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Stelian Moculescu : Vom Volleyball besessen

  • -Aktualisiert am

„Mehr Zuschauer, mehr Medienpräsenz, mehr Promotion“: Stelian Moculescu. Bild: Picture-Alliance

Je 13 Mal Meister und Pokalsieger, Champions-League-Gewinner: Die unglaubliche Bilanz des VfB Friedrichshafen steht und fällt mit Stelian Moculescu. Was treibt den 65 Jahre alten Trainer an? Die Antwort ist verblüffend einfach.

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          Wo Stelian Moculescu auftritt, kann es schon mal laut und zügellos zugehen. Der Mann ist als Volleyballtrainer nun mal der personifizierte Erfolg, und wo so viel Leidenschaft und Emotionen im Spiel sind, müssen sie ihren Weg nach draußen finden. Das könnte durchaus auch an diesem Freitagabend (19.30 Uhr) der Fall sein, wenn die United Volleys Rhein-Main den deutschen Meister und Pokalsieger VfB Friedrichshafen zur Saisonpremiere in der Fraport Arena empfangen.

          „Auf dem Feld und kurz nach dem Spiel scheppert es schon mal, wir haben schließlich beide einen Job zu erledigen.“ Die Worte stammen von Michael Warm, und der muss es wissen. Der 47 Jahre alte Trainer des Liganeulings United Volleys Rhein-Main ist seit Jahren ein Freund und Begleiter von Moculescu. Warm arbeitete als Junioren- und Assistenztrainer eng mit dem damaligen Bundestrainer Moculescu zusammen, er bezeichnet ihn als „Mentor und Ziehvater“.

          Später trafen sie als Konkurrenten aufeinander, der eine beim Rekordmeister Friedrichshafen, der andere beim Rivalen aus Berlin. Nun kreuzen sich die Wege abermals, wobei die Hierarchie deutlicher kaum sein könnte: Der Branchenführer vom Bodensee reist als Doublesieger nach Frankfurt, wo der ehrgeizige Versuch gestartet wird, einen ambitionierten Erstligaklub zu etablieren, der irgendwann einmal dort angreifen kann, wo die Friedrichshafener seit vielen Jahren stehen.

          1998 heuerte Moculescu beim bis dato titellosen VfB an und schrieb eine Erfolgsgeschichte, die ihresgleichen sucht: 13 Mal Meister, 13 Mal Pokalsieger, einmal Champions-League-Gewinner, den Briefkopf der Friedrichshafener zieren mittlerweile sage und schreibe 27 Titel. Die unglaubliche Bilanz steht und fällt mit Stelian Moculescu.

          „Mehr Zuschauer, mehr Medienpräsenz, mehr Promotion“

          Der damalige Weltklasse-Zuspieler floh während der Olympischen Spiele 1972 von der rumänischen Mannschaft und begründete in seiner Wahlheimat eine Ära, wie es sie im Volleyball zuvor nicht gegeben hat. Auf mehr als 40 Trophäen summiert sich seine Sammlung, „so ganz genau habe ich das nicht nachgezählt“. Was spornt einen an, der mit 65 mehr erreicht hat als ganze Generationen zusammen? Die Antwort ist verblüffend einfach: „Spaß.“

          Wer intensiv mit jungen Spielern arbeite, so das Credo, der bleibe selbst jung: „Für mich ist das ein wunderbarer Transfer.“ Wobei der Ehrgeiz für den Besessenen die wichtigste Triebfeder bleibt: „Es gibt doch nichts Schöneres, als wenn du gewinnst.“ Unter dieser Prämisse wird Moculescu die letzte Saison besonders genossen haben. Schließlich gelang es den Friedrichshafenern, dem Dauerrivalen aus Berlin die Meisterschale wieder zu entreißen.

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          Nun will der VfB dem Klub aus der Hauptstadt auch auf dem Terrain des professionellen Umfelds die Stirn bieten. Der Klub hat eine Marketingoffensive gestartet. „Mehr Zuschauer, mehr Medienpräsenz, mehr Promotion“, so fasst Moculescu die Bemühungen zusammen. Der erst 29 Jahre alte Geschäftsführer Sebastian Schmidt bekommt dabei prominente Unterstützung.

          Peter Kleinmann wurde als Berater gewonnen, der 69-jährige Wiener ist Präsident des Österreichischen Volleyball-Verbandes, Vorstandsmitglied im Europäischen Volleyball-Verband und gilt in der Szene als hervorragend vernetzt. Die beiden Alphatiere verbindet eine langjährige Freundschaft: Einst wurde der Spielmacher Moculescu bei Tirolia Wien unter dem Trainer Kleinmann Meister und Pokalsieger. Kleinmann habe seine Fähigkeiten oft nachgewiesen, betont Moculescu, „er hat unsere Sportart im Volleyball-Niemandsland Österreich salonfähig gemacht.“

          „Über unser Spiel unterhalten wir uns nicht“

          Nun soll Kleinmann seine Fähigkeiten am Bodensee einbringen. Erste Erfolge gibt es, die Friedrichshafener Champions-League-Begegnungen werden live in einem regionalen TV-Sender übertragen. Für den Sport ist weiterhin Moculescu verantwortlich, mit dem sich Warm am Abend vor dem ersten Saisonauftritt in Frankfurt auf ein Glas Wein verabredete. Allerdings war schon vorher klar, dass das freundschaftliche Treffen unter einer Prämisse stattfindet: „Über unser Spiel unterhalten wir uns nicht. Das Thema ist außen vor.“

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