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Verena Sailer : Das Gesicht des deutschen Sprints

Aus und vorbei: Verena Sailer verlässt die Laufbahn. Bild: dpa

Manchmal schließt sich ein Kreis schneller, als man es für möglich hält. Verena Sailer beendet überraschend ihre Karriere. Im letzten Lauf erreicht sie beim Istaf den fünften Platz.

          Manchmal schließt sich ein Kreis schneller, als man es für möglich hält. Auch wenn man es mit einer Sprinterin zu tun hat, die für gewöhnlich nur geradeaus läuft. Aber wenn sich die Prioritäten verschieben, wenn man mit 29 Jahren im wahren Leben Fuß fassen will, dann muss man eben Entscheidungen treffen.

          Die von Verena Sailer, am Sonntag beim Istaf in Berlin das letzte 100-Meter-Rennen ihrer Karriere zu bestreiten (11,37 Sekunden, 5. Platz) und danach die Spikes an den Nagel zu hängen, ist sicher nicht spontan gefallen, sondern wohlüberlegt, auch wenn sie für Außenstehende wie aus heiterem Himmel gekommen ist.

          Zwölf Jahre ist die Sprinterin der MTG Mannheim nun auf den Laufbahnen dieser Welt unterwegs gewesen, sogar mit beträchtlichem Erfolg: Platz drei mit der Sprintstaffel 2009 bei der Heim-WM in Berlin oder erst vor ein paar Monaten, Dritte über 60 Meter bei der Hallen-EM in Prag. Aber ganz groß herausgekommen ist Verena Sailer 2010 in Barcelona – als 100-Meter-Europameisterin, in 11,10 Sekunden. Obendrauf kam noch der Sieg mit der Staffel.

          Danach hat die nur 1,66 Meter große Allgäuerin fast ungläubig den Hype registriert, der um sie einsetzte. Sie wurde mit dem Bambi ausgezeichnet, bei der Sportlerwahl schaffte sie es hinter Skirennläuferin Maria Riesch und Biathlon-Star Magdalena Neuner auf Platz drei, war gefragt wie nie. „Irre, was da los war“, sagt sie. Danach ist es zwar etwas ruhiger geworden um die Sprinterin, die seit 16 Jahren von Valerij Bauer trainiert wird.

          Neben EM-Gold 2010 nimmt Verena Sailer viele schöne Momente mit ins Leben nach der Leichtathletik-Karriere.

          Einem Mann, der als Tüftler gilt, was die Trainingsmethodik angeht, einem, der mit Kreativität und handwerklichem Geschick sogar Trainingsgeräte selbst entwickelt und baut. Aber national war Verena Sailer der Konkurrenz immer noch einen Schritt voraus. Auch im Juli, als sie in 11,20 Sekunden ihren achten Titel gewann, hielt sie dem Ansturm der Jugend stand – und ihre sieben Jahre jüngere Herausforderin Rebekka Haase auf Distanz. Bei der WM in Peking war dann Platz fünf mit der Staffel noch einmal ein Highlight.

          Natürlich hat Verena Sailer nicht alle Ziele erreicht – ihrer Willensstärke und ihrem Biss zum Trotz. Dazu gehört, die 100 Meter einmal unter elf Sekunden zu laufen. Obwohl das in Zeiten, in denen die Leichtathletik um ihre Glaubwürdigkeit ringt, kein Makel ist. Aber mit Verdächtigungen hält sie sich zurück. „Jede muss für sich selbst entscheiden, wie sie ihren Sport betreiben will“, sagt Verena Sailer, die 2013 der magischen Grenze in 11,02 Sekunden ziemlich nahe gekommen ist.

          Ihr größtes Rennen: Sailer stürmte 2010 in Barcelona über 100 Meter zu EM-Gold.

          Jetzt zählen andere Dinge – das Studium und später der Beruf. In den kommenden Monaten möchte Verena Sailer nach dem Bachelor in Sportmanagement auch den Master in Wirtschaftspsychologie abschließen und sich beruflich orientieren. „Ich freue mich auf das, was kommt, werde neue Dinge ausprobieren und meine Erfahrungen aus zwölf Jahren internationaler Leichtathletik einbringen.“ Da geht eine, die jahrelang das Gesicht des deutschen Sprints war. Kein Wunder, wenn Idriss Gonschinska sagt: „Als Cheftrainer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes bedauere ich das Karriereende von Verena Sailer sehr.“ Er ist nicht der Einzige.

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