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Kapitänin Maren Fromm : Die unersetzbare Anführerin der deutschen Frauen

Energiegeladene Anführerin: die Kapitänin der deutschen Mannschaft, Maren Fromm Bild: Picture-Alliance

Ob es wirklich ohne Volleyball geht? Die deutsche Angreiferin und Antreiberin Maren Fromm spielt bei der WM in Japan ihr letztes großes Turnier – und womöglich die letzten Spiele ihrer Karriere.

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          „Ich muss mal gucken, ob mir Volleyball fehlen wird oder nicht“, sagt Maren Fromm und schickt ein leichtes Lachen hinterher. Die Kapitänin der deutschen Mannschaft hat sich entschieden, eine Auszeit zu nehmen, aber nicht nur im Nationalteam, sondern überhaupt. Nach Anfängen in Wilhelmshaven, Oldenburg und Berlin. Nach Titelgewinnen mit Stuttgart und Schwerin. Nach zwei EM-Silbermedaillen mit den deutschen „Schmetterlingen“. Nach lehr- und erfolgreichen Stationen in Italien, Polen und der Türkei ist sie nun vereinslos und will es bleiben. Sie will damit leben, ohne Volleyball zu leben. Und sich an Weihnachten endgültig entscheiden.

          Vermutlich werden es für sie noch vier Spiele bei dieser Weltmeisterschaft sein, zunächst zum Auftakt der Hauptrunde gegen Brasilien am Sonntag (6.25 Uhr). Sie will sie genießen und ihre Karriere nach dann 316 Länderspielen bestmöglich beenden. „Maren wird nicht zu ersetzen sein“, sagt Bundestrainer Felix Koslowski über die 32 Jahre alte Anführerin seines jungen Teams, die sich als Maren Brinker einen Namen machte und im vergangenen Sommer den Volleyballnationalspieler Christian Fromm heiratete. „Sie ist eine Spielerin, die die Mannschaft unglaublich geprägt hat.“ Doch zugleich weiß der selbst erst 36 Jahre alte Coach, dass es keinen Zweck hat, sie umzustimmen oder es zu versuchen.

          Auch bei der aktuellen WM in Japan besteht keinerlei Zweifel an ihrer Motivation und ihrem Können. Die energiegeladene Außenangreiferin führte ihre im Schnitt sieben Jahre jüngeren Mitspielerinnen bestmöglich durch die Vorrunde. „Mit unserer volleyballerischen Leistung können wir sehr zufrieden sein“, sagt Maren Fromm, auch wenn sie damit hadert, „dass wir uns gegen Holland und Japan nicht belohnt haben“. Neben drei 3:0-Siegen gegen Kamerun, Argentinien und Mexiko stehen zwei Niederlagen gegen die Gruppen-Favoriten zu Buche. Doch bei beiden Spielen wäre zumindest ein Punkt drin gewesen, mit dem selbst bei einer Niederlage das Erreichen des fünften Satzes belohnt wird. Vor allem der Misserfolg gegen die Niederlande schmerzte, bei einer Handvoll Satzbällen im vierten Durchgang war der Tiebreak nahe, ehe der Satz 30:32 verloren ging und damit das Match mit 1:3. „Da hat uns der Killerinstinkt gefehlt“, so Maren Fromm. Gut mitgespielt, aber im entscheidenden Moment nicht zugeschlagen, dieses Defizit galt auch gegen Gastgeber Japan vor 10.000 Zuschauern in Yokohama. Bei 17:21-Rückstand im dritten Satz holte das deutsche Team noch einmal auf und ging sogar 23:22 in Führung, verlor aber doch noch 24:26. „Noch eine Schippe mutiger“ und „noch mehr Risiko gehen“ sind die Lehren, die Koslowski aus diesen Begegnungen zieht.

          Angriff von außen: Maren Fromm bei ihrer Spezialdisziplin

          Da die Punkte aus der Vorrunde in die Hauptrunde mitgenommen werden und sich dort in einer Achtergruppe nur die besten drei für die Finalrunde qualifizieren, müsste das deutsche Team schon alle vier Spiele in Nagoya gewinnen, um in die Medaillenrunde einzuziehen. Doch so vermessen sind weder der Trainer noch die Kapitänin. Gegen den WM-Dritten Brasilien und Europameister Serbien wieder gut aussehen und dann zum Abschluss Puerto Rico und die Dominikanische Republik schlagen, „damit wären wir sehr zufrieden“, gibt Koslowski als Marschroute aus. Damit wäre auch der angestrebte Platz unter den besten Zehn erreicht. Auch Maren Fromm fühlt sich in der Rolle als Underdog recht wohl: „Frei aufspielen“, nennt sie als Devise: „Das, was dann rauskommt, nehmen wir.“

          Auf ihrer Abschiedstournee freut sich die dank ihres Sports weitgereiste Spielerin neben der sportlichen Entwicklung auch darüber, dass die Stimmung im Team sehr gut ist. Obwohl Koslowski in allen Vorrundenspielen mit der gleichen Startformation agieren ließ, hatte sie keine Unzufriedenheit wahrgenommen: „Jede akzeptiert ihre Rolle.“ Auch die Ergänzungsspielerinnen seien sich ihrer Aufgabe bewusst, versuchen sich, bei taktischen Wechseln bestmöglich einzubringen. „Es ist Profisport“, sagt Koslowski, „es geht darum, Leistung zu bringen.“

          Dagegen hatte Maren Fromm auf ihrer letzten Vereinsstation in der Türkei nicht mehr so viel Spaß am Spiel. „Sportlich war es nicht erfolgreich“, sagt sie, „dazu gab es Unmut zwischen Sponsoren und dem Klub.“ Und letztlich wurden Versprechen nicht gehalten. „Es fehlt mir sogar noch Geld.“ Dann lieber mal etwas anderes im Leben ausprobieren. „Ich bin ja auch schon 32.“

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