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Basketball in der NBA : Darum ist Dennis Schröder ein „schwieriger Fall“

  • -Aktualisiert am

Auf dem Sprung: Dennis Schröder. Bild: dpa

Bei der NBA-Spielerwahl wirkt vieles anders, als es in Wirklichkeit ist. Mittendrin im Trubel um das Personal ist auch Dennis Schröder. Nun aber hat er erstmal eine Aufgabe in der Heimat zu erledigen.

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          Es sind nur ein paar Kilometer von seinem Haus zu dem kleinen Flugplatz, über den in Atlanta der private Flugverkehr abgewickelt wird. Das Beste daran: Der Jet steht bereit, sobald man eintrifft. Zu seinen Trips wie neulich nach Miami nimmt Dennis Schröder gerne ein paar Freunde mit. Diesen Hauch von Welt will Schröder in dieser Woche auch in seiner Heimat verbreiten, wo er am kommenden Freitag beim Basketball-WM-Qualifikationsspiel gegen Österreich und am 2. Juli gegen Serbien mit dem Werbeetikett „NBA-Star“ antritt. Umweht von der Reputation eines Führungsspielers, der vergangene Saison mit den Atlanta Hawks nicht nur sein Potential als Spielmacher demonstrierte, sondern auch die meisten Punkte erzielte.

          Bei der Draft dieses Jahres am vergangenen Donnerstag in Brooklyn wurde deutlich, dass diese Statistiken seinen Arbeitgeber wenig beeindrucken. Da sicherte sich der Klub die Dienste eines jungen Spielmachers namens Trae Young, aufgewachsen in Texas, sportlich gereift an der University of Oklahoma, dem viele Experten zutrauen, die Schussgewalt und die Übersicht eines Stephen Curry zu entwickeln, der mit den Golden State Warriors soeben zum dritten Mal in vier Jahren NBA-Meister geworden ist. Die Reaktion beim „Atlanta Journal-Constitution“, der größten Tageszeitung in der Stadt, angesichts der Neuverpflichtung war brüsk: „Es wäre wahrscheinlich besser, die Hawks würden ohne Schröder weitermachen.“ Sprich: ihn abgeben.

          Wie so etwas in der NBA funktionieren kann, deutete der Draft-Abend von Brooklyn am vergangenen Donnerstag an. Da kam Young durch ein für die Liga typisches Tauschgeschäft mit den Dallas Mavericks nach Atlanta. Dorthin, wo der neue Trainer Lloyd Pierce eine Mannschaft zu modellieren versucht, die zuletzt mit einer Saisonbilanz von nur 24 Siegen, aber 58 Niederlagen im Tabellenkeller herumkrebste. Schröder schickte aus Deutschland zu nachtschlafender Zeit eine Instagram-Nachricht an die Adresse von Trae Young: „Willkommen in der Familie. Kann es nicht erwarten.“

          In den Wochen vor der Draft war auch der Name Schröder immer wieder als Tauschobjekt aufgetaucht. Der Sportchef eines lokalen Fernsehsenders kolportierte, was die Hawks für Schröder haben wollten: einen hohen Draftplatz in der ersten Runde etwa von den Los Angeles Clippers. Aber daraus wurde nichts. „Sports Illustrated“ mutmaßte, Schröder sei „ein schwieriger Fall für die Hawks. Und zwar aufgrund von Sorgen über seine Einstellung und die 46 Millionen Dollar an Gehalt, die ihm bis 2021 vertraglich garantiert sind.“

          Das Spiel hinter dem Spiel wird von einer illustren Geschichte der NBA-Draft belegt. Die San Antonio Spurs angelten sich 1999 den Argentinier Manu Ginóbili, der von allen anderen Teams unbeachtet noch als 59. Spieler von 60 zu haben war. Er gehörte anschließend zum Stamm eines Kaders, der viermal den NBA-Titel gewann. Aus dem körperlich kleinen Isaiah Thomas, gezogen als Letzter bei der Draft 2011, wurde innerhalb weniger Jahre ein All-Star-Spieler und damit ein ganz Großer. Es gab kuriose Draftabende wie den im Juni 1984 in New York, als gleich zwei Klubs, die damals als erste und zweite ziehen durften, einen gewissen Michael Jordan ignorierten, der auf diese Weise den Chicago Bulls auf Draft-Platz drei in den Schoß fiel.

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