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Volleyball-Bundesliga : Aufschlag vor dem Kanzleramt

Augen auf und durch: Berlins Mittelangreifer Tomas Kmet Bild: camera4

Die neue Saison der Volleyball-Bundesliga beginnt genau so, wie die alte aufgehört hat: mit einem Sieg des deutschen Meisters Berlin Volleys. Doch in die Freude mischte sich auch Zurückhaltung.

          3 Min.

          Der Meister besiegt zum Auftakt der Saison den Pokalsieger, die Zuschauer kommen so zahlreich wie noch nie zu einem ersten Saisonspiel, und die Liga scheint entschlossen, dem Primus aus Berlin nachzueifern. Doch in die Freude über das 3:1 der Berlin Recycling Volleys über Generali Haching (25:22, 20:25, 25:17, 25:19), mit dem die Volleyball-Bundesliga am Dienstagabend – als im Fernsehen ein Fußball-Länderspiel zu sehen war – vor gut 6600 Zuschauern in Berlin ihre Saison begonnen hat, mischte sich auch deutliche Zurückhaltung.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Das war kein überragendes Spiel“, resümierte der Berliner Manager und Erfinder der Volleys, Kaweh Niroomand. „Wir haben gewonnen, weil wir eingespielt sind.“ Auch der Berliner Trainer schien fast froh, dass seine Mannschaft den zweiten Satz verloren und im vierten so heftig gewackelt hatte, dass sie sechs Punkte nacheinander verlor. „Wir waren gut genug, zu gewinnen“, urteilte Mark Lebedew, „und schlecht genug, um noch etwas verbessern zu können.“

          Für die Berliner siegten alte Bekannte

          Keine Frage, dass die Hachinger, die neun neue Spieler verpflichtet haben, darunter die deutschen Nationalspieler Ferdinand Tille, Marcus Böhme und Sebastian Schwarz, erst noch ihr Spielsystem verfeinern müssen. Und gewiss wird der einstige Serienmeister und Berliner Dauerrivale VfB Friedrichshafen sich im Laufe der Saison auch noch gewaltig steigern, hat er doch sechs Neue verpflichtet, darunter drei bulgarische Nationalspieler.

          Für die Berliner siegten dagegen lauter alte Bekannte, selbst der Jüngste im Team trägt einen bekannten Namen: Florian Hecht, der zwanzig Jahre alte Sohn des Rekord-Auswahlspielers René Hecht. Neben ihm holten die Berliner einen einzigen neuen Spieler: Srecko Lisinac, mit der serbischen Nationalmannschaft vor kurzem ins Halbfinale der Europameisterschaft vorgedrungen und als bester Mittelblocker des EM-Turniers ausgezeichnet. Gegen Haching fehlte Lisinac, er war noch auf der Rückreise von der U-23-WM in Brasilien, bei der er ebenfalls für Serbien am Ball war.

          „Wir sind richtige Freunde“

          „Wir sind nicht nur eingespielt, wir sind richtige Freunde“, sagt der Berliner Mannschaftskapitän Scott Touzinsky. „Unsere Frauen sind schon sauer, dass wir nach dem Training nicht nach Hause kommen, sondern noch ein bisschen zusammenbleiben.“ Einen solchen Zusammenhalt habe er mit noch keiner Mannschaft erlebt, sagt der Amerikaner, der mit seiner Nationalmannschaft 2008 in Peking Olympiasieger wurde. „Das ist unser Vorteil.“ Auch deshalb habe die Mannschaft personell nicht groß verstärkt werden müssen.

          Trainer Lebedew wollte, bei aller Zurückhaltung, gesehen haben, dass sein Team in manchen Bereichen jetzt schon besser sei als im vergangenen Jahr. Und Robert Kromm, 2,12 Meter langer Mittelblocker und überragender Spieler des Abends, versprach: „Wir arbeiten jeden Tag daran, dass wir besser werden.“ Zwar haben die Volleys in den vergangenen beiden Spielzeiten die Meisterschaft gewonnen und damit vorerst die Vorherrschaft des VfB Friedrichshafen beendet.

          Die Volleys lassen nicht locker

          Doch so richtig Eindruck machten sie damit, dass sie die Max-Schmeling-Halle füllten mit ihrem Spiel und ihrer Show; achteinhalbtausend Besucher hatten sie im dritten Finalspiel der Play-offs im vergangenen Mai. Als Schrittmacher und Zugpferd der gesamten Liga hatte Niroomand stets seine Unternehmung verstanden, und diese dankte es ihm, indem vor dem Liga-Auftakt mit viel Trara die Meistertrophäen und alle Vereinsfahnen der Frauen- und der Männerliga präsentiert wurden.

          Und die Volleys lassen nicht locker. Im kommenden Jahr, sobald es das Klima zulässt, wollen sie ihre Sportart auf öffentlichen Plätzen in ganz Berlin etablieren – für ein Video schlugen die langen Kerls schon mal vor dem Amt von Bundeskanzlerin Angela Merkel auf. Mag sein, dass die Volleys sich in ihrer Rolle als Vorzeigeverein der Liga zu sicher fühlten.

          Als sie zur neuen Saison die Halle buchen wollten, die sie als Volleyball-Tempel vermarkten, mussten sie feststellen, dass ihnen die Berliner Füchse, das sind die Kollegen vom Handball, und diverse Konzertveranstalter die meisten Termine im alten Jahr weggeschnappt hatten.

          So beginnt, zum Ärger der Klubführung und zur Enttäuschung des Publikums, eine sechseinhalb Wochen lange Tournee der Volleys, in der sie ausschließlich Auswärtsspiele bestreiten. Erst im Dezember werden sie zurück sein. Vielleicht hat auch das sein Gutes. Vom 4. Dezember bis zum Samstag vor Weihnachten werden die Volleys drei Partien der Champions League und zwei der Meisterschaft zu Hause bestreiten. „Wir werden sehr gut spielen müssen“, ist sich Robert Kromm sicher, „um die Zuschauer davon zu überzeugen, dann zu allen unseren Spielen zu kommen.“

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