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Volleyball-Bundesliga : „Historische“ Niederlage des Liga-Giganten

Moculescu: „Wir haben nicht gut gespielt, und Moers war besser” Bild: picture-alliance/ dpa

Viermal nacheinander hat der Volleyball-Klub VfB Friedrichshafen das Double gewonnen. Eineinhalb Jahre lang hatte das Team vom Bodensee hierzulande nicht mehr verloren. Am Montag gab's einen Dämpfer - den ersten nach exakt 597 Tagen.

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          Es klang nicht gerade wie eine Demonstration finsterer Entschlossenheit: „Friedrichshafen kommt: gähn!“ So stand es vor dem Auswärtsspiel des VfB beim Moerser SC auf dessen Internetseite zu lesen. Gefolgt von einer larmoyanten und gelegentlich von Klassenkampfrhetorik durchdrungenen Abhandlung über die Dominanz des Liga-Giganten VfB Friedrichshafen und ihre Folgen.

          Bernd Steinle
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Illustriert wurde das Ganze durch einen Cartoon, in dem ein anabolikagestählter Muskelberg am Netz zum vernichtenden Angriffsschlag ausholt, während sich gegenüber sechs knieende, heulende, zähneklappernde Männlein händeringend wie in einer Wagenburg aneinanderdrücken und dem einschlagenden Ball entgegenzittern. Tenor: Kommt irgendwo in der Volleyball-Bundesliga der VfB Friedrichshafen angereist, bringt er garantiert eines mit – „die große Langeweile“.

          Aus dem Langweiler wurde ein klasse Kampf

          Aus Moerser Sicht scheint so eine Einschätzung sogar verständlich. Schließlich stand da auf der einen Seite der Champions-League-Sieger 2007, der deutsche Meister und Pokalsieger, der viermal nacheinander das Double gewann; eine Mannschaft, die seit mehr als eineinhalb Jahren hierzulande nicht mehr verloren hatte. Und auf der anderen Seite der Moerser SC, der in dieser Saison den Verlust von gleich vier Stützen wettmachen muss: Der Niederländer Guido Görtzen hörte auf, Olympia-Teilnehmer Ralph Bergmann wechselte nach Thessaloniki, und Zuspieler Lukas Kampa zog mitsamt Trainersohn und Hauptangreifer Georg Grozer junior zum Branchenprimus – nach Friedrichshafen.

          Und dennoch wurde die Klage am Montagabend fürs erste eindrucksvoll abgewiesen. Ausgerechnet von den Spielern des Moerser SC. Denn aus dem vorweggenommenen Langweiler wurde tatsächlich ein klasse Kampf. Nach knapp zwei Stunden bezwang der MSC den Favoriten vom Bodensee 3:2 (22:25, 19:25, 25:13, 25:21, 15:9).

          „Wir haben nicht gut gespielt, und Moers war besser“

          Es war die erste Niederlage des VfB gegen ein deutsches Team seit 597 Tagen. Letztmals war der Meister zuvor am 10. März 2007 beim 1:3 gegen Wuppertal auf nationaler Ebene unterlegen. Die auf heimischer Seite als „historisch“ gefeierte Partie hatte zwei Gesichter: Zwei Sätze lang dominierte der VfB zunächst wie befürchtet, dann trat der MSC, geschickt geführt von Trainer Georg Grozer senior, wie verwandelt auf, ging volles Risiko und ließ den plötzlich verunsicherten Meister im Spielrausch untergehen.

          VfB-Trainer Stelian Moculescu hielt sich nach der Pleite nicht lange mit üblichen Erklärungsreflexen wie der für die Bundesliga eigentlich zu niedrigen Halle auf, in der nur dank Ausnahmegenehmigung der Deutschen Volleyball Liga gespielt werden darf. „Man muss anerkennen: Wir haben nicht gut gespielt, und Moers war besser“, sagte er.

          Besonders enttäuschend war das 2:3 für Georg Grozer junior, neben dem südkoreanischen Diagonalangreifer Sung-Min Moon einer der beiden Neulinge in der Stammsechs des VfB. Jahrelang hatte er mit dem MSC vergeblich versucht, dem VfB beizukommen, unter anderem im Pokalfinale. Jetzt, wo er auf der Gegenseite steht, hat es für Moers geklappt. Der liebe Gott habe wohl etwas dagegen, folgerte Grozer, „dass ich in diesem Duell einmal der Sieger bin“.

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