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VfB Friedrichshafen : Jäger vom Bodensee

Auf Angriff: Stelian Moculescu Bild: dpa

Der VfB Friedrichshafen kämpft um seine Rolle im Volleyball. Zur Saisoneröffnung verlor der alte Platzhirsch beim deutschen Volleyball-Meister aus Berlin.

          3 Min.

          Es ist nicht so, dass Stelian Moculescu sich diese Worte abringen müsste. „Sie machen das gut“, sagt der Trainer des VfB Friedrichshafen, „das muss man neidlos anerkennen.“ Sie, das sind Spieler, Trainer und Führung der Berlin Volleys. Die Berliner sind aktueller deutscher Volleyball-Meister, und auf dem Weg dorthin hatten sie im Halbfinale auch Moculescus VfB Friedrichshafen aus dem Feld geschlagen: den Platzhirsch, das Team, das in den sieben Jahren zuvor den Titel gewonnen hatte. Nun besiegten sie die Friedrichshafener auch im ersten Saisonspiel 3:1.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Zu den Spielen der Berliner waren in der vergangenen Saison mehr als 70.000 Zuschauer in die Max-Schmeling-Halle gekommen, gut 4200 pro Spiel - so viel wie nirgendwo sonst in der Liga. So sahen sie sich in Berlin vor der am Montag begonnenen Saison 2012/2013 nun als Vorreiter der Liga, als „Lokomotive“, die die anderen Klubs mitziehen will. In einer Rolle also, die in den vergangenen Jahren eigentlich immer einem anderen Klub zugekommen war: dem VfB Friedrichshafen.

          „Sicher nicht schlecht für den Volleyball“

          Beim Champions-League-Sieger 2007 nehmen sie die Herausforderung aus der Hauptstadt sportlich. Berlin sei eine Stadt mit tollen Sportstätten, viel Publikum und einer breiten Medienlandschaft, sagt Moculescu. Zudem sei es „sicher nicht schlecht für den Volleyball, wenn auch mal ein anderer Meister wird. Das ist für alle gut.“ Es muss ja nicht so bleiben. Das sagt Moculescu nicht mehr, es schwingt aber unverkennbar mit. Denn Anerkennung hin oder her, eines ist für Moculescu klar: Ziel des VfB ist, Meister und Pokalsieger zu werden. Den Berlinern die Krone wieder abzujagen. Und die Meisterschale zum erfolgreichsten deutschen Volleyballklub zurückzubringen.

          Der wichtigste Neuzugang: Max Günthör
          Der wichtigste Neuzugang: Max Günthör : Bild: dapd

          Was das für das Team bedeutet, verdeutlicht Hans-Peter Müller-Angstenberger, Trainer des Bundesliga-Konkurrenten TV Rottenburg. Müller-Angstenberger ist ein ebenso emotionaler und engagierter Coach wie Moculescu, er ist deshalb auch schon öfter mit ihm aneinandergeraten, und vielleicht kann er daher besser als andere nachvollziehen, wie es derzeit bei Spielern und Trainer des VfB aussieht. Müller-Angstenberger sagt: Meister wird Friedrichshafen - weil das Halbfinal-Aus gegen Berlin „geballte Energie freigesetzt hat, der Verein sich wieder neu beweisen will, Stelian Moculescu alles tun wird, um Friedrichshafen wieder an die Spitze zu führen und alle heiß auf den Titel sind“.

          Ein Transfer wie eine Auszeichnung

          Fragt sich: Reicht das? Die Berlin Volleys haben ihr Team fast komplett zusammengehalten und noch mit dem 2,12 Meter großen Nationalspieler Robert Kromm verstärkt - einem langjährigen Italien-Profi mit rund 200 Länderspielen. Ein Transfer wie eine Auszeichnung. „Dass so ein Spieler wieder in Deutschland spielen will“, sagt Berlins Trainer Mark Lebedew, „spricht für die Arbeit des Vereins.“

          Und der VfB Friedrichshafen? Hat nach dem trotz Pokalsiegs unbefriedigenden Jahr sein Team mächtig umgekrempelt. Sieben neue Spieler, bis zuletzt bastelte Moculescu am Team, gezwungenermaßen, weil einer der sieben, der griechische Diagonalangreifer Anastasios Aspiotis, kurz vor Saisonbeginn aus privaten Gründen zurück nach Hause musste. So stellte Moculescu auf der wichtigen Angriffsposition dem jungen Österreicher Thomas Zass flugs noch den 35 Jahre alten Bulgaren Ventzislav Simeonov zur Seite.

          Vom Anführer zum Jäger

          Der wichtigste Neue beim VfB aber heißt Max Günthör. Der 27 Jahre alte, 2,08 Meter große Mittelblocker, der im Sommer mit dem Nationalteam bei den Olympischen Spielen in London das Viertelfinale erreicht hatte, ersetzt den nach Italien abgewanderten Marcus Böhme. „Ich bin froh, dass er wieder da ist“, sagt Moculescu. Für Günthör ist es eine Rückkehr in die Heimat, er hat beim VfB das Volleyballspielen gelernt, bevor er mit Generali Haching dreimal Pokalsieger wurde, auch gegen den VfB Friedrichshafen. Dass er nun wieder am Bodensee aufschlägt, „ist gut für die Region und den Verein“, sagt Moculescu. Wie gut, zeigte sich am Freitagabend beim 3:0-Testspielsieg gegen Generali Haching: Günthör steuerte zehn Punkte bei.

          Wirklich ernst aber wird es erst an diesem Montag - da empfangen die Berlin Volleys zur Saisoneröffnung in der Schmeling-Halle (19.30 Uhr/DVL-live.tv) den VfB Friedrichshafen. Schön für die Fans, schwierig für die Trainer, die es gleich im ersten Spiel mit dem großen Rivalen zu tun bekommen. Doch mit einem reinen Titel-Duell Berlin gegen Friedrichshafen rechnet ohnehin niemand, schließlich mischt da noch eine dritte Kraft mit - ein Team, das zuletzt mehrmals knapp die erste Meisterschaft verpasst hat: Generali Haching.

          Alle drei, Berlin, Friedrichshafen, Haching haben schon verlauten lassen, dass sie Meister werden wollen, „und diese Last müssen sie nun auch tragen“, sagt Moculescu - im Wissen, dass der VfB lange Jahre den alleinigen Titelfavorit abgegeben hat, hinter dem sich die anderen verstecken und in aller Ruhe angreifen konnten. Nun hat der VfB die Rollen getauscht: Zumindest in der Meisterschaft ist er vom Anführer zum Jäger geworden.

          Kein Problem für die Berliner, sagt Trainer Lebedew. Der Meistertitel 2012 habe seinem Team nicht nur Ruhm, Ehre, Fans und Fernsehzeit eingebracht - sondern auch viel Selbstbewusstsein. „Wir wissen jetzt, wie es geht und dass wir das schaffen können.“ Motivieren müsse er sein Team sowieso nicht groß. „Sie haben das einmal geschafft“, sagt Lebedew, „und sie wollen es wieder schaffen.“

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