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Volleyball-Finale : Neue Zeitrechnung beim VfB Friedrichshafen

Der „Volleyball-Verrückte“ gibt den Ton an: Vital Heynen (Mitte) redet seine Mannschaft stark Bild: dpa

Volleyball-Trainer Vital Heynen wirbelt den VfB Friedrichshafen durcheinander – mit Erfolg. Im ersten Finale um die deutsche Meisterschaft schlägt sein Team die Berlin Volleys.

          2 Min.

          Kaum zehn Minuten waren im ersten Endspiel um die deutsche Volleyball-Meisterschaft gespielt, da schwappten schon „Oh wie ist das schön“-Sprechchöre durch die Arena in Friedrichshafen. 12:5 lag der heimische VfB vorne, führte den Endspielgegner regelrecht vor. „So was hat man lange nicht gesehen“ sangen die knapp 2800 Zuschauer – und das will etwas heißen an einem Ort, an dem immerhin der deutsche Rekordmeister zuhause ist. Im weiteren Verlauf hatten „die Häfler“ dann zwar etwas mehr Mühe mit dem Titelverteidiger aus Berlin, vor allem der zweite Satz stand auf der Kippe, doch nach knapp 80 Minuten setzte sich das Bodensee-Team 3:0 (25:13, 26:24, 25:21) gegen die etwa müde wirkenden Volleys durch.

          Achim Dreis
          Sportredakteur.

          So was hat man lange nicht gesehen? Immerhin 27 Titel hatte der VfB Friedrichshafen in 19 Jahren unter Trainerlegende Stelian Moculescu gewonnen, neun Mal das Double, 2007 sogar das Triple mit dem Gewinn der Champions League als Krönung. Doch seit der aktuellen Saison herrscht eine neue Zeitrechnung. „Stelu“ verabschiedete sich in den Ruhestand, Vital Heynen hat nun das Sagen. Und der charismatische Coach wirbelte erst mal vieles durcheinander.

          Der ehemalige Bundestrainer, der Deutschlands Herren 2014 zu WM-Bronze führte, trat die neue Aufgabe mit dem ihm typischen Selbstbewusstsein an. Heynen erklärte von Anfang an, dass ihn die vermeintliche Bürde seines berühmten Vorgängers nicht belastet. „Wir beginnen bei Null“, erklärte der Belgier, ging seine Mission mit „Herzblut und Leidenschaft“ an, stellte eine neue Mannschaft mit jungen Spielern zusammen und füllte seine Worte mit Leben. Titelgewinne versprach er nicht, gleichwohl gab er mit einem Satz die Richtung vor: „Wir wollen Volleyball in Friedrichshafen wieder attraktiv machen.“

          Konservative Strukturen sind ihm ein Ärgernis, die er mit Vorliebe aufbricht. Gerne auch mal mit gezielten Provokationen. Ihn selbst als hyperaktiv zu bezeichnen, ist keine Beleidigung, sein tägliches Tempo ist beachtlich, im Denken, im Reden und im Handeln. Friedrichshafen sei für jeden normalen Trainer ein Traum, erklärte er im Verlauf der Saison. „Doch ich bin kein normaler Trainer.“ Präsident Wunibald Wösle und Geschäftsführer Sebastian Schmidt mussten sich entsprechend erst mal an den Mann gewöhnen, der stets den Ton angibt und sich selbst als „ein bisschen verrückt“ bezeichnet.

          Die „Häfler“ auf dem Weg zum Double: Spiel eins der Finalserie gewinnt der VfB
          Die „Häfler“ auf dem Weg zum Double: Spiel eins der Finalserie gewinnt der VfB : Bild: dpa

          Der Star ist bei Heynen nicht die Mannschaft, sondern er selbst. Doch damit nimmt der 47-Jährige auch den Druck von seinen Spielern, gibt ihnen die Chance, sich zu entwickeln. Und redet sie stark. Die Spieler schwören auf Heynen. „Ohne Vital wäre ich nicht hier“, sagte David Sossenheimer, einer der jungen Aufsteiger der Saison, und im ersten Finale als „Man of the Match“ ausgezeichnet.

          Die Berliner werden des Belgiers dagegen so langsam überdrüssig. In dieser Saison hatten sie schon beide Spiele in der Normalrunde, den Supercup und das Pokalfinale gegen Friedrichshafen verloren. Nur einen Erfolg haben sie dem Provinzteam voraus: die Qualifikation für das Final-Four der Champions League am kommenden Wochenende. Doch auch daraus könnte ihnen ein Nachteil erwachsen, denn die Serie um die deutsche Meisterschaft wurde deshalb von Best-of-Five auf Best-of-Three verkürzt. Vital Heynen ist der Modus egal. Für ihn beginnt jedes Spiel bei null. Aber deutscher Meister war er noch nie.

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