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Volleyball-Bundesliga : Der Leuchtturm wankt

  • -Aktualisiert am

Ein Bild aus besten Tagen: Das Team von Generali Haching feiert den Pokalsieg 2013. Bild: picture alliance / dpa

Der Volleyball-Spitzenklub Generali Haching steht nach dem Rückzug seines Hauptsponsors vor dem Ende - und das, obwohl er in den vergangenen Jahren sportlich sehr erfolgreich war.

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          Es könnte wieder eine schöne Saison für Generali Haching werden, rein sportlich. Die Volleyballmannschaft aus dem Süden Münchens gehört zu den besten Teams in Deutschland und steht seit Einführung der Play-offs vor neun Jahren regelmäßig in der Runde der letzten Vier. Dieses Mal räumte Haching im Viertelfinale den Moerser SC in nur zwei Spielen souverän aus dem Weg und trifft nun auf den VfB Friedrichshafen. Trainer Mihai Paduretu ist zuversichtlich, dass die Revanche für die Halbfinal-Niederlage im vergangenen Jahr gelingt. „Trotz der ganz großen Baustelle, die wir haben. Die Mannschaft hat ja gezeigt, dass sie mit der Situation gut umgehen kann.“

          Die Baustelle von Generali Haching – das ist das Geld. Gelingt es in den kommenden Wochen nicht, die Lücke im Budget für die neue Saison zu schließen, zieht sich der Verein zurück. Im Gegensatz zu Moers, das aus finanziellen Gründen freiwillig nur in die zweite Liga absteigt, wäre es in Haching mit dem Leistungssport ganz vorbei. Seit Monaten suchen die Hachinger einen neuen Sponsor, der bisherige Namensgeber, eine Versicherung, zieht sich zum Saisonende zurück, und seit das bekannt geworden ist, vergeht kaum ein Tag, an dem Manager Josef Köck nicht an die Tür eines Unternehmens klopft. Bisher vergeblich. Eine Million Euro braucht der Klub, um den Spielbetrieb in der Bundesliga auf bisherigem Niveau aufrechtzuerhalten. Im nationalen Vergleich ist das eher bescheiden. „Bei uns ist noch keiner reich geworden“, sagte Paduretu.

          Schwere Sorgen: Hachings Trainer Mihai Paduretu
          Schwere Sorgen: Hachings Trainer Mihai Paduretu : Bild: picture alliance / dpa

          Die Lizenz beantragte der Verein fristgemäß, „um noch einmal Zeit zu gewinnen“, sagt Köck. Bis Mitte April müssen die Hachinger nun 25 Prozent des von der Liga geforderten Mindest-Budgets nachweisen. „Das schaffen wir.“ Dann hat der Verein sechs Wochen Zeit, um das Geld für ein weiteres Viertel zu sammeln. Das Risiko, am Ende zurückziehen und 5500 Euro Strafe zahlen zu müssen, „nehmen wir in Kauf“. Denn: „Wir sind ja noch in Gesprächen.“ Das sagt Köck allerdings seit mehr als einem halben Jahr. Bisher konnte er froh sein, wenn es überhaupt über die erste Kontaktaufnahme hinausging. Viele Unternehmen winkten sofort ab.

          Die größte Hoffnung setzten die Hachinger in einen Runden Tisch mit Wirtschaftsvertretern aus dem Großraum München, Sportfunktionären und der Politik. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann stellte sich als Vermittler zur Verfügung, die Stadt München half, ebenso die großen Parteien und der umtriebige Präsident des Bayerischen Landessportverbandes, Günther Lommer. Aber die Mühe war vergeblich. „Mangels Masse“, sagt Köck, „wurde der Runde Tisch abgesagt“. Die Firmen hatten kein Interesse.

          Der FC Bayern beherrscht alles

          Dem Volleyball in Haching ergeht es wie vielen Randsportarten in Deutschland. In München aber ist die Situation schon immer am schwierigsten gewesen. Sportlich wird die Stadt vom Fußball und da insbesondere vom FC Bayern beherrscht. Wer sich als Unternehmen für Sportsponsoring entscheidet, strebt zu den Rekord-Bayern, von deren Glanz auch die Basketballabteilung profitiert. Andere Sportarten bleiben auf der Strecke. Der Eishockeyklub EHC München existiert nur noch dank eines Energiedrink-Herstellers aus Österreich. Generali Haching wäre nun nach dem TSV 1860 München oder dem ASV Dachau eine weitere Volleyballmannschaft, die trotz Erfolgen in der Bundesliga aufgeben müsste.

          Michael Ewers, Präsident der Deutschen Volleyball-Liga, will sich „nicht vorstellen, dass es im nächsten Jahr ohne Haching weitergeht“. In der Liga brauche man „diesen Leuchtturm. Denn Bayern ist vor allem in der Wahrnehmung im Norden nicht nur der FC Bayern“, sagte der Schweriner Ewers. Neben Berlin und Friedrichshafen sind die Hachinger trotz bescheidener Verdienstmöglichkeiten der attraktivste Klub. In den vergangenen fünf Jahren stellten sie 15 Nationalspieler. Köck hebt zudem die gesellschaftliche Bedeutung des Leistungssports hervor. Allerdings werden ihm da viele Unternehmen entgegnen, dass dafür die Bayern-Profis besser taugten. Jedes Kind kennt Philipp Lahm – aber nur Volleyballfans wissen, dass der Kapitän von Generali Haching Sebastian Schwarz heißt.

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