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Uwe Hück : Straßenköter gegen Meisterboxer

Im Training: Uwe Hück (l.) bereitet sich vor Bild: Michael Eder

Porsche-Betriebsrat Uwe Hück ist ein Kerl wie ein Baum und ein sozialer Wüterich. Luan Krasniqi war Box-Europameister und ist ein Kopfmensch. Für einen guten Zweck steigen die beiden in den Ring. 

          Wenn man in Zuffenhausen in Uwe Hücks Büro sitzt und aus dem Fenster schaut hinüber auf den Porscheplatz, blickt man in alldem Gewusel auf eine Hochhausfront und auf ein 50 Quadratmeter großes Plakat, auf dem ein Boxkampf angekündigt wird. Zwei Gesichter, zwei Fighter in der üblichen Pose. Uwe Hück gegen Luan Krasniqi an diesem Samstagabend in der Ludwigsburger MHP-Arena. „Ich habe es schon immer unauffällig gemocht“, sagt Hück, der 51 Jahre alte Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates und stellvertretende Aufsichtsratschef von Porsche. Luan Krasniqi, der 42 Jahre alte ehemalige Schwergewichts-Europameister, der ein paarmal knapp am WM-Titel vorbeigeschrammt ist, sitzt mit am Tisch. „Ja klar“, sagt er. „so unauffällig wie das Plakat da drüben.“

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Uwe Hück ist eine große Nummer in der deutschen Wirtschaft, aber er ist auch ein etwas anderer Topmanager. Er ist kein kühler Macher, er ist mehr die Axt im Walde. Seine Wutausbrüche sind legendär, seine Reden manchmal am Rande des Erträglichen, und wem er die Hand drückt, bei dem lässt der Schmerz nur langsam nach. Ein Kerl wie ein Baum, rasierter Schädel, 100 Kilo schwer, aufgewachsen in Erziehungsheimen, Boxer, Europameister im Thaiboxen vor 25 Jahren, Ausbildung zum Lackierer, ein sozialer Wüterich, der für die Belegschaft kämpft und für Problemkinder, der ehrenamtlich Jungs im Thaiboxen unterrichtet, der eine Lernstiftung gegründet hat, der selbst fünfmal die Woche trainiert, ohne Pause, seit Jahrzehnten. Hück ist einer, der nichts vergessen hat, einer, der es nach oben geschafft hat, ohne seine Wildheit, seinen Hunger, seine Wut unterwegs irgendwo zu verlieren. Ein Straßenköter sei er, sagt er gern. Ein Straßenköter in der Chefetage.

          Luan Krasniqi war Schwergewichtsboxer. Ein Schwabe aus Rottweil, der 1987, mit 16 Jahren, nach Deutschland kam und es mit Fleiß und Zähigkeit bis zum Abitur schaffte. Krasniqi ist ein harter Mann, der sich durchs Leben geschlagen hat. Ein kluger Mann. Einer, der mit weicher Stimme Sätze sagt wie diesen: „Profiboxen ist eine Disziplin am Rande des Sports. Es gibt Leute, die sagen, ich gehe in den Ring, und wenn es sein muss, dann sterbe ich dort. Das ist nicht meine Art zu kämpfen. Ich gehe nicht in den Ring, um zu sterben. Ich gehe in den Ring, um zu gewinnen. Ich habe Mittel. Ich habe eine Taktik. Ich bin ein Kopfmensch.“

          Ein Bauchmensch

          Hück ist anders. Hück ist ein Bauchmensch. Einer, der mit Hurra in den Kampf zieht, immer nach vorn, nie zurück. Der kämpft um des Kampfes willen. „Ich habe noch nie Angst vor einer Niederlage gehabt“, sagt er. „Ich schwitze, ich blute, aber ich heule nicht. In den Ringpausen muss man mich anketten.“ Was sich anhört wie das einstudierte Getue vor vielen Profikämpfen, meint er ernst. Der Charity-Kampf gegen Krasniqi, verspricht er, werde kein Spaß, nicht für ihn und nicht für seinen Gegner. Seit einem dreiviertel Jahr bereitet er sich vor. Mit einem eigenen Coach und mit der Berliner Trainerlegende Ulli Wegner, der ihn regelmäßig besucht. „Wir werden unseren Job machen“ sagt Hück. „Arthur Abraham zum Beispiel hat seinen Job nicht gemacht in seinem letzten Kampf. Er war wie ein Fußballspieler, der nicht mehr bereit ist zu grätschen. Aber die Leute zahlen Geld, um einen Kampf zu sehen, bis zu 590 Euro bei uns. Wir nehmen das ernst, sehr ernst, wir machen das professionell. Ich komme von der Straße, das darf man nicht unterschätzen, ich habe gelernt zu kämpfen. Ich mache mir keine Gedanken darüber, dass ich Schrammen bekommen könnte.“

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