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Verena Sailer und Linda Stahl : Die Goldstücke der deutschen Leichtathletik

„Das ist unglaublich. Es ist wahnsinnig, es ist so Wahnsinn”: Verena Sailer Bild: REUTERS

Am dritten Tag der Leichtathletik-EM gibt es die ersten Medaillen für Deutschland. Verena Sailer wird über 100 Meter die schnellste Frau Europas. Und nur fünf Minuten später gewinnt Linda Stahl das Speerwerfen vor Christina Obergföll.

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          Verena Sailer und Linda Stahl haben sich am Donnerstagabend als Goldstücke der deutschen Leichtathletik entpuppt. Innerhalb von fünf Minuten sorgten sie gemeinsam mit Christina Obergföll für die ersten Medaillen des deutschen Teams. Verena Sailer schob sich im Finale des 100-Meter-Laufs auf den letzten Metern energisch an den beiden Französinnen Veronique Mang (11,11 Sekunden) und Myriam Soumare (11,18) vorbei und wurde in 11,10 Sekunden Europameisterin, mit neuer persönlicher Bestzeit.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Im Speerwurf verdrängte mit einem mächtigen Wurf von 66,81 Meter völlig überraschend die 24 Jahre alte Leverkusenerin Linda Stahl Olympiasiegerin Barbora Spotakova von der Spitze (65,58 Meter) der Wertung und holte ebenfalls die Goldmedaille. Ihr weiter Wurf und der Jubel des Publikums spornten nun auch Christina Obergföll zu einer Energieleistung an.

          Mit einem Wurf von 65,58 Meter ließ auch die 28-jährige Olympiadritte die Tschechin Spotakova hinter sich und sicherte sich die Silbermedaille. Nach dem Wettkampf lagen sie sich jubelnd in den Armen. Katharina Molitor, die überraschend deutsche Meisterin geworden war, kam mit 63,81 Meter auf Platz vier.

          Unglaublich, aber wahr: Verena Sailer holt Gold über die 100 Meter der Frauen

          „Dass ich Europameisterin bin, ist so ein Wahnsinn“

          In Barcelona, wo Horden von Touristen auch aus Deutschland das Straßenbild prägen, retteten die Frauen den Auftritt der deutschen Mannschaft. Erst am dritten Tag der Europameisterschaft gab es die ersten Medaillen. Verena Sailer, nur 1,66 Meter groß, war lange fassungslos, als sie sich an den einen Kopf größeren schwarzen Französinnen vorbei geschoben hatte.

          Als diese schon begeistert ihre Medaillen feierten, stand die Mannheimerin noch bei ihrem Trainer Valerij Bauer an der Bande und versuchte zu fassen, was gerade geschehen war: Sie hatte die erste Goldmedaille seit dem Fall der Mauer und dem Europameisterschaftstriumph von Katrin Krabbe gewonnen. Vor Glück strahlend lief sie mit ihrem blonden Pferdeschwanz und einer deutschen Flagge auf die Ehrenrunde. „So was ist unglaublich. Dass ich Europameisterin bin, ist so ein Wahnsinn“, sagte sie schließlich. „Ich freue mich schon so sehr darauf, die Hymne zu hören.“

          Wenn Christophe Lemaitre nun der Usain Bolt Europas seien soll, will die aus Illertissen stammende und seit zwei Jahren in Mannheim lebende Verena Sailer ganz entschieden nicht das weibliche Pendant sein. Denn Olympiasiegerin und Weltmeisterin Shelly-Ann Fraser aus Jamaika ist derzeit wegen eines positiven Dopingbefundes gesperrt. Sie sagt aber selbstbewusst: „Ich glaube nicht, dass ich weniger Talent habe, nur weil ich weiß bin.“

          Beim Start des Halbfinales stürzt Verena Sailer fast

          Verena Sailer war schon bei der Weltmeisterschaft von Berlin im vergangenen Jahr als Elfte die schnellste Europäerin gewesen. Als Schlussläuferin hatte sie der Staffel die Bronzemedaille gesichert, indem sie sich vor der herannahenden Russin in Ziel stürzte und sich Abschürfungen am ganzen Körper holte. Diesmal geriet sie beim Start des Halbfinales ins Straucheln und fürchtete, zu stürzen.

          Bei zu starkem Rückenwind rannte sie vor Myriam Soumare und Christine Arron in 11,06 Sekunden ins Ziel; sie ärgerte sich deutlich darüber, dass die Zeit nicht offiziell anerkannt wurde. Sie hat ganz offensichtlich das Ziel, die elf Sekunden zu unterbieten. Sie erwarte, hatte sie vor den Titelkämpfen selbstbewusst angekündigt, dass sie noch ein Pfund drauflegen könne.

          „Unglaublich, dass Linda die Nachfolgerin von Steffi ist

          Auch die Medizinstudentin Linda Stahl verbesserte ihre Bestleistung auf dem Saisonhöhepunkt deutlich. Wie Welt- und Europameisterin Steffi Nerius, die für das Fernsehen die Übertragung kommentierte, trainiert sie bei Helge Hölkau. Dieser jubelte in Barcelona: „Unglaublich, dass Linda jetzt die Nachfolgerin von Steffi ist.“

          Vor zwei Jahren hatte sie ihre bis Donnerstag beste Leistung von 66,06 Meter erreicht. „Endlich die erste EM-Medaille. Auch wenn ich von der Weite her meine Erwartungen nicht erreichen konnte“, meinte Christina Obergföll, die 2006 beim Speertriumph von Steffi Nerius in Göteborg Vierte geworden war.

          Mohr, Demut und Co. scheitern schon in den Vorkämpfen

          In dem Jubel ging die Enttäuschung des Tages fast unter. Malte Mohr, der beste deutsche Stabhochspringer der Saison und Kandidat für eine Medaille, scheiterte in der Qualifikation an seinem zu hartem Stab und zu starkem Wind. Auch Dreispringerin Katja Demut (Jena) schied aus, mit drei ungültigen Versuchen. Über 200 Meter schied Daniel Schnelting (Rhede) im Vorlauf als Vierter in 20,98 Sekunden aus, Sebastian Ernst (Wattenscheid) wurde, immerhin im Halbfinale, mit 20,95 Sekunden Letzter.

          Den anderen Lauf gewann Frankreichs neuer Star Christophe Lemaitre 22 Stunden nach dem 100-Meter-Triumph in 20,39. Arne Gabius (Tübingen), trainiert von Dieter Baumann, dem Olympiasieger von Barcelona 1992, qualifizierte sich für das Finale über 5000 Meter.

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