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Volleyball : Kapitän vom Bodensee

Einmal noch jubeln? Für Joao Jose (2.v.l.) und die Friedrichshafener wird es schwer, gegen Kasan das Final Four zu erreichen Bild: dpa

Joao José ist seit acht Jahren Fixpunkt des VfB Friedrichshafen. An diesem Dienstag versucht er seiner Mannschaft das vermeintlich Unmögliche - einen Sieg gegen den russischen Meister Zenit Kasan und den Einzug ins Final Four der Volleyball-Champions-League.

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          Mittelblocker sind im Spitzenvolleyball oft schwere Jungs. Mittelblocker leben von der Physis, das Dasein als Mittelblocker beginnt gewöhnlich bei zwei Metern Körpergröße. João José ist 1,94 Meter. Und trotzdem ein international begehrter Mittelblocker. „Er kompensiert das mit Intelligenz und Schnelligkeit", sagt Stelian Moculescu. Der Trainer ist ganz froh über die fehlenden Zentimeter - denn andernfalls wäre José für seinen Klub, den VfB Friedrichshafen, wohl kaum zu halten. „Er ist im Angriff einer der kompetentesten Spieler überhaupt, sein technisches Niveau ist gewaltig", sagt Moculescu.

          Bernd Steinle
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Seit 2004 schon arbeitet er beim deutschen Meister mit José zusammen - das ist das zweite Kuriosum in der Karriere des 33 Jahre alten Portugiesen. Viele Volleyballspieler sind Jobhopper, oft hält es sie, auch in der Bundesliga, nur ein, zwei Jahre bei einem Klub, bevor sie zum nächsten Arbeitgeber weiterziehen. Es ist nicht so, dass José in all der Zeit keine anderen Angebote gehabt hätte, schließlich gewann er 2007 mit dem VfB die Champions League. Es waren sogar finanziell bessere Angebote dabei - doch José blieb am Bodensee. „Es geht nicht nur ums Geld", sagt er, „dieser Verein gibt einem auch die nötige Stabilität, um eine Familie aufzubauen. Er hilft einem bei allen möglichen Problemen." Der Familienmensch José weiß das zu schätzen.

          So geht er nun im achten Jahr für den VfB ans Netz. In dieser Zeit, sagt er, habe sich ein eingespieltes Verhältnis zu Moculescu entwickelt. „Ich verstehe, was er will, und er versteht mich", sagt José. „Und er lässt mir meine Freiheiten im Umgang mit den anderen Spielern." Denn dem Kapitän kommt nicht nur sportlich eine wichtige Rolle zu, sondern auch atmosphärisch. Er ist der Fixpunkt, die Konstante in einem Team, das sich wegen zahlreicher Spielerwechsel zu Saisonbeginn oft erst noch finden muss. „Viele der Spieler, die zu uns kommen, sind jung und wenig erfahren", sagt José. Er versucht, ihnen die nötige Geduld zu vermitteln, wenn es nicht auf Anhieb läuft, und die nötige Ruhe und Abgeklärtheit, um in entscheidenden Situationen das Richtige zu tun. „Er ist eine wichtige Führungspersönlichkeit und ein integrer Mensch", sagt Moculescu. Mit anderen Worten: „Ein optimaler Kapitän."

          An diesem Dienstag spielt José mit dem VfB um den Einzug ins Final-Four-Turnier der Champions League (20 Uhr). Der 185-malige portugiesische Nationalspieler ist der einzige im Team, der so ein Finalturnier schon mal erlebt hat - 2007 beim Titelgewinn. Das Viertelfinal-Hinspiel gegen den glänzend besetzten russischen Meister Zenit Kasan ging glatt 0:3 verloren, doch der fragwürdige Modus kommt dem VfB zugute. Gewinnt er das Rückspiel, egal mit welchem Ergebnis, entscheidet der bis 15 Punkte gespielte „Golden Set" über das Weiterkommen.

          Daher soll Zenits Starensemble, das in der Königsklasse zu Hause nicht einen Satz abgab, in Friedrichshafen einen ganz anderen VfB erleben. Doch Moculescu sagt auch: „In den letzten Jahren ist es wesentlich schwieriger geworden, ins Final Four zu kommen" - allein schon, weil große, finanzstarke Volleyball-Nationen wie Russland, Italien oder Polen mit bis zu drei Teams dabei sind. So wird sich José wohl auch am Dienstag wieder einiges einfallen lassen müssen - die Mittelblocker der Russen sind zwischen 2,03 Meter und 2,10 Meter groß.

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