https://www.faz.net/-gtl-9va52

Volleyball-Nationalmannschaft : Grozer und der Abschied mit Schmerzen

Das war’s: Georg Grozer beendet seine Karriere in der Nationalmannschaft mit einer Enttäuschung. Bild: dpa

Georg Grozer zeigt noch einmal ein großes Spiel. Doch für die Olympia-Qualifikation und die Verlängerung der Karriere des gebürtigen Ungarn bis Tokio 2020 reicht das nicht. Grozer verschwindet danach wortlos.

          2 Min.

          Georg Grozer war auch bei seiner Abschiedsvorstellung der überragende Spieler. Zwanzig Punkte steuerte er mit seinen mächtigen Schmetterbällen und schlauen Lupfern zu den 63 Punkten der deutschen Volleyball-Nationalmannschaft bei, mehr Punkte, als jeder andere auf dem Feld erzielte. Doch für die Olympia-Qualifikation und damit die Verlängerung der Karriere des gebürtigen Ungarn bis Tokio 2020 reichte das nicht. Vor mehr als 6000 Zuschauern unterlag die deutsche Auswahl am Freitagabend in der Max-Schmeling-Halle von Berlin der französischen 0:3 (20:25, 20:25, 23:25).

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Grozer verschwand nach einer Verbeugung vor dem Publikum wortlos. Offenbar war sein Schmerz zu groß für Abschiedsworte. Beim zweiten Ballwechsel der Partie war er, der bereits an einer Wadenverletzung litt, nach einer Aktion am Netz auf dem Fuß seines Gegenspielers Nicola Le Goff gelandet und hatte sich beim Sturz das Knie verdreht. Mit einer Bandage und unter dem Einfluss von Schmerzmitteln spielte der 35 Jahre alte Profi weiter.

          „Das ist kein guter Start, wenn man nach dem ersten Punkt seinen besten Mann auf dem Boden liegen sieht“, sagte Mannschaftskapitän Lukas Kampa. „Aber es wäre nicht gerecht gegenüber den Franzosen zu sagen, dass uns dies den Sieg gekostet hätte.“ Auch das Wort zum Abschied des in den vergangenen Jahren überragenden Volleyball-Nationalspielers kam von Kampa. „Danke“, sagte er. „Danke, dass er so viele Bälle versenkt hat. Es war mir eine Ehre und eine Freude, ihn so lange begleiten zu dürfen und ihm die Bälle zuspielen zu dürfen. Er hat großen Anteil an den Erfolgen, die wir zusammen gefeiert haben. Deshalb hätten wir ihm einen Abschied aus Tokio gegönnt.“

          Dank Grozer erreichte die deutsche Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2014 in Polen Platz drei und kämpfte sich bei der Europameisterschaft 2017, ebenfalls in Polen, ins Endspiel, in dem sie dem russischen Team im Tie-Break unterlag. Am Freitagabend in Berlin kämpfte sie einen aussichtslosen Kampf. „Wir waren zwar im Finale. Aber um zu sagen, wir waren nah dran, hat zu viel gefehlt. Wir hatten nicht wirklich eine Chance“, konstatierte Kampa. „Das war schon ganz ordentlich, was die Franzosen von der Grundlinie rübergeschossen haben. Ich weiß nicht, ob irgendeine Mannschaft auf der Welt diesen Aufschlägen standgehalten hätte.“

          Nach Weihnachten hatte sich die deutsche Auswahl im Trainingslager Kienbaum auf diese Olympia-Qualifikation vorbereitet, in der acht Teams um einen Startplatz kämpften. Ob es nun zu einem Generationenwechsel kommt, ist ungewiss. Kampa, 34 Jahre alt, deutete an, womöglich noch für eine Welt- oder Europameisterschaft, nicht aber für den Olympia-Zyklus bis Paris 2024 zur Verfügung zu stehen. Auch Libero Markus Steuerwald, 30 Jahre alt, wollte nicht über seinen Abschied vom Team sprechen. Kampa empfahl dem Verband, den Italiener Giani zu halten; der Italiener sei ein außergewöhnlicher Trainer.

          Deutsche Frauen stehen im Finale

          Die deutschen Volleyballerinnen stehen kurz vor der Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokio. Einen Tag nach dem Aus der Männer kämpfte sich die Mannschaft von Bundestrainer Felix Koslowski überraschend bis ins Finale ihres entscheidenden Turniers in den Niederlanden vor. Die Schmetterkünstlerinnen bezwangen am Samstag im Halbfinale des Qualifikationsturniers in Apeldoorn die Gastgeberinnen klar mit 3:0 (27:25, 25:23, 25:22). Treffsicherste Nationalspielerin war Diagonalangreiferin Louisa Lippmann mit 21 Punkten.

          Damit fehlt den deutschen Volleyballerinnen nur noch ein Sieg für die erste Olympia-Qualifikation seit 16 Jahren. Nur der Turniersieger darf im Sommer nach Japan reisen. Im Endspiel am Sonntag (17.30 Uhr) ist die Türkei, die sich mit 3.2 gegen Polen durchsetzte, die letzte Hürde. Mit der makellosen Bilanz von neun Punkten waren die deutschen Volleyballerinnen noch vor dem weiteren Mitfavoriten Türkei als Gruppensieger in die Vorschlussrunde eingezogen. „Wir müssen noch zwei Schritte machen und werden dafür alles geben“, hatte Mittelblockerin Marie Schölzel vor dem K.o.-Spiel gesagt. Im Halbfinale bewiesen die Deutschen dann erneut Nervenstärke und schlugen die Gastgeberinnen deutlich. (dpa)

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Angriff in Iran : Attentat nach dem Kalender

          Bis Biden kommt, will Israel die Fähigkeiten Irans soweit es geht schwächen – und die angekündigten Verhandlungen über ein wiederaufgelegtes Atomabkommen verderben.
          Kritisierte Meuthens Rede als „spalterisch“: der Vorsitzende der Bundestagsfraktion und AfD-Ehrenvorsitzende Alexander Gauland

          AfD-Parteitag : Gauland schlägt zurück

          Für seine Kampfansage an die Radikalen muss der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen heftige Kritik einstecken. Fraktionschef Alexander Gauland rügt Meuthens Rede als „Verbeugung vor dem Verfassungsschutz“ – dabei müsse die AfD gegen diesen „kämpfen“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.