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Verunglückte Olympiasiegerin : Ein emotionaler Abend für Kristina Vogel

  • Aktualisiert am

„Es ist schön, alle wiederzusehen“: Kristina Vogel in Berlin. Bild: dpa

Im Juni verunglückte die Bahnrad-Olympiasiegerin schwer. Seitdem ist sie querschnittsgelähmt. Nun kehrt Kristina Vogel in den Kreis der Radsportler zurück – und wird in Berlin ausgezeichnet.

          Emotionaler Abend für Kristina Vogel: Die nach einem schweren Trainingsunfall im Sommer querschnittsgelähmte zweimalige Bahnrad-Olympiasiegerin ist am Samstag im Berliner Velodrom als Deutschlands Radsportlerin des Jahres ausgezeichnet worden. Die Ehrung am Rande des Heim-Weltcups nahm Bundesaußenminister Heiko Maas vor. Bei den Männern wurde Straßenradprofi Maximilian Schachmann (Berlin) für seine starken Leistungen im Jahr 2018 ausgezeichnet.

          Die große Bühne gehörte aber Vogel. Als die 28-Jährige um 17.45 Uhr im Rollstuhl auf das Holzoval kam, erhoben sich die Zuschauer von ihren Plätzen. Auch Betreuer, ehemalige Kolleginnen und Rivalinnen applaudierten. Einige Athleten unterbrachen im Innenraum kurzzeitig ihr Training. „Es ist schön, alle wiederzusehen“, sagte die elfmalige Weltmeisterin Vogel: „Ich habe gar nicht so viel Zeit für alle. Ein Drücker, ein Knutscher – dann kommt schon der nächste“, sagte Vogel ins Mikrofon des Hallensprechers.  An gleicher Stätte hatte Vogel Ende Oktober 2017 bei der Europameisterschaft zweimal Gold und einmal Silber gewonnen. 

          Die Erfurterin war am 26. Juni beim Training auf der Betonbahn in Cottbus bei voller Geschwindigkeit mit einem Fahrer kollidiert, der sich ebenfalls auf der Radrennbahn befand. Ihr Rückenmark wurde am siebten Brustwirbel durchtrennt. Im Unfallkrankenhaus Berlin arbeitet Vogel seither intensiv in der Reha. Anfang September hatte die elfmalige Weltmeisterin ihre Diagnose öffentlich gemacht. „Ich bewundere, wie sie mit dieser Situation umgeht“, sagte der ebenfalls anwesende Außenminister Heiko Maas (SPD). „Sie hat diese Auszeichnung absolut verdient. Wie sie damit umgeht, ist schon sehr besonders“, betonte Schachmann. Für Vogel war es am Samstag nicht die einzige Anerkennung. Bei der 15. Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in Düsseldorf war sie zuvor in Abwesenheit zum Persönlichen Mitglied gewählt worden.

          Neben dem bewegenden Auftritt Vogels durften die Zuschauer in Berlin auch deutsche Erfolge bejubeln. Die obligatorische Ehrenrunde mit der Deutschland-Fahne drehte aber nur Eilers. Der Chemnitzer gewann am Samstagabend das 1000-m-Zeitfahren in 1:00,645 Minuten. Silber ging an den Franzosen Quentin Lafargue (1:00,660) vor Theo Bos aus den Niederlanden (1:00,868). Der für das Track-Team-Brandenburg startende Eric Engler (Cottbus/1:01,333) wurde Fünfter. „Es ist unglaublich, den Weltcup vor heimischem Publikum zu gewinnen. Meine Familie ist hier, ich habe alles gegeben“, sagte Eilers: „Am Ende war es sehr knapp. Ich habe den Sieg nicht erwartet.“ Zuvor hatten Roger Kluge und Theo Reinhardt für Edelmetall gesorgt. Das Weltmeister-Duo gewann Bronze im Zweier-Mannschaftsfahren. Kluge und Reinhardt mussten sich mit 24 Punkten nur Dänemark (44 Punkte) und Großbritannien (30) geschlagen geben.

          Bereits am Freitag hatte Eilers mit den Teamsprintern Bronze gewonnen, bei den Frauen holten Miriam Welte und Emma Hinze Silber. Hinze ging im Sprint am Samstag wie auch die zweite deutsche Starterin Pauline Grabosch leer aus. Hinze verlor ihre beiden Viertelfinal-Läufe gegen die Russin Darja Schmeljowa. Grabosch war bereits im Achtelfinale an deren Teamsprint-Partnerin Anastassija Woinowa gescheitert. Stefan Bötticher, im Teamsprint erfolgreich, verpasste das Finale im Keirin knapp. Der Europameister aus Chemnitz belegte am Ende den siebten Rang.

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