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Handball-Nationalteam : Der Kampf um Erfolgstrainer Sigurdsson

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Bleibt Dagur Sigurdsson auch über den Sommer 2017 hinaus Handball-Bundestrainer? Bild: Picture-Alliance

Mit Dagur Sigurdsson wurden die deutschen Handballer Europameister und holten Olympia-Bronze. Nun aber gibt es Hinweise, dass der Bundestrainer die Zusammenarbeit bald beenden will.

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          Es ist ein Buhlen um einen der angesehensten Handballtrainer im Land. Der Deutsche Handballbund (DHB) kämpft um Dagur Sigurdsson, den Mann, der die Nationalmannschaft zu neuen Höhen geführt hat. Der Vertrag des Isländers als Bundestrainer läuft noch bis zum Sommer 2017. Angeblich gibt es Hinweise, dass Sigurdsson die Zusammenarbeit dann beenden will. Das wird von dem Magazin „Handball Inside“ berichtet. Der DHB reagierte am Mittwoch prompt mit einer Mitteilung. Der Verband kündigte eine Entscheidung über Sigurdssons Zukunft noch vor der im Januar anstehenden Weltmeisterschaft in Frankreich an. „Wir sind in Gesprächen“, sagte Bob Hanning, Vizepräsident Leistungssport des DHB.

          Die Deutschen sind mit Sigurdsson Europameister geworden – und sie wollen noch mehr. Mit ihm wird bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio die Goldmedaille angepeilt. Sein Kontrakt ist daher mit einer Option auf eine Verlängerung ausgelegt – mit dem Ziel Olympia in knapp vier Jahren. Natürlich wäre es ein harter Schlag für den deutschen Handball, sollte Sigurdsson tatsächlich schon im kommenden Jahr neue Wege einschlagen.

          „Dass Dagur auch wegen des Europameistertitels und der olympischen Bronzemedaille zu den begehrtesten Trainern zählt, ist keine Überraschung“, sagte der Berliner Hanning. „Wir wissen, was wir an ihm haben – und Dagur weiß, was er am Deutschen Handballbund hat. Weiteres wird sich in den nächsten Wochen entwickeln.“ Klar ist aber auch, dass Sigurdsson in Ländern wie Qatar oder bei einem internationalen Spitzenklub deutlich mehr Geld verdienen würde als beim DHB.

          Sigurdsson, der im August 2014 den schwächelnden Weltmeister von 2007 übernommen hatte, rückte mit seinen anschließenden Erfolgen in den Fokus. Unter dem Taktik-Experten kehrten die Deutschen in die Weltspitze zurück: Nach dem EM-Titel im vergangenen Januar in Polen folgte im August die Bronzemedaille bei Olympia in Rio. In Frankreich soll sich der Aufschwung fortsetzen.

          Zunächst aber muss sich das deutsche Team organisieren. So wird nun der Rückraum umgebaut. Beim Auftakt der Qualifikation für die Europameisterschaft 2018 in Kroatien ist unerwartet Spielmacher Martin Strobel nicht dabei. Zuvor hatten bereits der verletzte Julius Kühn und Christian Dissinger aus Regenerationsgründen abgesagt hatten. „Martin ist nicht verletzt, aber hatte ein paar körperliche Probleme. Er möchte sich mehr auf seinen Verein konzentrieren“, sagte Sigurdsson. „Das ist nicht sein Ende in der Nationalmannschaft. Er wird uns immer helfen, wenn Not am Mann ist.“

          Anfang 2016 holte Sigurdsson mit Deutschland den EM-Titel.

          Am 2. November in Wetzlar gegen Portugal und am 5. November in Zürich gegen die Schweiz startet der Titelverteidiger in die Ausscheidung für die EM. Dritter Konkurrent um einen der ersten beiden Tabellenplätze in der Gruppe 5 für die Teilnahme an dem Turnier ist Slowenien. „Wir wollen den ersten Platz“, sagte der Bundestrainer. Für das fehlende Rückraum-Trio hat Sigurdsson zwei Neulinge ins Team geholt.

          Ihre Premiere zumindest beim Lehrgang vom 31. Oktober an erleben Philipp Weber von der HSG Wetzlar und Dominik Weiß vom TVB Stuttgart. Wieder dabei sind die Spielmacher Niclas Pieczkowski und Simon Ernst sowie Kreisläufer Jannik Kohlbacher und Linksaußen Rune Dahmke. Auf Torhüter Carsten Lichtlein verzichtet der Bundestrainer, „weil ich zwei andere besser gesehen habe“. Wie in Rio stehen Andreas Wolff und Silvio Heinevetter zwischen den Pfosten, Lichtlein ist nur Reserve. Es gibt also reichlich zu tun für Sigurdsson – auf und neben dem Feld.

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