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VC Wiesbaden : Feuerwehrmann Sossenheimer

  • -Aktualisiert am

Hat schon 2011 übergangsweise den VCW gecoacht: Christian Sossenheimer Bild: Wonge Bergmann

Wieder einmal brennt es beim VC Wiesbaden. Wieder einmal wird der langjährige Assistent als neuer Trainer gehandelt. Nur darin sind sich auch sein bisheriger Chef und die Vereinsführung offenbar einig.

          Hätte er nicht den Volleyball-Sport zum Beruf gemacht, schreibt Christian Sossenheimer in seinem Steckbrief beim VC Wiesbaden (VCW): „Dann wäre ich Feuerwehrmann“. Und das passt. Die Rolle als Retter im Hintergrund, der sich nicht aufdrängt, aber eingreift, wenn es erforderlich erscheint – die liegt dem langjährigen Assistenztrainer des Volleyball-Bundesligaklubs.

          Derzeit brennt es mal wieder beim VCW – und Sossenheimer ist gefragt, womöglich aber als Dauerlösung. Nachdem die Geschäftsführung des Vereins vergangene Woche ziemlich überraschend den bisherigen Cheftrainer Dirk Groß von seinen Aufgaben entbunden hatte – und zwar nicht aus sportlichen Gründen – braucht der Volleyballclub einen neuen Coach. Und das möglichst bald, um die Planung der kommenden Spielzeit seriös voranbringen zu können. „Ich kann mir das vorstellen“, sagt der 47-Jährige Sossenheimer zur neuen Herausforderung auf Nachfrage dieser Zeitung. Aber natürlich sei er nicht der einzige Kandidat. An diesem Donnerstag werde es noch mal ein Gespräch geben mit der Geschäftsführung. Danach wisse man mehr.

          Schon zweimal stand Sossenheimer im Mittelpunkt, als der VCW in personelle Not geraten war. 2011 brachte der ausgeglichene Aschaffenburger die Saison als Interimstrainer versöhnlich zu Ende, nachdem sich der Klub von der allzu autoritären Chinesin Xiaojun Yang getrennt hatte. 2015 war er als Kandidat gehandelt worden, nachdem Andreas Vollmer entnervt aufgegeben hatte. Seinerzeit hatte der Verein trotz guter Erfolge in der Bundesliga Jahr für Jahr das Abenteuer Europapokal gescheut, und somit nicht die sportliche Entwicklung angestrebt, die Vollmer sich vorstellte. „Damals stand ich zur Debatte“, meint Sossenheimer im Rückblick. „aber das war noch zu früh.“ Nachdem stattdessen Groß als neuer Headcoach engagiert wurde, gab der hünenhafte Sossenheimer völlig selbstverständlich für weitere vier Jahre den Assistenten.

          Nun ist auch aus dem Umfeld des Vereins zu hören, dass der VCW-Insider als Wunschkandidat gilt. Einen Vertrag für die kommenden zwei Jahre hat er ohnehin schon in der Tasche – ein solches Papier liegt freilich auch bei seinem bisherigen Chef in der Schublade. Erst im Februar hatte der VCW bekannt gegeben, dass er mit dem Duo Groß/Sossenheimer schon im November 2018 die Verträge bis 2021 verlängert habe. Umso erstaunlicher dann die Trennung im April, die der Verein jedoch nicht als Entlassung, sondern als Freistellung deklariert wissen will. „Es war überraschend für mich“, sagt der 54-Jährige Groß auch mit dem Abstand von einer Woche noch mit einer gewissen Bitterkeit in der Stimme. Es habe für ihn keinen ersichtlichen Grund gegeben und auch keine befriedigende Erklärung: „Ich bin sehr enttäuscht.“ Dass ihm mangelnde Kommunikationsfähigkeit und fehlendes Einfühlungsvermögen vorgeworfen wurden, wie nun zu hören ist, kann sich der in Berlin aufgewachsene Hesse nicht recht erklären. „Ich bin immer ansprechbar“, sagt Groß. Und ein bissweilen ruppiger Ton, der als „Berliner Schnauze“ durchgeht, könne ja wohl kaum der Anlass für eine Trennung sein. Von Vereinsseite ist jedoch zu hören, es habe diesbezüglich eine ganze Reihe von Gesprächen gegeben – jedoch ohne die gewünschte Verbesserung der Stimmung.

          Der stets loyale Sossenheimer kann sich allerdings an „keinen besonderen Vorfall“ erinnern. „Wir waren öfter unterschiedlicher Meinung“, erklärt er sein Arbeitsverhältnis zu Groß: „Wir haben diskutiert, aber das ist normal.“ Er hätte sich eine weitere Zusammenarbeit ohne weiteres vorstellen können. Und auch Groß erklärt, er werde „Christian mit Rat und Tat zur Seite stehen“, sofern dieser Cheftrainer werde – wovon seines Erachtens auszugehen sei: „Ich gönne es ihm.“

          An Arbeit wird es dem neuen Trainer in der spielfreien Zeit jedenfalls nicht mangeln. Eine einzige Spielerin hat bislang einen neuen Vertrag beim VCW unterzeichnet: Tanja Großer - sie wird ins achte Jahr gehen. Die aus Berlin stammende Außenangreiferin gehört somit schon zum Inventar des hessischen Vereins – wie Christian Sossenheimer, der seit 2010 dabei ist. Alle weiteren Vertragsgespräche liegen auf Eis, denn sämtliche Anbahnungen hatte Dirk Groß geleitet. Nun hat er die Kontakte an die Geschäftsstelle weiter geleitet - mit freundlichen Grüßen.

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