aber vor allem finanzielle.

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          Czarni Radom, Jastrzebski Wegiel oder Asseco Resovia Rzeszow heißen die Arbeitgeber der deutschen Volleyball-Nationalspieler, aber auch Belogorie Belgorod, Noliko Maaseik und Fenerbahce Istanbul. Von den 14 Akteuren mit dem Adler auf der Brust, die derzeit bei der Weltmeisterschaft in Polen für Furore sorgen und nach sieben Siegen in neun Spielen in die Finalrunde der besten sechs Mannschaften eingezogen ist, spielen zwölf bei Vereinen im europäischen Ausland. Nur zwei, Ersatz-Zuspieler Sebastian Kühner und Mittelblocker Max Günthör, verdienen ihr Geld bei im Vergleich exotischen Klubs wie Berlin Volleys und VfB Friedrichshafen.

          Auf die Frage, was denn passieren müsse, damit auch er mal wieder in der deutschen Bundesliga aufschlägt, lässt Georg Grozer erst mal eine rhetorische Pause entstehen, schmunzelt dann ein bisschen und sagt schließlich: „Da müsste eine ganze Menge passieren.“ Und dann beginnt der deutsche Hauptangreifer aufzuzählen: „Das Niveau kommt einfach nicht mit, sportlich nicht, aber vor allem nicht finanziell - da muss man nicht drumherumreden.“ Der heute 29 Jahre alte Grozer spielte bis 2008 beim Moerser SC und wurde danach mit dem VfB Friedrichshafen zwei Mal deutscher Meister, ehe es ihn in die große Welt zog, die im Volleyball Polen oder Russland bedeutet. Derzeit ist er bei Belogorie Belgorod unter Vertrag, dem besten Klub der Welt. Er war ChampionsLeague-Sieger und Klubweltmeister mit den Russen und nimmt es für den sportlichen Erfolg in Kauf, dass er getrennt von seiner Frau und seinen beiden Töchtern in einer 350.000-Einwohner-Stadt nahe der ukrainischen Grenze sein Alltags-Leben fristet und sein Geld verdient - gutes Geld allerdings.

          Zuspieler Kampa: Vier Verträge in vier Ländern in drei Jahren

          Sein Nationalmannschaftskollege Lukas Kampa hatte es in Belgorod nur ein halbes Jahr ausgehalten, danach wurde er als Zuspieler ausgewechselt. Auf der Bank sitzen wollte er nicht, also wechselte er zum ukrainischen Klub Lokomotive Charkiw. Dort wäre er sogar gerne geblieben, doch die Vertragsverhandlungen scheiterten, und so zog es ihn weiter nach Italien zu Casa Modena. Nach der WM kann der 27-Jährige gleich in Polen bleiben, denn sein neuer Arbeitsplatz ist bei Czarni Radom.

          Bundestrainer Vital Heynen, ein Belgier, der zudem als Vereinstrainer im polnischen Bydgoszcz agiert, freut sich darüber, dass viele seiner Spieler gutdotierte Verträge in den europäischen Spitzenligen angeboten bekommen. Der aktuelle Erfolg bei der WM, bei der die deutsche Auswahl an diesem Dienstag im ersten Spiel der Finalrunde gegen Frankreich antritt, sei auch auf die gewachsene Druckresistenz seiner Spieler zurückzuführen. Wechsel im Halbjahres-Rhythmus sieht Heynen allerdings nicht so gerne: „Spieler und Trainer müssen sich aneinander gewöhnen, man braucht Zeit, sich zu entwickeln.“ Nach Heynens Ansicht sollten Verträge über zwei, maximal drei Jahre abgeschlossen werden.

          Doch so lange Laufzeiten werden nicht gerne gewählt, denn nicht immer ist gewährleistet, dass auch gezahlt wird wie besprochen. Vor allem aus Spanien, aber auch aus Italien kehrte nach der Wirtschaftskrise schon mancher Spieler mit dem halben Lohn zurück.

          Mittelblocker Günthör: Ein Exot, er spielt in Friedrichshafen

          „In der Bundesliga kann ein guter Volleyballspieler 30.000 Euro netto im Jahr verdienen“, sagt Klaus-Peter Jung, Geschäftsführer der Bundesliga, „vielleicht 35.000 - aber die bekommt er auch.“ Eine Summe, für die sich ein mittelmäßig begabter Fußballprofi hierzulande vermutlich nicht mal die Schuhe schnüren würde. Doch wenn die Sprache auf Fußball kommt, winken die Volleyballer sowieso ab: völlig andere Liga. „Wenn 90 bis 95 Prozent der Sponsoren zum Fußball rennen, braucht man sich nicht wundern, dass in den anderen Sportarten nichts passiert“, sagt Grozer.

          Wobei im Volleyball noch weniger zu holen ist als in den anderen großen Spielsportarten. Derzeit versucht der Ligaverband der Volleyballer, der die ersten beiden Spielklassen bei Damen und Herren unter seinem Dach vereint, wenigstens den Abstand zu Handball, Basketball und Eishockey zu verkleinern. Ein Masterplan soll helfen, professioneller aufzutreten und wirtschaftlich mehr Kraft zu entwickeln.

          Bundestrainer Heynen: Im Hauptberuf Vereinstrainer in Polen

          In Russland, wo Oligarchen den Ball fliegen und den Rubel rollen lassen, und Polen, wo staatliche Förderung hinter dem Aufschwung steckt, hat Volleyball schon jetzt einen deutlich höheren Stellenwert als in Deutschland, hier können Fachkräfte im gut „sechsstelligen Bereich“ verdienen, wie Jung schätzt. Kolportiert werden sogar Millionen-Gagen, doch das ist nicht verbürgt.

          In der Bundesliga liegt dagegen der komplette Etat der Spitzenmannschaften bei nur einer Million Euro - übrigens bei Frauen und Männern gleichermaßen, was zumindest aus Sicht der Gleichberechtigung eine gute Nachricht ist. Und zum Schluss ist auch Grozer noch ein guter Grund eingefallen, mal wieder in Deutschland zu spielen: „Ich müsste alt werden.“

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