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Basketballprofi Vladimir Lucic : Der Revolutionär

Immer die Finger im Spiel: Vladimir Lucic Bild: sampics / Christina Pahnke

Im europäischen Basketball ragt Bayern Münchens Vladimir Lucic heraus, weil er hat, was ihn von den meisten anderen unterscheidet: Er prägt das Spiel selbst dann, wenn er den Ball nicht berührt.

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          Manchmal, wenn Svetislav Pesic früher durch die Basketballhalle in Berlin gelaufen ist, hat er sich mit Karl Marx angelegt. Er stellte sich vor ihn und brüllte ihn an, weil der sich traute, ihm, dem Meistertrainer, zu widersprechen. Der Mann, den Pesic anbrüllte, war natürlich nicht Marx, der große Philosoph, sondern Henning Harnisch, ein deutscher Basketballspieler von Alba Berlin, der seine Ideen und seine Meinung so oft vorgetragen hat, dass Pesic sich einen neuen Namen für ihn ausdachte. Er nannte ihn nicht mehr Henning, sondern: Karl, Karl Marx.

          In München nennen sie ihn „Che Guevara“

          Christopher Meltzer
          Sportkorrespondent in München.

          Es gibt für diese Geschichte über den außergewöhnlichen Trainer und den besonderen Spieler, sie schätzten sich, mehrere Zeugen. Einer hat sie vor ein paar Tagen noch mal am Telefon erzählt. Marko Pesic spielte damals, in den späten neunziger Jahren, für Berlin, unter seinem Vater und mit Harnisch. Heute führt der junge Pesic die Geschäfte in der Basketballabteilung des FC Bayern. Vor mehr als vier Jahren hat er einen Spieler verpflichtet, der ihn an Harnisch erinnert. Einen, der immer seine Meinung sagt, mit dem man auch mal in Konflikt kommen kann, der manchmal sogar ein bisschen rebelliert. Und so hat sich Pesic, wie damals sein Vater, einen Namen für den Spieler ausgedacht. Er sagte zu ihm: „Du bist wie Che Guevara!“

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          Es ist schon fast Mitternacht, als Vladimir Lucic, 31 Jahre alt, am Donnerstag vor einer Woche auf einem Stuhl in der Basketballhalle in München sitzt. Che Guevara? Er habe schon gehört, sagt Lucic, dass man ihn so nennt, aber so richtig verstanden habe er es nicht. „Vielleicht wegen meines Charakters, weil ich für eine Sache kämpfe.“ Was aber habe er mit dem Anführer der kubanischen Revolution gemeinsam? Die Antwort ist einfach: Lucic macht die Revolution möglich.

          Es ist nämlich schon ein bisschen revolutionär, was die Bayern in der Euroleague anstellen. In der Vorsaison haben sie im besten europäischen Vereinswettbewerb acht Spiele gewonnen – und 20 verloren. Jetzt haben sie von zehn Spielen sieben für sich entschieden. An diesem Freitag (20 Uhr) könnte ihnen in Athen gegen Panathinaikos der achte Sieg gelingen. So viele hat nur der FC Barcelona. Doch wer führt die bayerische Revolution an? Es gibt den Trainer Andrea Trinchieri, der den Verein in nur wenigen Monaten mit seiner großen Leidenschaft entflammt hat. Es gibt den Sportdirektor Daniele Baiesi, der den Kader für Trinchieri zusammenstellte. Und dann gibt es Vladimir Lucic, den serbischen Flügelspieler, wegen dem funktioniert, was Trinchieri und Baiesi sich ausgedacht haben.

          „Er ist die Seele unserer Mannschaft“, sagt sein Trainer

          Am Donnerstag vor einer Woche spielten Lucic und seine Mitstreiter in München gegen den Titelverteidiger ZSKA Moskau. Es war nicht sein bestes Spiel, aber einen außergewöhnlichen Lucic-Moment gibt es fast immer. Im vierten Viertel tappte Lucic unter dem Korb in eine Falle. Auf einmal stürzten sich zwei Verteidiger auf ihn. Er versuchte, den Ball noch zu einem Mitspieler zu passen, aber Moskaus Spielmacher Mike James schnappte ihn sich, rannte los und passte zu Daniel Hackett, der an der Dreipunktelinie wartete. Hackett warf sofort, aber das war nicht schnell genug. Von hinten hechtete Lucic, eben noch unter dem anderen Korb, an ihm vorbei. Seine Finger berührten den Ball – und veränderten die Flugbahn. So ist das meistens mit Lucic: Er gibt nie auf und gleicht Fehler aus, hin und wieder auch die eigenen.

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