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VfL Gummersbach : Der Fluch des früheren Ruhms

  • -Aktualisiert am

Auf verlorenem Posten: der VfL Gummersbach (in Blau) gegen den THW Kiel Bild: firo Sportphoto

Der VfL Gummersbach ist der Dino der Handball-Bundesliga. Noch nie ist der Klub abgestiegen. Dieses Jahr aber kommt er der zweiten Liga sehr nahe. Und Geld für neue Profis ist auch keines da.

          Die Halle war zuletzt mit etwas mehr als 4000 Zuschauern zum ersten Mal in dieser Spielzeit fast ausverkauft. Der Tabellenzweite aus Kiel war zu Gast. Auf weißen Säulen stand „Heimat des Handballs“ in blauer Schrift. Auf den digitalen Werbebannern leuchteten Schlagworte auf: Helden. Stärke. Teamgeist. Ein Video wurde  eingespielt, Bilder aus besseren Tagen. Zu sehen: Heiner Brand in Jubelpose, noch als Trainer; lang ist's her. Das aber, was die Zuschauer auf dem Bildschirm sahen, war noch ein anderer VfL. Ihr Verein aus Gummersbach ist längst nicht mehr das, was er mal war: der beste Klub der Welt. Jetzt, Anfang März dieses Jahres und kurz vor dem Ausswärtsspiel beim SC DHfK Leipzig an diesem Sonntag (16.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Handball-Bundesliga und bei Sky), steckt der Verein mitten im Abstiegskampf der Bundesliga; und das schon zum dritten Mal nacheinander.

          Der VfL Gummersbach ist das, was der Hamburger SV bis vor kurzem im Fußball war: ein Dino. Noch nie ist der Verein aus der 1966 gegründeten Bundesliga abgestiegen. Das soll so bleiben. Alfred Gislason, der den VfL von 2006 bis 2008 selbst einmal trainiert hatte und seither die Geschicke beim THW Kiel leitet, wird nach dem Spiel in seinem etwas gebrochenen Deutsch sagen: „Ich kann mir kaum ausdenken, dass die erste Liga ohne den VfL Gummersbach ist.“ Jeder Spieler auf der Platte weiß um die ruhmreiche Geschichte: Zwölf Meistertitel, zahlreiche Pokalsiege. Die Spieler wissen auch, dass sie die Ersten sein könnten, die mit dem Klub den Gang in die zweite Liga antreten. Ein solcher Gedanke kann die Arme schwer, die Köpfe träge machen.

          Neue Halle ist kein Angstmacher

          Früher, da hätten die Gegner Angst gehabt, ins Oberbergische zu fahren. Der VfL spielte da noch in der altehrwürdigen, aber irgendwann stark in die Jahre gekommenen Eugen-Haas-Halle. Seit 2013 liegt die Heimat des Gummersbacher Handballs in der modernen Schwalbe-Arena. Mit ihr, so die Hoffnung, würde es endlich wieder bergauf gehen. Bisher ist davon nichts zu spüren. Seit langem schon muss sich kein Gegner mehr fürchten, hier zu spielen. Erst recht nicht der THW Kiel. Doch eines, sagt Geschäftsführer Christoph Schindler, sei klar: „Ohne die Schwalbe-Arena würde es den Verein nicht mehr geben.“ Damit es ihn auch weiterhin gibt, dafür arbeitet er jeden Tag, dafür müssen die Spieler in jedem Spiel kämpfen. „Momentan“, sagt Schindler, „merkt man der Mannschaft einfach an, dass sie ein Kopfproblem hat.“

          Das zeigt sich im Spiel gegen den hochfavorisierten THW Kiel. Schon in den ersten Minuten wird klar, wie sehr die Köpfe blockiert sind. Ein Konzentrationsfehler folgt dem nächsten. Die Gummersbacher werden überrannt. Nach etwas mehr als neun Minuten verlässt Torwart Carsten Lichtlein, einer der Weltmeister von 2007, kopfschüttelnd den Platz in Richtung Bank. Da steht es 1:8. Lichtlein gilt als Identifikationsfigur, wird den Verein auf eigenen Wunsch aber nach der Saison verlassen. In die Halbzeit geht der VfL mit einem 8:20-Rückstand. Das Spiel ist schon gelaufen.

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