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Volleyball-Legende Moculescu : Oft gefeiert, nie gefeuert

Letzter Aufschlag: Moculescu hat mindestens noch drei Spiele, ehe seine Zeit als Trainer vorbei ist Bild: dpa

Volleyball-Legende Stelian Moculescu bekommt nochmal Nachschlag, ehe er als Trainer aufhört. Er tut, als sei ihm das egal – das ist es aber ganz sicher nicht.

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          Stelian Moculescu sagt es betont beiläufig. „Wenn es das letzte Spiel gewesen wäre, dann wäre es eben das letzte Spiel gewesen.“ Wie es so seine Art ist, wenn er auf Statistiken oder vermeintlich spezielle Momente angesprochen wird. Rekorde interessieren den erfolgreichsten Volleyball-Trainer, der jemals in Deutschland gewirkt hat, nicht besonders, schon gar nicht seine eigenen, sondern „immer nur das nächste Spiel“. Dass es diesmal bei einer Niederlage gar kein nächstes Spiel mehr für ihn gegeben hätte, ist ihm erst mal nur ein Schulterzucken wert. Doch es kam ja anders. Sein Klub, der VfB Friedrichshafen, gewann am Donnerstag das dritte Spiel im Play-off-Halbfinale gegen die United Volleys Rhein-Main 3:0 und damit die Serie mit 2:1 Siegen. Es gibt also Nachschlag. Mindestens drei, maximal fünf Spiele stehen noch an für „Stelu“, wie er genannt wird. Danach ist Schluss als Volleyball-Trainer, nach 40 Jahren. Es war eine „Bauchentscheidung“, die der „rationale Gefühlsmensch“ getroffen hatte, nachdem sie eine Weile in ihm gereift war. Und nachdem sie einmal verkündet war, gilt sie auch. Unumstößlich.

          Achim Dreis
          Sportredakteur.

          Dabei ist Moculescu keineswegs so cool, wie er vorgibt. An der Seitenlinie kann er extrem emotional auftreten. Seine Spieler sind immer froh, wenn er schweigt – es ist das Zeichen, dass sie gut spielen. Dabei sagt Moculescu von sich, er reagiere „situationsbedingt“, nicht berechnend: „Ich kann nie vorher sagen, wie ich bin.“ Seine Kommentare zur Lage der Volleyballnation waren bisweilen bissig, meist zutreffend. Von Funktionären wurde er dafür gefürchtet.

          Er konnte sich Kritik und eine „große Klappe“ leisten. Der gebürtige Rumäne gewann seit 1978 mit vier verschiedenen Vereinen 18 deutsche Meistertitel, er wurde sogar 19 Mal Pokalsieger. Er erreichte mehrmals das Finale der Champions League, und einmal, 2007, gewann er sie auch. Er wurde oft gefeiert und nie gefeuert.

          Seinen ersten Titel holte Moculescu noch als Spielertrainer beim TSV 1860 München, doch die beste Zeit verbrachte er zweifellos am Bodensee. Die Symbiose aus Moculescu und Friedrichshafen sorgte für 27 Titel in 20 Jahren. Er selbst beschrieb seinen Trainerjob zwar stets „in erster Linie als Arbeitsplatz“. Doch auf Nachfrage bestätigte er, dass die Verbindung für beide Seiten „sehr viel Freude und Erfolg“ gebracht habe.

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          Schon am Sonntag erfolgt nun der erste Aufschlag im Finale zwischen den Recycling Volleys Berlin und Friedrichshafen. Ein Klassiker im deutschen Volleyball. Zum siebten Mal in Serie stehen sich die beiden Erfolgsteams im Endspiel gegenüber: Seit 1998 gab es keinen anderen deutschen Meister als Friedrichshafen (13 Titel) oder Berlin (fünf, davon zwei noch als SSC Berlin). Angesichts dieser beeindruckenden Bilanz kommt sogar „Stelu“ nicht umhin, festzustellen, dass dieses Finale „etwas Besonderes ist“. Man könnte auch sagen: ein würdiger Abschluss. Egal, wer gewinnt. Egal?

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