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Volleys virtuos und virtuell : Kleins Endspiel

Energiebündel am Netz: Georg Klein Bild: dpa

Das als Hörspiel ausgetragene Abschiedsspiel des Berliner Volleyballstars Georg Klein erinnert an Samuel Beckett und ist dennoch ein großer Spaß, der die Phantasie aller Beteiligten fordert und fördert.

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          Angekündigt war „ein Spiel, völlig aus der Reihe“, und wer Phantasie mitbrachte und sich auf ein Match gedanklich einließ, dass sich in erster Linie vor dem geistigen Auge des Internetnutzers entwickelte, hatte durchaus seinen Spaß an dieser höheren Form des gepflegten Unsinns. Es galt, Georg Klein, Mittelblocker und Publikumsliebling der Berlin Recycling Volleys, in seinen sportlichen Ruhestand zu verabschieden. Und es geschah in Form eines Hörspiels, das eine Sportübertragung mit all ihren gängigen Bausteinen simulierte und als Podcast bei Sporttotal.tv lief.

          Weil angesichts der Corona-Krise das reguläre Saisonfinale in der Volleyball-Bundesliga ausfiel und somit auch den würdigen Abschied für Zwei-Meter-Mann Klein, der seit 2017 überaus erfolgreich für den Hauptstadt-Klub spielte und in dieser Zeit jeweils zweimal deutscher Meister und Pokalsieger wurde, hatten sich die Medienmacher des Vereins ein würdiges Abschiedsspiel eben einfach ausgedacht. Klein selbst, der seine Karriere in Düren begonnen hatte und nach einer Auslandsstation in Antwerpen über den VfB Friedrichshafen zu den BR Volleys kam, steckte selbst viel Arbeit in das Projekt: In zahlreichen Videoschnipseln auf diversen Social-Media-Plattformen nominierte er im Vorfeld seine liebsten Weggefährten als Mitspieler für das Gedankenspiel, dazu die Toptrainer Stelian Moculecsu und Cédric Enard, die natürlich alle gerne zusagten.

          In seinen beiden Teams, den „Klein-aber-fein Volleys“ und den „GK7 Allstars“, womit seiner Rückennummer Ehre erwiesen wurde, fanden sich Volleyballgrößen aus der Berliner „Hall of Fame“ wie Felix Fischer oder Robert Kromm, dazu der belgische Nationalspielers Jolan Cox und der amerikanische Starangreifer Kyle Russell. Nach dem virtuellen Spiel, das mit einem ausgedachten 2:1 (21:25, 27:24, 25:16) für die „Klein-aber-fein Volleys“ endete, standen die Spieler sogar mit O-Tönen bereit, um das virtuose Gedanken-Spiel angemessen zu würdigen.

          Während der Audio-Übertragung wurde das virtuelle Spielgeschehen von Tassilo Bade und Peter Große kommentiert und von den Berlinern bei Twitter live-getickert, es konnte von Fans geliked und ebenfalls kommentiert werden, wovon auch ausgiebig Gebrauch gemacht wurde. Die Volleys verkauften sogar Tickets. Zu Preisen von fünf bis 20 Euro konnten Volleyballfreunde ihre Unterstützung demonstrieren und dem Verein mit diesen Quasi-Spenden helfen, über die mageren Monate zu kommen.

          Mit Spaß bei der Arbeit, die nun eine andere sein wird.

          Wer es bedrohlich mag, konnte an der Szenerie durchaus Parallelen zum „Endspiel“ sehen, dem Drama von Samuel Beckett aus dem Genre des absurden Theaters. Auch dort ist es nicht mehr möglich, viele Dinge des alltäglichen Lebens in üblicher Form auszuüben. Auch hier harren Menschen in ihrem Unterschlupf aus, nur kleine Fenster ermöglichen noch einen Blick nach außen, wo es aber nichts mehr zu sehen gibt, denn die Zivilisation ist zerfallen. Ganz so arg geht es in den Corona-geplagten Zeiten noch nicht zu. Und auch der 95-minütige Podcast, der als Re-Live noch bei „Feinherb & Spritzig“, dem Podcast der Berlin Volleys, weiterhin zu hören ist, transportiert eher Spielfreude als Weltuntergangsstimmung. Beide Trainer äußerten sich voller Hochachtung für den Spieler im Mittelpunkt, der „Officer Klein“ genannt wurde und nun mit 28 Jahren in den Polizeidienst wechselt. Cédric Enard sagte: „Es war mir eine Ehre.“ Moculescu, gewohnt ehrgeizig, meinte: „Schön, dass Georg mit uns den letzten Satz und so das Match gewinnen konnte.“

          Der Spieler selbst äußerte sich überwältigt und glücklich: „Vielen Dank, dass ihr alle mit dabei wart und diesen Moment so magisch gemacht habt.“ Und während es in Becketts Endspiel um die vergebliche Suche im menschlichen Leben nach einem Ausweg geht, weiß Klein sehr genau, wie es weitergeht, und verabschiedet sich ohne Reue: „Ich freu mich jetzt auf meine Arbeit bei der Polizei. Macht’s gut, Ciao, ciao.“

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