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Handball : Ein neuer Meisterschaftskandidat

  • -Aktualisiert am

Obenauf in der Champions-League: Daniel Narcisse und Gummersbach Bild: dpa

Der VfL Gummersbach betört mit Hochgeschwindigkeitshandball. Nach dem Remis bei Valladolid in der Champions-League und dem Sieg über Flensburg in der Bundesliga kommt Trainer Alfred Gislason aus der Reserve: Die starke Physis werde den Oberbergischen bei allen Aufgaben helfen.

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          Wie oft hatten Fachleute den Handballspielern des VfL Gummersbach vorausgesagt, spätestens in der Rückrunde würden ihnen die Kräfte schwinden. Nun ist die Rückrunde noch im Anfangsstadium, und es kann viel geschehen, wenn die Begeisterung sich erst einmal gelegt hat. Aber wird sie überhaupt nachlassen?

          Fürs Erste beeindrucken die Oberbergischen die nationale wie die internationale Konkurrenz mit ihrem Hochgeschwindigkeitshandball, als wären die Kräfte unerschöpflich. Drei Tage nach dem Unentschieden im Champions-League-Auswärtsspiel gegen den spanischen Klub BM Valladolid war der Tabellenführer der Bundesliga an der Reihe. Beim 33:26 über die SG Flensburg-Handewitt brachten die Gummersbacher sich mit einer famosen Leistung selbst als Kandidaten für den Gewinn der deutschen Meisterschaft ins Spiel; im nationalen Klassement ist der VfL nur noch einen Punkt von den führenden Flensburgern entfernt.

          Flensburg deklassiert

          Gummersbach deklassierte eine Mannschaft, die wenige Tage zuvor in der europäischen Königsklasse noch den international hoch dekorierten, wenn auch derzeit ein wenig unpässlichen FC Barcelona mit zehn Toren Unterschied besiegt hatte. Die meisten der 15.000 Fans in der Kölnarena ließen sich durch die betörende Vorstellung ihrer Lieblingsmannschaft zum Träumen verleiten. „Deutscher Meister wird nur der VfL!“, sangen sie. Mit solchen Ambitionen konfrontiert, blieb der Gummersbacher Trainer Alfred Gislason zurückhaltend. Von den Gesängen will er „nichts mitbekommen“ haben.

          „Selbst wenn wir alle Spiele gewinnen, müssen wir nicht unbedingt Meister werden, weil Flensburg das auch schaffen kann“, sagte er. „Unser Ziel ist es nach wie vor, unter die ersten drei zu kommen und uns für die Champions-League zu qualifizieren. Normalerweise machen Flensburg und Kiel den Titel unter sich aus.“ Ist dieser Mann denn gar nicht zu beeindrucken? Doch. Ganz spurlos ist die Partie auch an Gislason nicht vorbeigegangen.

          Ein wenig offener sei die Meisterschaft vielleicht geworden, sagte er. Das sei aber kein Grund, sich als ernsthafter Kandidat zu fühlen, solange die Mannschaft den aktuellen Erfolg nicht bestätigt habe. „Wenn wir in Großwallstadt verlieren, ist alles schon wieder vorbei.“ Viel wird davon abhängen, ob die VfL-Profis körperlich so robust bleiben, wie ihre aktuelle Fitness vermuten lässt. Was immer für Herausforderungen auf das Team zukommen, „an der Physis wird es nicht scheitern“, sagt Gislason.

          WM-Stimmung in Köln

          Gegen Flensburg hielt ein beschwerlicher Start mit einem Rückstand von 4:8 nach knapp elf Minuten sein Personal nicht davon ab, den Gegner auf dem Parkett zu unterwerfen. Es folgten neun Minuten, in denen der VfL zehn Tore warf und nur einen Treffer zuließ, auch weil Torhüter Goran Stojanovic, gemeinsam mit seinen Vorderleuten, stärker wurde; insgesamt zeigte er 19 Paraden und wehrte fast 45 Prozent der Würfe auf sein Tor ab. Im zweiten Durchgang hatten die Gummersbacher leichtes Spiel, sie entfachten eine Heimspielatmosphäre wie bei der Weltmeisterschaft. „Die Stimmung war ungefähr fünfhundert Prozent besser als im vergangenen Jahr, wir müssen uns wohl bei der deutschen Nationalmannschaft bedanken“, sagte Gudjon Valur Sigurdsson, der isländische Kapitän des VfL.

          An diesem Sonntag hoffen die Oberbergischen auf das nächste Stimmungshoch. Im Rückspiel gegen Valladolid gelten sie als Favorit auf den Einzug ins Halbfinale der europäischen Königsklasse. Das Spitzenspiel der Bundesliga als Intermezzo zweier K.o-Spiele in der Champions League und das alles binnen acht Tagen – im Fußball wäre das unvorstellbar, im Handball ist es Alltag.

          Staatsanwaltschaft ermittelt in Flensburg

          Für die Flensburger ist dieser Alltag grauer, als das Hinspielergebnis vermuten lässt. „Wenn wir so spielen wie in Gummersbach, scheiden wir aus, auch mit einem Vorsprung von zehn Toren“, sagte SG-Manager Thorsten Storm.

          Die Norddeutschen drücken noch andere Sorgen als das Debakel gegen Gummersbach. Am Dienstag hatten Ermittler die Geschäftsstelle der SG Flensburg durchsucht. Vereinspräsident Frerich Eilts, Chef der Sparkasse Flensburg, ist in den Fokus der Staatsanwaltschaft geraten, die zwei dubiose Grundstücksverkäufe untersucht. Mit diesen Geschäften sollen Werbeverträge für den Bundesligaklub verbunden gewesen sein. „Wir sind nicht Ziel dieser Ermittlungen“, sagt Storm. Aber doch mittendrin statt nur dabei.

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