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Vendée-Globe-Logbuch : „Das wird die größte Feier für mich“

Noch lange nicht auf dem Heimweg: Bei der Vendée Globe hat Boris Herrmann gerade einmal die Hälfte absolviert. Bild: Jean-Marie LIOT / Team Malizia

Der deutsche Segler Boris Herrmann erlebt bei der Vendée Globe ein Auf und Ab. Auf einen „miserablen Tag“ folgt ein „kleiner Glücksmoment“. Nach der Hälfte der Regatta arbeitet der Hamburger nun auf ein ganz besonderes Ziel hin.

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          Die Tage bei der Vendée Globe sind für Boris Herrmann derzeit ein stetiges Auf und Ab. Auf einen „sehr motivierenden“ Dienstag, an dem der Hamburger gleich mehrere Konkurrenten am Horizont erblickte und dem Franzosen Damien Seguin mit seiner „Seaexplorer“-Yacht mehrere hundert Seemeilen südlich von Australien kurzzeitig sogar so nah kam, dass sich die beiden Skipper ohne Funkkontakt unterhalten konnten, folgte am Mittwoch ein „miserabler Tag“. Notwendige Reparaturen hätten Herrmann sehr angestrengt und in der Nacht brachten ihn das Wetter und die unruhige See um den Schlaf.

          „Mittlerweile werde ich schnell emotional, wenn ich zu wenig zur Ruhe komme“, berichtet der auf dem sechsten Rang segelnde und mit rauen Händen und Ölrückständen auf der Haut kämpfende 39-Jährige via Whatsapp-Call. „Heute hatte ich dagegen wieder einen kleinen Glücksmoment. Am Morgen fühlte ich mich ausgeschlafen und habe mir sogar einen kleinen Kaffee gemacht.“

          Fast 40 Tage sind die Teilnehmer bei der Rund-um-die-Welt-Regatta bereits auf den Ozeanen unterwegs, ziemlich genau die Hälfte des Rennens ist absolviert. Auf dem Rückweg befindet sich Boris Herrmann allerdings noch lange nicht. Wenn es laufe, wie geplant, umrunde er in etwas mehr als zwei Wochen mit dem Kap Hoorn die Südspitze Südamerikas.

          „Das wird die größte Feier für mich hier auf der Yacht. Erst dann ist das Härteste geschafft“, sagt Herrmann, der aufgrund seiner Beteiligung an der Rettungsaktion von Kevin Escoffier von der Rennleitung am Ende der Regatta eine Zeitgutschrift von sechs Stunden erhält – und damit vier und zehn Stunden weniger als die ebenfalls beteiligten Yannick Bestaven und Jean Le Cam. Herrmann: „Das ist okay für mich, ich wollte mich auch nicht um eine Stunde streiten. Ich habe weiter gute Chancen, am Ende unter die Top fünf zu kommen.“

          Wie weit der Weg quer durch den Südpazifik bis zur Ziellinie allerdings noch sein wird, zeigten zuletzt die größeren Probleme der beiden auf Rang zwei und drei plazierten Thomas Ruyant und Charlie Dalin. Die beiden Franzosen hatten in dieser Woche mit in den Bug eindringendem Wasser und einem gebrochenen Foil zu kämpfen und verbrachten mehrere Stunden mit den Reparaturen. Profitiert hat davon der 47 Jahre alte Bestaven – der mit knapp 100 Seemeilen Vorsprung auf seine ersten beiden Verfolger die sechste Rennwoche beenden wird.

          Die Vendée Globe gilt als die härteste Regatta für Einhandsegler. Sie begann am 8. November an der französischen Atlantikküste und führt entlang des Südpolarmeeres einmal um den Globus. Mit Boris Herrmann nimmt erstmals ein Deutscher teil.

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