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Volleyballtrainer Achten : Der Mann für die Überraschungen

  • -Aktualisiert am

Immer auf Empfang: Christophe Achten Bild: dpa

Christophe Achten setzt auf tägliche neue Reize. Mit den United Volleys will der Belgier in der Bundesliga unter die besten vier kommen. Auch im Sommer ruht der 42-Jährige nicht.

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          Die Zeit im Auto nutzt Christophe Achten für Telefonate. Obwohl der Spielbetrieb in der Volleyball-Bundesliga ruht, ist der 42-Jährige weiterhin mehrfach durch seinen Sport belastet. Am Samstag stand der Ko-Trainer der belgischen Nationalmannschaft beim Vorbereitungslehrgang der „Roten Drachen“ für die Ende Mai beginnende Golden League in der Halle. Im Anschluss übte der Familienvater mit seiner Frau Stephanie, die sich mit ihrer Partnerin auf die nationale Beachvolleyball-Meisterschaft vorbereitet. Auf der knapp einstündigen Heimfahrt vom Leistungszentrum in Leuven ins heimische Ranst kümmerte sich der neue Chefcoach der United Volleys um die Belange seines Klubs. 47 Stunden auf Whatsapp kamen im April durch die verschiedenen Aufgaben zusammen.

          Vielleicht sieht das im nächsten Sommer anders aus. Ob Achtens Vertrag mit dem Verband weitergeführt wird, hängt auch davon ab, wie es für den Mann an der Seitenlinie in seiner ersten Bundesligasaison am Main läuft. Der Kontrakt sieht vorerst eine gemeinsame Spielzeit vor, mit der Option auf eine Verlängerung im Januar.

          Eigentlich wäre Achten bis Mitte 2022 bei den Netzhoppers KW-Bestensee verpflichtet gewesen, dem Team, dem der Pokalsieger aus Frankfurt im Finale von Mannheim gegenüberstand. In Brandenburg hatte er 2020 unterschrieben, nachdem sich sein damaliger Verein, der TV Rottenburg, aus der Liga zurückgezogen hatte. Doch der Tabellensechste kam dem Wunsch des Trainers nach, die festgeschriebene Ausstiegsklausel zu ziehen.

          Achten ist ehrlich, wenn es darum geht, die Gründe für seinen Wechsel anzugeben. Als Vater der kleinen Estée, die am 21. Dezember geboren wurde, kommt es ihm entgegen, dass er es von seinem neuen Arbeitsplatz aus nur noch halb so weit nach Hause hat wie von seinem bisherigen bei Berlin. „Ich kann doppelt so viele Tage in Belgien verbringen“, hat er ausgerechnet. Doch das sei nicht ausschlaggebend gewesen. Die Stelle bei den Volleys sieht er als „Schritt nach vorne“. Mit dem Verein im Supercup und im zweitklassigen europäischen CEV-Pokal antreten zu können motiviere ihn. Zudem sieht Achten bei den Hessen mehr Möglichkeiten zur Weiterentwicklung eines Profiteams.

          „Wichtig, dass wir als Team funktionieren“

          Zwar soll unter dem neuen Hauptgesellschafter Alexander Korosek der bisherige Etat deutlich reduziert werden. Dennoch ist Achten optimistisch, ein Team geformt zu haben, das sich in der Liga, in der die Bisons Bühl nicht mehr antreten, unter den Top vier etabliert. „Wir werden einen guten Aufschlag haben und viele Möglichkeiten im Angriff.“ Sieben Deutsche sollen im 14er-Kader stehen, der zu 80 Prozent gefüllt ist. Zum „guten Mix“ mit vielen jungen Talenten sollen auch Rückkehrer beitragen. Mehrere Verträge sind auf eine längerfristige Dauer ausgerichtet. Den langjährigen Nationalmannschaftskapitän Jochen Schöps hat Achten sich bei der Planung an die Seite geholt. Eine ähnliche Konstellation habe bei den Netzhoppers mit Routinier Dirk Westphal funktioniert. „Während der Saison wird Jochen nur Spieler sein.“ Doch für die Zeit nach seiner Karriere sei der 37-Jährige als Sportmanager bei den Volleys vorgesehen und bringt sich bereits ein.

          Bei der Zusammenstellung der Mannschaft legt der in der belgischen Volleyball-Hochburg Maaseik geborene Achten nicht nur Wert auf die Fähigkeiten auf dem Feld; die Charaktere müssten passen. „Man muss dabei natürlich auch Glück haben“, sagt er. „Mir ist wichtig, dass wir als Team funktionieren.“ Schon in Rottenburg und bei den Netzhoppers „haben wir besser zusammengespielt“ als andere Mannschaften „mit mehr Talent“. Um das zu erreichen, müsse man das Team täglich im Training begeistern. Die Einheiten dürften nicht vorhersehbar sein, sondern sollten stets Überraschungen bieten. Zudem müsse der unbedingte Siegeswille geschürt werden. An diesem habe es nach Einschätzung einiger Mannschaftsmitglieder beim Play-off-Viertelfinalisten zuletzt gemangelt. „Die Spieler müssen immer gewinnen wollen, auch bei Gesellschaftsspielen.“ Und sich dahin gehend nicht nur vom Trainer, sondern vom ganzen Team gefordert sehen.

          Vom 15. August an sollen die Volleys gemeinsam daran feilen. Individuell werden sie früher gefragt sein. Für Achten selbst geht es sowieso Schlag auf Schlag weiter: Nach der Golden League und vor dem Bundesligastart im Oktober steht für ihn und das belgische Nationalteam auch noch die Europameisterschaft im September an.

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