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Volleyball-Bundesliga : Masterplan gegen den Mief

Hände hoch: Nationalspieler Max Günthör greift nun wieder für den VfB Friedrichshafen an Bild: Reuters

Bronze war gestern: Im Volleyball herrscht wieder Alltag. Stars wie Max Günthör sollen aus dem WM-Hype einen Liga-Hype machen - eine sehr schwierige Mission.

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          „Das war schon was Sensationelles“, sagt Max Günthör. Die Rede ist von der Bronzemedaille bei der Weltmeisterschaft in Polen, die Deutschlands Volleyball-Männer vor kurzem gewannen - acht Jahre nur, nachdem die Deutschen noch heilfroh waren, überhaupt wieder bei einer WM dabei sein zu dürfen. Jetzt sind sie unter den Besten der Welt angelangt, dem späteren Weltmeister Polen unterlagen sie im Halbfinale nur hauchdünn. „Das war schon eine super Bestätigung“, sagt Günthör, „wir haben endlich gezeigt, was wir draufhaben.“ Für Günthör selbst kam diese Erfahrung in seinem persönlichen Karriere-Ranking gleich hinter seinem unangefochtenen Spitzenreiter: den Olympischen Spielen in London.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Doch Wolke sieben war gestern - jetzt ist wieder sportlicher Alltag. Denn an diesem Samstag (19.30 Uhr / live bei sportdeutschland.tv) beginnt für Günthör die neue Saison der Volleyball-Bundesliga, mit dem Eröffnungsspiel seines Klubs VfB Friedrichshafen bei der VSG Coburg/Grub. Ende des Höhenflugs. „Man ist schon relativ schnell zurück in der Realität“, sagt der 2,06 Meter große Mittelblocker. Gerade mal sieben Tage Urlaub hatte Günthör seit der WM, „aber das war ja schon richtig viel für mich“, sagt er - als Nationalspieler ist er die Terminhatz seit Jahren gewohnt. Doch die sieben Tage waren diesmal dringend nötig, denn bei der WM „haben wir in drei Wochen fast eine halbe Saison gespielt“, sagt Günthör - 13 Spiele waren es insgesamt, „das schlaucht den Körper schon“.

          „Diese Typen sieht man dann nicht in der Bundesliga“

          Jetzt hat er neue Motivation gesammelt, denn: „Es ist eine neue Mannschaft, mit neuen Gesichtern, neuen Typen“, beschreibt er die Herausforderung Bundesliga mit dem VfB. Nur das Ziel, das ist für Günthör und sein Team das alte geblieben: Deutscher Meister werden, endlich wieder - in den vergangenen drei Jahren ging der Titel an die Berlin Volleys. Geblieben sind in der neuen Saison freilich auch die Probleme der Bundesliga. Zum Beispiel die fehlende Breite in der Liga - die Top-Teams Berlin und Friedrichshafen sind, erst recht nach dem Rückzug von Generali Haching, den Konkurrenten weit enteilt.

          Oder die abwesenden Auswahlspieler, die nahezu komplett im Ausland unter Vertrag stehen - Günthör ist neben dem Berliner Zuspieler Sebastian Kühner der einzige Bronze-Gewinner, der in der Bundesliga spielt. „Wir haben zu wenig Nationalspieler, die hier wöchentlich auftreten“, sagt Günthör. „Die Fans fiebern bei der Nationalmannschaft mit Typen wie Grozer, Kampa oder Kaliberda mit, aber diese Typen sieht man dann nicht in der Bundesliga.“ Aus einem einfachen Grund: Im Ausland wird oft professioneller gearbeitet - und entsprechend besser bezahlt. Das Doppelte wie in Deutschland könne man dort verdienen, als Minimum, sagt Günthör - „und danach geht’s dann steil bergauf“. Günthör selbst ist bisher stets in der Heimat geblieben, „die Angebote waren sehr gut, zudem verdient man als Mittelblocker international sowieso nicht so viel“.

          Moculescu kämpft gegen „Turnhallenmief“

          Ob der WM-Effekt im Liga-Alltag wirklich ankommt, ist also eher fraglich, so sieht das auch Günthörs Klubtrainer Stelian Moculescu. „Die Bronzemedaille allein wird nicht durch das Land gehen, überall herumhängen und sagen: Jetzt ist die Stimmung da“, sagte Moculescu der Deutschen Presse-Agentur. Der ehemalige Bundestrainer, der mit der Qualifikation für die WM 2006 und für Olympia 2008 den Weg in die Weltspitze geebnet hatte, bemängelt seit langem die mangelnde Professionalität der Liga - was Klubs, Personal, Hallen und Spielbetrieb angeht. Wegen des internationalen Terminplans findet beispielsweise zwischen April und Oktober an den meisten Bundesliga-Standorten gar kein Spielbetrieb statt.

          Klubtrainer Stelian Moculescu: „Die Bronzemedaille allein wird nicht durch das Land gehen“

          Bei so einer Pause „ist für viele Sponsoren die Luft raus“, sagt er. Die Präsentation des Volleyballsports lasse zu oft zu wünschen übrig, Moculescu spricht von zu viel „Turnhallenmief“ und zu wenig Attraktivität für Geldgeber. „Wir brauchen Verkäufer für diese Sportart“, sagt er. Auch in dieser Hinsicht sind Berlin und Friedrichshafen in Deutschland bisher einsame Spitze.

          „Wir versuchen alles“

          Max Günthör sagt: „Vielleicht muss einfach mal ein Sponsor kommen, der diesen Schritt geht, der investiert in die Liga oder in eine Mannschaft, der sagt: ,Ich will die jetzt nach oben bringen‘. Im Volleyball ist dafür ja nicht so viel Geld nötig wie im Handball oder im Basketball.“ Doch Günthör weiß auch: Schlüsselfaktor für Sponsoren ist die Medienpräsenz, vor allem im Fernsehen, und da sieht es für die Volleyball-Bundesliga bisher eher mau aus.

          Die Liga hat jetzt einen Masterplan gestartet, bis 2016 soll es mehr Fernsehübertragungen geben, mehr Hauptamtlichkeit in den Klubs, mehr wirtschaftliche Sicherheit und endlich auch einen festen Ligasponsor. Es ist ein neuer Anfang, wieder mal, ein Anfang aber, der in den nächsten Jahren erst noch mit Leben erfüllt werden muss. Günthör weiß, dass ihm als Bronze-Star bei der schwierigen Mission, aus dem WM-Hype einen Liga-Hype zu machen, eine zentrale Rolle zukommt. Er ist einer, der diese Rolle ausfüllen kann, Günthör ist ein emotionaler Typ, einer, der Frust und Freude im Spiel gerne rausschreit, der Volleyball-Fans mitreißen und begeistern kann. Und er ist einer, der diese Chance für seinen Sport nutzen will. Max Günthör sagt: „Wir versuchen alles.“

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