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Milliardär Mark Cuban : Demnächst amerikanischer Präsidentschaftskandidat?

  • -Aktualisiert am

Im Fokus: NBA-Teambesitzer Mark Cuban Bild: USA TODAY Sports

Er ist ein 5,6 Milliarden Dollar reicher Optimist ohne diplomatisches Gespür: Der Eigentümer des Basketballteams Dallas Mavericks liebt kesse Gedanken. Jüngst polarisierte er mit einer Überlegung zur amerikanischen Nationalhymne.

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          Es hat in der Gründergeneration der Software-Revolution der letzten Jahrzehnte nur eine Handvoll Figuren gegeben, die sich stark ins öffentliche Bewusstsein eingeprägt haben. Es waren hauptsächlich jene, die die Welt mit innovativen Produkten und intelligenten Dienstleistungen umgekrempelt haben. Aber ein Platz im Pantheon lässt sich auch anders ergattern. Man nehme Mark Cuban, mit 5,6 Milliarden Dollar einer der 400 reichsten Menschen auf dem Erdball. Seine Kunst ähnelt der eines Katalysators, der zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle auftaucht, um zu investieren.

          Wie im Januar 2000, als er mit den Dallas Mavericks die sportlich schlechteste Truppe in der NBA erwarb. Das Risiko war gering, die notwendige Summe hatte er auch: Die hatte er kurz zuvor auf dem Höhepunkt der dot.com-Blase eingespielt, als er das von ihm auf die Beine gestellte Internetradio-Unternehmen Broadcast.com verkaufte. Obendrein gehört er seit einem Jahrzehnt zu den agilen Anlegern, die in der Fernsehsendung „Shark Tank“ Firmengründern unter die Arme greifen. Sein Engagement dort geht querbeet durch viele Branchen und beläuft sich auf knapp 20 Millionen Dollar.

          Mit Dirk Nowitzki als überragendem Spieler stand das Team 2006 in der Finalserie und gewann 2011 den Titel. Der Würzburger verdiente hervorragend. Cuban allerdings noch sehr viel mehr. Seine Investition von 285 Millionen Dollar ist heute mehr als zwei Milliarden Dollar wert.

          134 Millionen Dollar Minus

          Weshalb der 62-Jährige neulich in der für ihn typischen, unverblümten Art erklärte, die Mavericks würden das vom Corona-Virus verursachte Minus von 134 Millionen Dollar locker verschmerzen: „Zum Glück befinde ich mich in einer Position, dass ich mir das leisten kann“, sagte er. Kein Klubangestellter musste stempeln gehen. Die Haltung gehört zu einer Mischung aus autokratischem Managementgebaren, einer aneckenden Art, mit der er eingefahrene Geschäftspraktiken in Frage stellt und ungebrochenem Optimismus, mit dem er beharrlich seine Umgebung impft. An Dirk Nowitzki hielt er noch fest, als der den Verschleiß aus zwanzig Profi-Jahren längst nicht mehr verbergen konnte.

          Auch Manager Don Nelson und Trainer Rick Carlisle haben bei den Mavericks so etwas wie Lebensstellungen. Aber wenn ihm zwischendurch die Hutschnur reißt, sieht man, woran es Cuban fehlt: an diplomatischem Gespür. Das war schon so, als er sich lauthals über die Schiedsrichterleistungen in der NBA beklagte und der Liga vorwarf, sie manipuliere die Resultate, um bestimmte Teams zu bevorteilen. Seine Kritikbereitschaft kostete ihn im Laufe der Jahre mehr als insgesamt 3 Millionen Dollar: die von der NBA verhängten Bußen. Vermutlich kostete sie sein Team auch 2006 den Titel, als die Mavericks nach einer 2:0-Führung die Serie gegen die Miami Heat auf dubiose Weise verloren. Auch sein jüngster Vorstoß wirkt eher ungeschickt.

          Cuban hatte im Laufe der vergangenen Woche zugegeben, dass die Mavericks in aller Stille ein Ritual des amerikanischen Profisports ausrangiert hatten: die Nationalhymne vor jedem Heimspiel. Seine Überlegung: Seit den ersten Protestaktionen schwarzer Football-Profis im Herbst 2016 wurde das Zeremoniell zu einem Symbol für eine von oben aufgezwungene patriotische Demonstration, die nicht allen Athleten behagt: „Wir haben schon immer die Leidenschaft von Menschen für die Hymne und unser Land respektiert und werden das auch weiter tun“, sagte Cuban. „Aber wir hören auch die Stimmen all jener, die das Gefühl haben, dass diese Hymne sie nicht repräsentiert. Man muss sie genauso respektieren und ihre Ansichten anhören.“

          Die Liga, im Kontrast zu anderen eine fortschrittliche Institution des amerikanischen Sports, fürchtete jedoch angesichts des gespannten politischen Klimas und coronabedingter wirtschaftlicher Verluste einen Bumerangeffekt. Sie pfiff den Querdenker Cuban am Mittwoch zurück. Die Hymne, eine Ode an die Nationalfahne, genannt „Star-Spangled Banner“, wird nicht eingemottet. Von Cuban werden wir auch noch in Zukunft hören. Der spielt seit einiger Zeit mit einem noch kesseren Gedanken: mit einer Kandidatur für das Amt des amerikanischen Präsidenten.

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