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Stars beim ersten Golfturnier : Klasse in Masse

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Abstand halten ist das Gebot des Stunde. So wie hier bei den Golfprofis Rory McIlroy und Dustin Johnson Bild: USA TODAY Sports

Die PGA Tour beendet die längste Zwangspause seit dem Zweiten Weltkrieg mit einem glänzend besetzten Turnier in Fort Worth. Dabei müssen sich die Golfprofis an manche Neuerung gewöhnen.

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          Manchmal verhalten sich Weltklasseprofis genauso wie Hobbygolfer: Kaum kann wieder gespielt werden, drängen alle auf die grüne Spielwiese. An diesem Donnerstag setzt die PGA Tour nach einer 91 Tage langen Zwangspause durch die Corona-Pandemie – der längsten seit dem Zweiten Weltkrieg – ihre Saison mit der Charles Schwab Challenge im Colonial Country Club in Fort Worth fort.

          Zwar ohne Fans und mit strengen Gesundheits- und Sicherheitsauflagen, aber das stört kaum einen. Normalerweise gehört dieses seit 1946 ausgetragene Turnier zu den „Invitationals“, das nur ein verkleinertes Feld von 120 eingeladenen Spielern zulässt. Diesmal dürfen 144 Profis antreten – und fast alle Stars nutzen die Chance.

          Bis auf Tiger Woods, der noch nicht verkündet hat, wann er wieder ins Geschehen eingreifen will, ist die Weltklasse in dem Traditionsklub in Texas fast komplett versammelt. Nicht nur die laut Weltrangliste besten fünf Golfer streiten um das Preisgeld von insgesamt 7,5 Millionen Dollar, von den besten zwanzig Profis sind 16 am Start, von den Top 100 sind es 70. Es ist das beste Feld bei einem normalen PGA-Turnier seit drei Jahren.

          An den ersten beiden Tagen gehen die drei Topspieler der Rangliste, der Nordire Rory McIlroy, der Spanier Jon Rahm und der Amerikaner Brooks Koepka, gemeinsam als eine der sogenannten „featured groups“ auf die Runde, von denen auf Extrakanälen jeder Schlag im Fernsehen übertragen wird – ein Ausrufezeichen mit dem sich die Veranstaltungsreihe nach drei Monaten als Erste zurückmeldet. Denn diese amerikanische Turnierserie mit Abstechern nach Kanada, Mexiko, Südkorea und Japan nimmt damit gemeinsam mit ihrer zweiten Liga, der Korn Ferry Tour, die ebenfalls am Donnerstag in Ponte Vedra Beach (Florida) beginnt, nicht nur in den Vereinigten Staaten im Profisport eine Vorreiterrolle ein. Sie setzt den Spielbetrieb als erste der großen Turnierserien im Profigolf fort.

          Es geht wieder los: Golfstars wie Brooks Koepka müssen sich an manche Neuerung gewöhnen.

          So müssen Profis wie der deutsche Spitzenspieler Martin Kaymer wohl warten, bis auf der European Tour am 22. Juli mit sechs Turnieren nacheinander in England und Wales wieder Turniergolf gespielt wird. Auch diese Veranstaltungen werden als „Geisterturniere“ ohne Zuschauer ausgetragen. Die European Tour, die durch die Zwangspause in großen finanziellen Schwierigkeiten steckt, will die allesamt mit einer Million Euro dotierten Turniere dadurch medial aufwerten, dass alle Spieler mit Mikrofonen ausgestattet werden.

          Auch die PGA Tour kündigte an, einige Spieler um diesen Gefallen zu bitten, damit die Fernsehzuschauer jede Konversation zwischen Spielern und ihren Caddies verfolgen können. Denn für dieses Arbeitsverhältnis gelten ebenfalls neue Regeln. Die Profis sollen sich nicht mehr von ihrem Taschenträger, der selbstverständlich den Sicherheitsabstand von sechs Fuß (1,80 Meter) einhalten soll, die Schläger reichen lassen, sondern sie selbst aus der Tasche ziehen und wieder hineinstecken. Außerdem soll der Boss darüber wachen, dass sein Taschenträger die Harken in den Bunkern und die Fahne nach der Benutzung desinfiziert. Auch die Profis sollen vor und nach jedem Loch ihre Hände waschen. Im Gegensatz zu den geöffneten Plätzen in den Vereinigten Staaten und in Deutschland darf der Ball allerdings bis auf den Boden des Lochs fallen. Die derzeit üblichen Plastikeinsätze, die dies verhindern, fehlen.

          Ungewohnte Regeln gibt es trotzdem zuhauf. So müssen die Spieler – bis auf die Stars, die in von der Tour genehmigten Luxusvillen logieren dürfen – in einem gemeinsamen Hotel übernachten, dürfen dort nur den Zimmerservice nutzen. Auch den Flug zum nächsten Turnier auf Hilton Head Island in der nächsten Woche hat die PGA Tour organisiert. 170 Spieler und Caddies dürfen auf einem gemeinsamen Charterflug mit freien Mittelplätzen nach South Carolina fliegen. Die Kosten? 600 Dollar für Profis, 300 für Caddies.

          Im Gegensatz zu den europäischen Kollegen kennen die Amerikaner keine Geldsorgen – und nutzen diese Macht auch konsequent aus. Trotz heftigen Widerstands der European Tour, die ihre Mitglieder benachteiligt sieht, endet das Einfrieren der Weltrangliste. Aber genau das sorgt in Fort Worth für zusätzliche Spannung. Rahm könnte mit einem Sieg McIlroy vom Thron stoßen und als erster Spanier seit Severiano Ballesteros (1989) den Spitzenplatz erobern. Zumindest solange er nicht bei der täglichen Fiebermessung auf dem Platz durchfällt. Wessen Körpertemperatur über 38 Grad liegt, muss sich nämlich sofort aus dem Turnier zurückziehen, wird auf den letzten Platz gesetzt und muss für mindestens zehn Tage in Quarantäne.

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