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Volleyball : Das Ende einer Ära?

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Stelian Moculescu: „Wenn wir gewinnen, ist das ja uninteressant“ Bild: dpa

Dauermeister Friedrichshafen steht nicht im Volleyball-Finale. „Jetzt werden wir soviel Presse haben wie selten“, sagt Trainer Moculescu: „Wenn wir gewinnen, ist das ja uninteressant.“

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          Die Volleyball-Saison hatte für den VfB Friedrichshafen mit einer 1:3-Niederlage in Unterhaching schon schlecht angefangen, sie hielt überraschende Schlappen gegen Nobodies wie den VC Gotha und den CV Mitteldeutschland bereit, und endete nun deutlich vor seiner Zeit schon im vierten von fünf möglichen Halbfinalspielen bei den Berlin Volleys. „Jetzt werden wir soviel Presse haben wie selten“, flüchtete sich Trainer Stelian Moculescu nach dem Ausscheiden in Galgenhumor: „Wenn wir gewinnen, ist das ja uninteressant.“ Was Berlins Manager Kaweh Niroomand mit seinem Statement bestätigte: „Es ist wichtig für die Liga dass die Leute spüren, es gibt nicht nur die eine Mannschaft, die immer alles gewinnt.“

          Der zwölffache Titelträger VfB Friedrichshafen unterlag am Sonntag in der Max-Schmeling-Halle den gastgebenden Berlinern mit 1:3 Sätzen (25:17, 22:25, 22:25, 22:25) und war danach ratlos: „Die Berliner haben eigentlich nichts Besonderes gemacht. Sie haben weder hart aufgeschlagen noch hart angegriffen“, sagte VfB-Kapitän Joao José. „Aber wir waren nicht in der Lage, darauf zu reagieren und gut zu spielen.“

          Nun müssen José und seine Teamkameraden tatenlos zuschauen, wenn ab Ostersamstag in der Finalserie die Berlin Volleys auf Generali Haching treffen. „Ich habe keine Idee, was ich jetzt machen soll“, sagte Friedrichshafens Mittelblocker Matthew Denmark über das unerwartet freie Oster-Wochenende: „Das habe ich nicht erwartet.“

          Das Ausscheiden der neu formierten Mannschaft kam auch deshalb so überraschend, weil sie sich gerade erst gefunden zu haben schien. Noch vor Monatsfrist hatte Friedrichshafen, das die reguläre Bundesliga-Saison nur als Zweiter abgeschlossen hatte, im Pokalfinale den Münchnern mit 3:0 einen empfindlichen Dämpfer verpasst. Und in der ersten Play-Off-Runde machte der VfB danach kurzen Prozess mit evivo Düren.

          „Doch nach dem Pokalfinale haben wir es nicht mehr geschafft, diese Geilheit auf einen Titel beizubehalten“, erklärte Moculescu. Hinzu kam, dass sein mit zahlreichen Nationalspielern besetztes, und zudem in der Champions League gefordertes Team am Ende der langen Saison schlicht platt gewesen sei: „Die Berliner konnten sich drei, vier Wochen vorbereiten auf die Playoffs. Wir hatten alle zwei, drei Tage ein Spiel.“

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          Wohl auch deshalb wurden am Sonntag 7042 Zuschauer Zeuge des Friedrichshafener Untergangs, darunter der neue Bundestrainer Vital Heynen, der im Moment der Entscheidung sogar seine Neutralität vergaß: „Ich sollte das vielleicht nicht sagen“, meinte er: „aber es ist gut, dass Friedrichshafen Konkurrenz bekommt.“

          In zwölf der vergangenen 14 Jahren hatte die Macht vom Bodensee die deutsche Meisterschaft gewonnen, zuletzt sieben Mal in Serie. Nun steht das Moculescu-Team zum ersten Mal seit 2003 nicht mal im Finale - und muss international auf eine Wildcard hoffen, um wieder in der Champions League antreten zu dürfen, die es 2007 als Krönung sogar gewonnen hatte. Dank des Pokalsiegs ist der VfB wenigstens für den CEV-Cup qualifiziert.

          Wer wird Meister? „Mir egal“

          Kommt der frühe Meister-Sturz aber tatsächlich einer Wachablösung im deutschen Volleyball gleich? „Über einen Machtwechsel reden wir dann, wenn die Finalserie vorbei ist, wir ein paar Tage durchgeatmet haben und die Saison analysieren“, sagte Hachings Trainer Mihai Paduretu.

          Und Rekordnationalspieler René Hecht, Präsident des Volleyball-Verbandes Berlin, wollte erst mal nur den Moment genießen: „Das war imposant, da war Dampf auf dem Kessel. Das war Werbung für den Volleyballsport.”

          Aber wer wird jetzt deutscher Meister? „Das ist mir egal“, meinte Moculescu.

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