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Uwe Schwenker : Wieder frei für den Handball

  • -Aktualisiert am

Ende vor Gericht: Uwe Schwenker sieht sich voll entlastet Bild: dapd

Uwe Schwenker ist auch vom Vorwurf der Untreue freigesprochen worden. Der ehemalige Kieler Manager plant seine Rückkehr in die Bundesliga. Nur der Weg zum THW scheint ihm indes versperrt.

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          Den Freispruch feierte Uwe Schwenker mit der Familie und den engsten Freunden beim Kieler Lieblingsitaliener. Auch Alfred Gislason war am Mittwochabend erschienen, der Trainer des THW Kiel und im vergangenen September Schwenkers Trauzeuge bei dessen zweiter Eheschließung. Überrascht und „einfach glücklich“ sei er, sagte der 54 Jahre alte Schwenker am Ende eines Prozesses, der vor mehr als vier Jahren begann und nun seinen Abschluss fand: „Ich bin in allen Punkten freigesprochen. Das ist schon eine Genugtuung für mich.“ Alle Urteile sind rechtskräftig.

          Überrascht war Schwenker, der ehemalige Manager des THW Kiel, weil der Prozess am Mittwoch dann doch schneller endete als erwartet. Im neuen Verfahren war es um die Frage gegangen, ob sich Schwenker wegen eines Darlehens in Höhe von 60.000 Euro für den ehemaligen Kieler Trainer Zvonimir Serdarusic der Untreue schuldig gemacht habe. Das Darlehen aus dem Frühjahr 2008 war nicht in der Kieler Bilanz aufgetaucht.

          Doch der anklagende Staatsanwalt Axel Goos hatte am Ende seines einstündigen Plädoyers selbst auf Freispruch plädiert; eine mögliche Untreue sei nicht nachzuweisen. Ankläger Goos hatte Schwenker auch in den Verhandlungstagen von September 2011 an gegenüber gesessen und eine Niederlage einstecken müssen. Im Januar 2012 hatte der Vorsitzende Richter Matthias Wardeck Schwenker und Serdarusic vom Verdacht des Betrugs, der Untreue und der Bestechung im geschäftlichen Verkehr freigesprochen.

          Damals fielen Wardecks denkwürdige Sätze: „Die Kammer ist nicht von der Schuld der Angeklagten überzeugt. Sie ist aber auch nicht von Ihrer Unschuld überzeugt.“ Letztlich gebe es keine Anhaltspunkte für eine Manipulation des zugrundeliegenden Handballspiels durch Schwenker und Serdarusic, der Begegnung zwischen dem THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt im Finalrückspiel der Champions League im April 2007.

          Langes Warten

          Für Schwenker war der Kieler Manipulationsprozess mit diesem Freispruch aber nicht beendet. Goos machte von seinem Recht Gebrauch, beim Bundesgerichtshof in Leipzig Revision einzulegen - allerdings nur für den Anklagepunkt Untreue. Leipzig ließ die Revision zu, hob den Freispruch zum Teil auf und verwies die Sache Ende November 2012 zurück ans Ausgangsgericht.

          Für Schwenker war das damals ein Schock, denn er konnte sich ausrechnen, dass er seiner geliebten Bühne Handball nun noch länger als gedacht fern bleiben würde. Damals sagte er: „Ich brauche einen kompletten Freispruch, um wieder ambitioniert im Handball tätig zu sein.“ Immer wieder hatte Schwenker von einem „Berufsverbot“ gesprochen, das ihm begleite, bis der Fall endgültig zu den Akten gelegt sei. Schwenker nahm wieder seine Arbeit in seinem Kieler Versicherungsbüro auf. Einen hohen sechsstelligen Betrag soll er allein für die Anwaltskosten aufgebracht haben.

          Welche Rolle spielt Giislason?

          Nun hat er den kompletten Freispruch. Ob sein Image Schaden genommen habe, diese Frage beantwortete Schwenker am Mittwoch gegenüber dem Norddeutschen Rundfunk: „Für den einen oder anderen ist das sicher ein Menetekel. Irgendwas bleibt immer hängen. Aber ich bin in allen Anklagepunkten freigesprochen.“ Nun geht es für ihn um die Rückkehr zum Handball. Schwenker sagte: „Ich bin offen für alles, was mit Handball zu tun hat.“

          Der Weg zu seinem Lieblingsklub ist jedoch versperrt: Dort sitzt Geschäftsführer Klaus Elwardt auf Schwenkers ehemaligem Posten. „Die Rückkehr zum THW ist im Moment ein bisschen schwer vorstellbar“, sagte Schwenker. Mal sehen, welche Rolle Gislason spielt - er hat nie verhehlt, für wie wertvoll er Schwenkers Kontakte in der Handballszene hält. Zu Elwardt hat er nur eine Geschäftsbeziehung. Ob Schwenker eine Zukunft beim THW besitzt, hängt auch vom Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus-Hinrich Vater ab. Vater hatte sich im Zuge der Vorwürfe und des Prozesses als Saubermann und Aufräumer beim THW positioniert. Er hatte allerdings auch gesagt, dass man die Person Schwenker nach einem möglichen Freispruch neu und fair beurteilen müsse.

          Zukunft beim Verband unwahrscheinlich

          Beim THW steht eine spannende, neue Phase an. Mit tendenziell weniger Geld soll eine starke Mannschaft um Trainer Gislason und Rückraumspieler Filip Jicha aufgebaut werden, die vom Sommer an ohne die abwandernden Stützen Marcus Ahlm, Thierry Omeyer und Daniel Narcisse auskommen muss. Schon jetzt ist es eine spannende Frage, ob Schwenker vielleicht doch am neuen THW mit werkeln wird dürfen - oder welcher andere Klub sich einen Manager dieser Gehaltsklasse wird leisten können.

          Zuletzt monierte Schwenker, dass der Handball „ein Problem in Gänze habe“, Eishockey und Basketball hätten den Handball in der Publikumsgunst überholt. Keine Frage, dass er sich für einen geeigneten Mann hält, den Handball wieder in die richtige Spur zu bringen. Auch für einen möglichen Posten beim Deutschen Handballbund wurde Schwenker Anfang des Jahres gehandelt; dort wird im Herbst ein neues Präsidium gewählt. Allerdings zieht es Schwenker weniger zu einem Ehrenamt. Als hauptamtlichen Gestalter eines ambitionierten Bundesligaklubs sieht er sich viel eher.

          Wie es auch immer weitergeht mit Uwe Schwenker, das Schicksal seines alten Weggefährten Serdarusic dürfte ihm erspart bleiben: Vom Meistertrainer vergangener Zeiten spricht in der deutschen Trainerbranche kaum noch jemand. Und Serdarusic selbst bringt sich auch nicht ins Spiel. Das hat die beiden schon immer unterschieden.

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