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Pokalfinale im Volleyball : Mit feinem Händchen

  • -Aktualisiert am

Im Mittelpunkt des Schweriner Spiels: Denise Imoudu Bild: dpa

Nach schmerzhaften Corona-Auszeiten in dieser Saison gewinnt Schwerin auf dem schnellsten Weg den Volleyball-Pokal. Eine besondere Rolle spielt Denise Imoudu, die nach Wanderjahren glänzend Regie führt.

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          Das Strahlen bekam Denise Imoudu schon während des Spiels kaum aus dem Gesicht. Denn die Schweriner Zuspielerin mit der markanten Lockenmähne führte beim 3:0-Sieg (25:19, 25:13, 25:18) über den SC Potsdam in diesem unerwartet einseitig verlaufenen Endspiel um den deutschen Volleyball-Pokal so gekonnt Regie, dass ihre Mitspielerinnen die präzisen Vorgaben mit großer Selbstverständlichkeit vollenden konnten.

          Egal, ob Lauren Barfield durch die Mitte punktete, Greta Szakmary von außen oder Hayley Spelman aus dem Hinterfeld: stets hatte Denise Imoudu mit ihrem feinen Händchen die Vorarbeit geleistet. Und wenn sie die Lücke am Netz selbst erspähte, wagte sie auch den ein oder anderen frechen Tip-In wie zum 15:7 im ersten oder zum 8:5 im dritten Satz, was stets besonders lange Gesichter auf der Gegenseite zur Folge hatte. Oder die Rechtshänderin präsentierte einen ihrer zahlreichen Aufschläge so raffiniert, dass die Potsdamerinnen beim Versuch, den Ball irgendwie zurück zu bringen, im aufmerksamen Schweriner Block hängen blieben, wie beim Satzball des zweiten Durchgangs. „Wir haben von Anfang an gemerkt, dass es funktioniert“, sagte die 25-Jährige Imoudu nach dem Spiel, und strahlte dabei die gleiche Begeisterung und Zuversicht aus, die sie schon auf dem Spielfeld auszeichnete: „Wir haben von vorne bis hinten unser Spiel durchgespielt“.

          Den Potsdamerinnen gelang dies nicht, auch weil sie ihre erst zu Jahresbeginn verpflichtete Zuspielerin Jennifer Nogueras nicht einsetzen durften. Es begann notgedrungen die brasilianische Zuspielerin Ana Tiemi Takagui, die nach einseitig verlaufenem erstem Satz der Amerikanerin Lindsay Flory Platz machen musste, die das Spiel der Brandenburgerinnen aber auch nicht adäquat sortieren konnte. So endete das mit Spannung erwartete Finale nach nur 70 Spielminuten. Es war der schnellstmögliche Weg zu einem Titel, nicht nur, weil Schwerin nur drei Sätze im Endspiel benötigte, sondern auch insgesamt nur drei Spiele. Wegen der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie waren in dieser Saison nur die elf Bundesligateams teilnahmeberechtigt, und die Top-Teams genossen bei diesem besseren Ligapokal im Achtelfinale sogar noch Freilos.

          Wichtige Verbindung: Trainer Kosloswki und die Zuspielerin seines Vertrauens
          Wichtige Verbindung: Trainer Kosloswki und die Zuspielerin seines Vertrauens : Bild: dpa

          Bei einem Doppelspieltag Mitte November gewann Schwerin in eigener Halle zunächst im Viertelfinale 3:0 gegen die Ladies in Black Aachen und schaltete dann Titelverteidiger Dresdner SC mit 3:1 aus, was die perfekte Vorlage zum Titelgewinn war. „Natürlich haben wir vor dem Endspiel eine besondere Anspannung gespürt“, bekannte Cheftrainer Felix Koslowski, „doch die löste sich schnell auf“.

          2019 war er ebenfalls in der Mannheimer SAP-Arena schon einmal Pokalsieger mit Schwerin geworden. Die Halle hatte er als „Place to be“ für jeden Volleyballer in Deutschland bezeichnet. Allerdings war die Atmosphäre diesmal nicht wiederzuerkennen gegenüber dem Flair der Vorjahre, als jeweils mehr als 10.000 begeisterte Zuschauer die Arena in ein Wembley des Volleyballs verwandelt hatten. Diesmal durften die Schweriner nicht mal ihre Pappfiguren mit Fan-Porträts plazieren, da diese nicht dem Brandschutz entsprachen.

          Kleinigkeiten, die an der überschwänglichen Freude des Schwerinerinnen nach ihrem fulminanten Sieg aber nichts änderte. „Es hat richtig Spaß gemacht“, meinte Koslowski, dessen Matchplan aufgegangen war. Für ihn fühlte sich der Pokalsieg auch wie die Belohnung in einer schwierigen Saison an, in der sein Team schon zwei unfreiwillige Auszeiten wegen Corona-Quarantänen hinnehmen musste und in der Bundesliga nur auf Platz drei rangiert.

          „Wenn man so große Spiele spielen kann, dann ist alles egal“, sagte Denise Imoudu, für die es ein ganz besonderer Erfolg war, denn die in Schwedt in der Uckermark geborene Nationalspielerin war erst vor der Saison von Potsdam zurück nach Schwerin gewechselt. Dort hatte sie schon von 2013 an zwei Jahre gespielt, ehe sie mit der ausdrücklichen Unterstützung von Koslowski, der in Personalunion auch Bundestrainer ist, einige Wanderjahre in der Bundesliga unternahm, und sich außer in Potsdam auch in Hamburg und Aachen fortbildete. Nun war sie zurückgekehrt, um ihrer Karriere in Schwerin auf höherer Ebene und verantwortlicher Position einen neuen Schub zu geben. Nicht erst seit dem Pokalfinale lässt sich konstatieren: es ist ihr gelungen.

          Erster Titel für United Volleys Frankfurt

          Der dritte Matchball brachte die Entscheidung: Außenangreifer Tim Grozer schlug den Block der Netzhoppers KW-Bestensee an, der Ball landete im Aus und der Pokalsieg für die United Volleys Frankfurt war perfekt. Mit 3:0 (25:23, 25:21, 25:22) setzte sich die vom Argentinier Juan Manuel Serramalera gecoachten Hessen in einem umkämpften Finale um den deutschen Volleyball-Pokal in Mannheim gegen das Team aus Königs Wusterhausen durch. Für die erst 2015 aus der TG 1862 Rüsselsheim hervorgegangene Frankfurter Mannschaft ist es der erste Titelgewinn in der noch jungen Vereinsgeschichte. (ad.)

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