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Attacke im Handball : Schwenkers pikante Abrechnung mit Kiel

  • -Aktualisiert am

Scharfe Kritik an den Kieler Verhältnissen: HBL-Chef Uwe Schwenker Bild: dpa

Der ehemalige Manager des THW Kiel attackiert seinen Nachfolger heftig. Das überrascht, ist Uwe Schwenker doch inzwischen neutraler Liga-Präsident. Sein Angriff hat einen speziellen Hintergrund.

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          Wenn Uwe Schwenker durch Kiel geht, kommt er kaum voran, so oft müsse er anhalten und Auskunft geben, sagt er. Dass er zur Krise des THW Kiel eine pointierte Meinung hat, ist allen bekannt, die sich im Handball bewegen. Dass Schwenker, der langjährige Manager der Kieler, sie aber so angriffslustig äußert wie am Sonntagabend, ist neu – hat er doch als Präsident des Liga-Verbandes HBL eine gewisse Neutralität zu wahren. Die ließ er beim Talk mit Stefan Kretzschmar im Bezahlsender „Sky“ außen vor, als er die Kieler Misere als Führungsschwäche einordnete. Im Zentrum seiner scharfen Analyse stand THW-Geschäftsführer Thorsten Storm. „Es fehlt eine Persönlichkeit, die Sport- und Fachkompetenz vereint. Es fehlt das Gesicht des THW. Da ist keiner, der Sponsoren und Fans wieder mitnimmt. Da sehe ich die großen Defizite“, sagte Schwenker. Sowohl der Sport als auch die Sponsoren fallen in Storms Zuständigkeit.

          Der 58 Jahre alte Schwenker lässt kein gutes Haar am Management des fünf Jahre jüngeren Storm. Der THW hatte sich vergangene Woche beim 27:31 in Gummersbach blamiert, in einer Phase, als Trainer Alfred Gislason die Mannschaft nach schwachem Saisonstart stabilisiert zu haben schien. Im Pokal sind die Kieler ausgeschieden, in der Liga deutlich hinter der Spitze, in der Champions League kämpfen sie um den Platz, der fürs Achtelfinale reicht. „Man hat Alfred allein gelassen“, behauptet Schwenker, „ich erkenne in den vergangenen zwei bis drei Jahren keine Entwicklung. Man hat 18 bis 20 Spieler in den eigenen Reihen, aber nur zwei bis drei Weltklassespieler.“ Schwankende Leistungen seien da nicht ungewöhnlich. Keineswegs sei Gislason der Alleinschuldige: „Es gab kein sportliches Pendant, mit dem er sich auseinandersetzen konnte.“ Zu allem Unglück sei auch noch Fußballklub Holstein als Tabellenführer der zweiten Liga erfolgreich wie nie – und das als Aufsteiger: „Eine Vielzahl Kieler Sponsoren, die vorher beim THW waren, hat Geschäftsführer Wolfgang Schwenke komplett zu Holstein geholt.“ Schwenke habe als ehemaliger THW-Profi viele Dinge „gut adaptiert“.

          Die Hintergründe zu Schwenkers Rundumschelte sind pikant. Storm hatte Anfang des Jahrtausends beim THW unter Schwenker in der Vermarktung gearbeitet, war dann 2002 nach Flensburg und 2007 zu den Rhein-Neckar Löwen gewechselt. Im spektakulären Prozess gegen Schwenker und Zvonimir Serdarusic um vermeintlich manipulierte Spiele war Storm 2011 als Zeuge der Anklage geladen. Zwei Jahre zuvor hatte Schwenker sein Amt beim THW im Zuge der Vorwürfe niederlegen müssen. Als Storm im November 2014 Geschäftsführer in Kiel wurde, schimpfte Schwenker über diese unsensible Entscheidung der THW-Führung: „Er hat uns im Prozess mit Dreck beworfen.“ Ob die jüngste Kritik an Storm Schwenkers „Rache“ ist?

          Auch die Beziehung zu seinem gleichaltrigen Trauzeugen Gislason ist beschädigt, weil Schwenker ihm offenbar übelnimmt, mit Storm zu arbeiten. Dementsprechend skeptisch sieht Schwenker die Bemühungen des THW, sich personell zukunftsträchtig aufzustellen. Klar ist schon, dass am 1. Januar mit Viktor Szilagyi, 39 Jahre alt, ein Sportchef kommen wird; ein neu geschaffener Posten für den ehemaligen Kieler Handballprofi. Storms Vertrag wurde im gleichen Zuge bis 2021 verlängert. Er soll sich fortan nur noch um das Marketing, das Image und die Sponsoren kümmern. Aus Handballkreisen ist zudem zu hören, dass Filip Jicha (35 Jahre) auf Gislason folgen könnte, wenn dessen Vertrag im Sommer 2019 ausläuft. Dazu sagt Schwenker: „Es ist die Frage, ob man nur etwas für die Optik oder Kosmetik tun, indem man alte Gesichter zurückholt. Filip und Viktor sind große Spieler, aber man muss sehen, ob sie etwas auf den Weg bringen können.“

          Es klingt, als vermisse Schwenker beim THW Kiel alles, wofür er zwischen 1992 und 2009 stand. Vieles davon mag richtig sein. Storm und Gislason mussten in ihren gemeinsamen drei Jahren ein neues Team bauen. Doch der Plan dafür war nur in Ansätzen zu erkennen. Es drängt sich allerdings der Verdacht auf, dass Schwenker sich nun allzu deutlich ins rechte Licht rückt und seine Verdienste aufzählt, um den THW knapp sechs Jahre nach seinem Freispruch vor dem Kieler Landgericht selbst zu alter Stärke zu führen. Er erlebe es täglich, dass Kieler ihn fragten, wann er zurückkehre. Wird er? „Da müssten einige Personen über ihren Schatten springen“, sagt Schwenker. Aus der aktuellen Vereinsführung wird nach diesen Sätzen niemand auf ihn zugehen. Es brauchte eine Kieler Revolution, um Schwenker wieder an die Macht zu hieven.

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