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Usain Bolt : Solo für den Superblitz

  • -Aktualisiert am

Die Konkurrenz für Usain Bolt bei der WM in Moskau ist überschaubar Bild: dpa

Tanzen in der City, Faxen für die Fans, Schweigen in der Presse: Die Usain-Bolt-Show eröffnet die Leichtathletik-WM in Moskau. Zutritt zum Planeten Bolt hat längst nicht jeder - die Kritik wird lauter.

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          Viel zu sagen hat er in diesen Tagen nicht, der Meister der großen Worte. Jedenfalls ist er mit öffentlichen Auftritten in Moskau viel sparsamer als sonst vor Großereignissen. Er mag sie wahrscheinlich nicht mehr, diese ewig gleichen Fragen nach Doping und der Glaubwürdigkeit. Dazu musste Usain Bolt ja schon in London bei den Anniversary Games ausführlich Stellung nehmen.

          Was in dem bislang unwiderlegten Satz gipfelte: „Ich bin sauber.“ Und quasi als persönlichen Nachweis warf er sein unbestritten außergewöhnliches Talent in die Waagschale. „Ich habe schon immer große Dinge getan, seit ich 15 Jahre alt bin.“ Was gibt es da noch zum Thema Doping in eigener Sache zu sagen? Also haben Usain Bolt und sein Management beschlossen, sich so kurz vor Beginn der Leichtathletik-Weltmeisterschaften zwar in der Öffentlichkeit zu zeigen, ohne aber groß Stellung beziehen zu müssen.

          Für die Fans hat Bolt bei der Jamaika-Party vor ein paar Tagen in der Moskauer City ein Tänzchen hingelegt, ein paar seiner üblichen Faxen gemacht - und sein Charisma kommt in Russland genauso an wie im Rest der Welt. Und Fans fragen ja keine blöden Sachen, die wollen Autogramme oder ein Foto mit dem Superstar.

          Die Einladung zum öffentlichen Training der Jamaikaner war auch nicht dazu angetan, ins Detail zu gehen. Zumal der Olympiasieger, Weltmeister und Weltrekordhalter da sein spezielles Timing hatte. Ein bisschen dehnen, ein paar Starts, ein lockerer Sprint, dann ab auf die Massage-Bank, und bevor man den schnellsten Mann der Welt hätte greifen können, war er auch schon wieder weg. „Ich muss mich konzentrieren, aber ich bin bereit.“ Mehr ließ er sich nicht entlocken.

          „Usain Bolt ist sauber“

          Bolt will in Moskau Taten sprechen lassen und den anderen das Reden überlassen. Auf seinen obersten Boss kann er sich getrost verlassen. Lamine Diack, der Präsident des Internationalen Leichtathletik-Verbandes, fühlte sich bemüßigt, seinem schnellsten und wichtigsten Pferd im Stall öffentlich eine blütenweiße Satteldecke zu bescheinigen.

          „Usain Bolt ist sauber“, behauptete der 80 Jahre alte Senegalese - und dehnte das auch großzügig auf die meisten Sprinter aus, die unter zehn Sekunden laufen sollen im 100-Meter-Finale an diesem Sonntag (19.50 Uhr MESZ). Als habe es die positiven Fälle Tyson Gay und Asafa Powell nie gegeben. Als wäre es keine Tatsache, dass acht der Top-Ten-Sprinter in der ewigen Weltbestenliste irgendwann mal erwischt worden sind. Aber natürlich: Usain Bolt ist nicht darunter. Er ist noch nie positiv getestet worden. Er ist unbescholten.

          „Ich bin sauber“ - sagt Usain Bolt
          „Ich bin sauber“ - sagt Usain Bolt : Bild: REUTERS

          Aber längst nicht mehr unumstritten. Und die Stimmen mehren sich. „Wenn man eins und eins zusammenzählt, dann ist es schon verwunderlich, dass ausgerechnet der Schnellste sauber sein soll“, sagt beispielsweise Bolts deutscher Kollege Julian Reus, der sich vor einer Woche in Weinheim auf 10,08 Sekunden verbessert hat. Für ihn eine Wahnsinnzeit.

          Aber zu Bolts Weltrekord fehlt da immer noch genau eine halbe Sekunde - eine andere Liga, eine andere Welt. „Es ist schon komisch, wenn man sieht, dass einem jemand fünf, sechs Meter auf 100 Meter abnimmt, wo man doch selbst so viel ins Training investiert“, sagt Reus, der in Moskau auf eine ähnliche Leistung hofft wie in Weinheim. Aber Bolt, das ist für ihn ein Mann von einem anderen Planeten, zu dem er selbst keinen Zutritt hat.

          „Einer der größten Sportmänner“

          Der Superstar der Leichtathletik, der die olympische Kernsportart 2008 aus dem öffentlichen Abseits ins Rampenlicht zurückgeholt hat, ist tatsächlich längst in anderen Sphären unterwegs. Sportlich sowieso, aber auch ökonomisch. Sein Auftritt bei den Anniversary Games vor knapp zwei Wochen hat dem Jamaikaner rund 500.000 Pfund in die Kasse gebracht.

          Damit der Star der Olympischen Spiele auch dem Jahrestag nacholympischen Glanz verleiht, hat sogar der britische Finanzminister George Osborne die strengen Steuergesetze im Königreich außer Kraft gesetzt - durchaus eine Lex Bolt. Es gibt nicht viele Sportler, denen sich sogar die Politik beugt. Und sei es auch nur zeitweise.

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