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Welle an Schocknachrichten : Vier Todesfälle erschüttern die Rugby-Welt

  • Aktualisiert am

Körperbetonter Sport mit großen Gesundheitsrisiken: Rugby Bild: AFP

Im französischen Rugby sterben binnen acht Monaten vier junge Spieler nach auf dem Platz erlittenen Verletzungen. Nun fürchtet die gesamte Sportart um ihren Ruf. Auch der deutsche Verband ist alarmiert.

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          Es war eine regelrechte Welle der Schocknachrichten, die den Rugby-Sport zuletzt nachhaltig erschütterte. Binnen acht Monaten starben in Frankreich vier junge Spieler nach auf dem Platz erlittenen Verletzungen. Die Frage nach dem Warum und danach, wie solche Tragödien künftig verhindert werden können, beschäftigt seither Funktionäre, Trainer und Spieler gleichermaßen. Quasi die gesamte Sportart fürchtet um ihren Ruf – auch in Deutschland.

          „Leider rücken die Extremfälle ins Rampenlicht“, sagt Colin Grzanna, ehemaliger Nationalspieler und heute Medizinisch-Technischer Direktor beim Deutschen Rugby-Verband (DRV): „Es ist natürlich schade, dass Rugby in Deutschland nur so für Schlagzeilen sorgt.“ Allerdings müsse man die Vorkommnisse im Nachbarland „in den Kontext“ setzen. „Natürlich sind es furchtbare Ereignisse“, erklärt er: „Aber wenn man es mit anderen Sportarten vergleicht, ist Rugby nicht gefährlicher.“

          Tatsächlich gibt es unzählige Statistiken und Studien zu Todesfällen im Sport. Rugby kommt dort meist nur als Randnotiz vor, konstante Nummer eins ist stattdessen der Bergsport. Generell gingen die Häufigkeit und vor allem die Schwere der Verletzungen in den letzten Jahren weltweit zurück. Der Präsident des französischen Verbandes meinte deshalb jüngst, der körperbetonte Sport sei „halb so gefährlich wie vor zehn Jahren“.

          „Wir sind erschüttert“

          Umso mehr haben die tragischen Zwischenfälle in Frankreich die Sportart in den vergangenen Monaten aufgewühlt. Von einer „ungewöhnlichen Spitze“ sprach Brett Gosper, CEO des Rugby-Weltverbandes: „Wir sind erschüttert von dieser Serie an fatalen Unfällen. So etwas haben wir in einer großen Sportart wie Rugby noch nie erlebt.“ Eine groß angelegte Untersuchung wurde umgehend gestartet, verschiedenste Maßnahmen geprüft. Schließlich sind die Fälle der vier Todesopfer durchaus individuell zu betrachten.

          Louis Fajfrowski (21) starb nach einem Vorbereitungsspiel am 10. August seines Zweitligateams Aurillac, nachdem er bei einem harten aber fairen Tackling eine Kopfverletzung erlitten hatte. Ähnlich war der Fall bei Amateurspieler Adrien Descrulhes (17) drei Monate später. Bei Nicolas Chauvin (18) war es im Dezember der Bruch eines Halswirbels. Nathan Soyeux (23), im Einsatz bei einem Hobby-Spiel zwischen Auswahlen zweier Ingenieursschulen verletzt, verstarb im Januar nach mehr als einem Monat im künstlichen Koma.

          Den Vorwurf der Untätigkeit kann man dem Rugby-Sport keineswegs machen. In Frankreich etwa wurde erst am Dienstag – nach einer zweitägigen Konferenz medizinischer Fachkräfte – eine tiefgreifende Regelreform beschlossen, die Tacklings im Nachwuchsbereich sicherer machen soll. Dazu will der Weltverband den bisherigen Vier-Jahres-Zyklus für Regeländerungen verkürzen und einen Fünf-Punkte-Plan zur Verletzungs-Prävention einführen. Auch eine Handlungsrichtlinie für den Umgang mit Kopfverletzungen, ähnlich dem „Concussion Protocol“ der NFL im Football, gibt es bereits seit mehreren Jahren.

          In Deutschland ist man auf diesem Gebiet ebenfalls sehr aktiv. Ein in die Trainerausbildung integriertes Aktivierungsprogramm, entwickelt an der Universität der englischen Rugby-Hochburg Bath, hat zu einer deutlichen Reduzierung der Kopfverletzungen geführt, berichtet Grzanna. Vor allem die Sensibilität für die Gefahr versuche man bei Spielern und Trainern zu steigern. „Wir können die Verletzungsgefahr in einem Sport wie Rugby nicht auf Null reduzieren“, sagt er: „Wir können ihn nur so sicher machen wie möglich.“

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