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Volleyball : Miss Swiss

Dora Grozer: in der Schweiz heimisch geworden Bild: Picture-Alliance

Dora Grozer musste Umwege gehen, um durchzustarten. In der Schweiz gewinnt die Jüngste aus der Volleyball-Dynastie Grozer Titel – und die Freude an ihrem Sport zurück.

          2 Min.

          Die Wege zum Erfolg sind verschlungen, und nicht selten erscheinen sie zunächst als Umwege. Dora Grozer, jüngster Spross aus der deutsch-ungarischen Volleyball-Dynastie mit Vater Georg Grozer senior und Bruder Georg Grozer an der Spitze, war mit ihren 23 Jahren schon kurz davor, ganz mit dem Leistungssport aufzuhören, ehe sie nun ihrem ersten Titel entgegenstrebt. Dabei hatte sie es schon mit jungen Jahren zur deutschen Nationalspielerin geschafft. Doch mehrere kleinere Verletzungen und das Gefühl mangelnder Unterstützung in ihren Vereinen nagten am Selbstbewusstsein der 1,82 Meter großen, jungen Frau.

          Achim Dreis
          (ad), Sport

          Beim VC Wiesbaden, wo sie nach den Aufbau-Stationen USC Münster und Ladies in Black Aachen in der Volleyball-Bundesliga eigentlich ihre Karriere vorantreiben wollte, fühlte sie sich von Trainer Dirk Groß unverstanden und als zu verletzungsanfällig abgestempelt. Statt im Außenangriff zu punkten und international durchzustarten, fand sie sich immer wieder unerwartet auf der Ersatzbank wieder. Dora Grozer wollte schon den Ball in die Ecke legen und sich verstärkt ihrem vernachlässigtem Studium widmen, ehe sie mit dem Assistenztrainer der Nationalmannschaft intensiver ins Gespräch kam.

          Andreas Vollmer, zuvor auch beim VC Wiesbaden und beim USC Münster tätig – allerdings zu anderen Zeiten als Dora Grozer – ermutigte das außergewöhnliche aber offenbar verkannte Talent, keineswegs aufzuhören, sondern noch einmal eine andere Variante auszuprobieren. Und zwar in seinem neuen Wirkungsfeld, dem Schweizer Provinzklub Sm'Aesch Pfeffingen, einem Zusammenschluss der Vereine VBC Aesch und VBC Pfeffingen im Baseler Land. Zusammen kommen die beiden Orte kaum auf 15.000 Einwohner, aber gemeinsam bilden sie zumindest in der beschaulichen Schweizer Sportszene eine Macht im Volleyball.

          Zweimal wurde Sm'Aesch Pfeffingen Zweiter in der Nationalliga, zweimal auch standen sie im Pokalfinale. Gewonnen haben sie freilich bislang noch keinen Titel, aber diesmal könnte es soweit sein. Das erste Endspiel in der Playoff-Serie gegen Neuchâtel UC gewannen die Frauen aus dem Baseler Land am Donnerstag mit 3:1 (28:26, 25:18, 21:25, 25:17) Sätzen – und Topscorerin war die Außenangreiferin aus Deutschland. Dora Grozer markierte alleine 26 Punkte.

          Trainer Andreas Vollmer: Außenangreiferin Dora Grozer blüht auf.
          Trainer Andreas Vollmer: Außenangreiferin Dora Grozer blüht auf. : Bild: dpa

          In der Best-of-Five-Serie um die Schweizer Meisterschaft hat Sm'Aesch Pfeffingen damit vorgelegt – aber vor allem erfüllte Dora Grozer die Erwartungen, die sie im Laufe der Saison ausgiebig geweckt hatte. Die 23-Jährige wurde schon vor den Finalspielen von „Swiss Volley“ zur wertvollsten Spielerin der Saison (MVP) gewählt. Und das Fachportal Volley1 erkor sie zur spektakulärsten Akteurin der Liga.

          Mit beiden Auszeichnungen rechtfertigte Dora auch das Vertrauen, das Trainer Vollmer ihr gegeben hatte – und das sie zuvor in Wiesbaden vermisst hatte. „Es hat sich herumgesprochen, dass sich Spielerinnen hier gut entwickeln können“, sagt der am Bodensee im deutsch-Schweizer Grenzgebiet wohnende Vollmer über das eidgenössischen Erfolgsgeheimnis.

          Dora Grozer erfüllt als Topscorer in Verein und Liga so ganz nebenbei auch endlich die Erwartungen an ihren im Volleyballsport großen Namen. Sie selbst ist vor allem glücklich darüber, die Freude an ihrem Sport zurück gewonnen zu haben. Übertreiben will sie es aber auch nicht. Die neuerlichen Einladungen von Bundestrainer Felix Koslowski zur Nationalmannschaft – für die Spiele in der Nations League im Sommer und die anschließende Europameisterschaft – sagte sie ab. Jetzt soll wirklich die Uni Vorrang haben.

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