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Volleyball-Bundesliga : Rettungsschirm statt Masterplan

Eigentlich zu gut für die Bundesliga: Zuspieler Sergej Grankin. Bild: dpa

Eigentlich wollte die Volleyball-Bundesliga den Abstand zu anderen Sportarten verkürzen. Nun muss sie zusehen, ihren Betrieb am Laufen zu halten. Dabei geht es um vergleichsweise geringe Summen.

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          Drei Vereine sind schon abgesprungen. Die Lage in der Liga ist ernst. Um den Rest des ohnehin spärlichen Starterfeldes bei der Stange zu halten, hat die Volleyball-Bundesliga (VBL) nun ein Maßnahmenpaket zusammengestellt, um die Vereine der beiden Bundesligen bei Frauen und Männern einigermaßen glimpflich durch die Corona-Krise manövrieren zu können.

          Die übermittelten Zahlen zeigen dabei, in welcher Größenordnung sich der Volleyballsport hierzulande bewegt: Das verabschiedete Hilfspaket umfasst ein Volumen von gerade einmal 200.000 Euro an Zahlungsreduktionen für die Vereine sowie weiteren rund 100.000 Euro Direkteinsparungen im Haushalt der Liga. Alle Maßnahmen sollen zunächst ausschließlich für die Saison 2020/21 gelten. „Wir werden die Situation weiterhin genau verfolgen und analysieren, um die Maßnahmen auch veränderten zukünftigen Bedürfnissen und Gegebenheiten anpassen zu können“, sagte VBL-Präsident Michael Evers.

          Vereinen soll ermöglicht werden, Lizenzgebühren in Raten zu zahlen, um möglichen Liquiditätsengpässen vorzubeugen. Teilweise sollen auch Geldstrafen für Verstöße gegen das Lizenzstatut ausgesetzt werden. Evers hatte im Gespräch mit FAZ.NET schon in den vergangenen Wochen nach dem überraschenden Rückzug des TV Rottenburg und der Lizenzrückgabe der Alpenvolleys Haching betont, den übrigen Vereinen helfen zu wollen, damit sie – und damit die Liga über die Runden kommen.

          Ursprünglich hatte die VBL mit einem 2013 aufgesetzten und 2017 um weitere vier Jahre verlängerten Masterplan die Absicht verfolgt, sich bis 2021 zu professionalisieren und den Abstand zu den Sportligen im Handball, Basketball und Eishockey zu verkürzen. Dazu gehörte neben einer angestrebten größeren Fernsehpräsenz, die durch die Kooperation mit Sport1 gelungen ist, auch ein zeitgemäßeres Erscheinungsbild der Spielstätten – weg von den alten Schulturnhallen mit Sprossenleitern an den Wänden. Nun geht es schlicht ums Überleben, weshalb auch Ausnahmeregelungen für alte oder zu kleine Spielhallen weiter Bestand haben werden.

          „Uns nimmt die Verlängerung der Ausnahmegenehmigung für die Nikolaushalle finanziellen und organisatorischen Druck“, erklärte prompt Fritz Frömming, Geschäftsführer der Volleys Herrsching: „Gerade in dieser Phase müssen wir zusammenstehen und gemeinsam positive Akzente setzen, dann bin ich davon überzeugt, dass wir gestärkt aus dieser Krise hervorgehen können.“

          Er wird nicht bleiben: Berlins Nicolas Le Goff
          Er wird nicht bleiben: Berlins Nicolas Le Goff : Bild: dpa

          Wie prekär die Lage ist, beweist, dass selbst der Verzicht der Schiedsrichter auf einen Teil ihrer Honorare als wichtiger Teil der Vereinbarung gilt. Frömming dank ausdrücklich den Schiedsrichtern, „deren Honorarverzicht nicht hoch genug geschätzt werden kann“. Oberstes Ziel des Maßnahmenpakets soll die Wiederaufnahme des Spielbetriebes in der kommenden Saison sein, sagt Jung. Der Saisonstart ist für die zweite Liga im September und für die erste Liga im Oktober planmäßig angesetzt. Dazu will die Liga nun Durchführungsbestimmungen sowie Hygiene- und Sicherheitsstandards erarbeiten.

          Rund um die Corona-Krise hat die Liga bereits drei Vereine verloren. Neben Rottenburg verzichteten auch die Alpenvolleys Haching wegen abgesprungener Sponsoren und fehlender Perspektiven auf eine Bundesliga-Lizenz. Zudem bekamen die Volleys Eltmann die Lizenz entzogen, sodass nach derzeitigen Stand nur neun Teams in der Männer-Bundesliga übrig sind. Das Nachwuchsprojekt VC Olympia Berlin, unter deren Label die Juniorennationalmannschaft außer Konkurrenz auftritt, wäre die zehnte Mannschaft. Bei den Frauen sind elf Teams in der Tabelle gelistet.

          Unterdessen beanspruchen die Berlin Volleys weiterhin ihre Führungsrolle. Bis zum Abbruch der Saison waren sie in allen 20 Partien ungeschlagen und gewannen zudem den deutschen Pokal und den Supercup. „Wir werden wieder eine Mannschaft zusammenstellen, die nicht schwächer ist als die in der vergangenen Saison“, erklärte Manager Kaweh Niroomand als Ziel. Ob der russische Zuspieler Sergej Grankin, der als Olympiasieger ohnehin in einer eigenen Liga spielt und für die Bundesliga eigentlich zu gut ist, zu halten sein wird, erscheint fraglich. Der französische Außenangreifer Nicolas Le Goff hat bereits seinen Abgang verkündet.

          In der vergangenen Saison verfügten die BR Volleys über einen Etat von rund 2,8 Millionen Euro. „Wir wissen derzeit nicht, ob wir noch einmal einen solchen Etat zusammenzubekommen“, sagte Niroomand. Zum Vergleich: Die Alpenvolleys schafften es aktuell nicht mehr, ihren Etat von 1,4 Millionen zu halten. Und den Rottenburgern hatten zurückgezogene Sponsorenzusagen im unteren sechsstelligen Bereich den Stecker gezogen.

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