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Volleyball-EM : Ohne Angelina Grün, mit Medaillenchancen

Hoffen auf ein Siegertänzchen bei der EM in Polen Bild: dpa

Die deutschen Volleyballspielerinnen haben die Chance, den außergewöhnlichen Sommer angemessen abzuschließen - mit einer Medaille bei der EM in Polen. Allerdings muss das Team auf eine verlässliche Angriffskraft verzichten. Der Start gegen Italien misslang.

          2 Min.

          Es war schon jetzt ein außergewöhnliches Jahr für den Deutschen Volleyball-Verband (DVV). Die Beachvolleyballspieler Julius Brink/Jonas Reckermann wurden Weltmeister und beendeten die Saison als erste Europäer auf Weltranglistenposition eins. Bei der U19-Beach-WM gewannen Christine Aulenbrock/Victoria Bieneck Gold, bei der U23-EM holte der deutsche Beach-Nachwuchs gar vier von sechs möglichen Medaillen, darunter zwei goldene, die an Britta Büthe/Julia Großner und Alexander Walkenhorst/Stefan Windscheif gingen.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Doch auch die Hallenkollegen waren nicht faul. Die U20-Frauen wurden Weltmeister, es war die erste WM-Medaille für den deutschen Hallennachwuchs überhaupt. Die Männer gewannen die Europaliga und qualifizierten sich für die WM und die Weltliga, den Frauen gelang ebenfalls der Sprung zur WM, zudem belegten sie beim Pendant zur Weltliga, dem hochklassig besetzten Grand Prix, den dritten Platz. Und nun haben sie die Chance, diesen Jubelsommer noch angemessen abzuschließen - mit einer Medaille bei der EM in Polen.

          „Mein Team hat bislang eine sehr gute Saison gespielt und sich den Sommer über stark verbessert“, sagt Bundestrainer Giovanni Guidetti. „Wir werden hier antreten, um zu zeigen, was wir können.“ Abgesehen von den Spiel- und Reisestrapazen der vergangenen Wochen macht dem Italiener dabei nur eines zu schaffen: „Sicherlich ist unser Gruppe sehr schwer“, sagt Guidetti zu den Vorrundengegnern Italien, Frankreich und Türkei. „Aber wir sehen das als eine Herausforderung, die wir meistern wollen.“

          Auf den Spuren von Angelina Grün: Angreiferin Margareta Kozuch
          Auf den Spuren von Angelina Grün: Angreiferin Margareta Kozuch : Bild: dpa

          Margareta Kozuch als Hoffnungsträgerin

          Und das ist alles andere als vermessen - obwohl das Team ohne die langjährige Anführerin Angelina Grün antritt, auf deren verlässliche Angriffskraft die DVV-Frauen in kritischen Situationen oft vertrauen konnten. Die Neunundzwanzigjährige hatte nach der verpassten Olympia-Qualifikation 2008 eine Auszeit von der Nationalmannschaft genommen. Ob und wann sie in den Kader zurückkehrt, ist völlig offen. „Die Mannschaft hat gelernt, ohne sie zu spielen“, sagt Guidetti. Zu verdanken hat sie das nicht zuletzt Margareta Kozuch, die Angelina Grüns Position als Hauptangreiferin ausfüllt. Die 22 Jahre alte gebürtige Hamburgerin spielte in der italienischen Profiliga bei ihrem Klub Asystel Novara schon eine hervorragende Saison, wurde dort Meisterschaftszweite und gewann den CEV-Pokal, das Volleyball-Pendant zum einstigen Uefa-Cup. Nun ist sie auch im Nationalteam zu einer der wichtigsten Stützen gereift.

          Doch gerade die zwei Testspiele in den vergangenen Tagen gegen Russland, ein Sieg und eine knappe Niederlage, zeigten, wie breit die deutschen Frauen inzwischen auf internationalem Top-Niveau mithalten können - bis hin zu den drei U20-Weltmeisterinnen Sarah Petrausch, Lena Möllers und Lenka Dürr, die Guidetti ebenfalls in den EM-Kader berufen hat. „Mit den Leistungen in den Partien gegen Russland hat sich das Team viel Selbstbewusstsein geholt“, sagt Guidetti.

          „Natürlich träumen wir von einer Medaille“

          Das gilt es nun bei der EM in Polen zu zeigen. Der Auftakt konnte schwerer nicht sein: Am Freitag verloren die Deutschen klar mit 0:3 gegen den Titelverteidiger und ersten Titelanwärter Italien. Den Fehlstart können die deutschen Frauen allerdings schon am Samstag gegen Frankreich und am Sonntag gegen die Türkei (jeweils 17.30 Uhr) wieder wettmachen. Die ersten Drei der Vierer-Vorrundengruppe rücken auf in die Zwischenrunde. Und dort wollen die Deutschen auf jeden Fall hin. Mindestens. „Natürlich träumen wir von einer Medaille“, sagt Mittelblockerin und Spielführerin Christiane Fürst. „Und wir können uns diesen Traum erfüllen.“

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