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US Open : Roddicks Ende, Federers Aus

  • -Aktualisiert am

Tränen zum Abschied: Der Amerikaner Andy Roddick verliert sein letztes Spiel in Flushing Meadows Bild: AFP

Die Neuauflage des Wimbledon-Finals und des Olympia-Endspiels ist geplatzt. Im Viertelfinale der US Open scheitert Roger Federer am Tschechen Tomas Berdych. Seinen letzten Auftritt auf der großen Tennis-Bühne verliert Andy Roddick in vier Sätzen.

          Es war Regen vorhergesagt für New York, doch das einzige, was am Mittwoch im Arthur-Ashe-Stadium feucht wurde, waren Augen. Am Nachmittag flossen die Tränen, bei Andy Roddick auf dem Platz und bei seiner Entourage auf der Tribüne, als er von Juan Martín del Potro aus dem Grand-Slam-Turnier geworfen und damit zugleich in den Ruhestand verabschiedet wurde.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Amerikaner rang schon bei seinem letzten Aufschlagspiel um Fassung, während seine Frau Brooklyn oben in der Box minutenlang schluchzte und sich die verheulten Augen rieb. „Überwältigend“ sei das Gefühl gewesen, sagte der Dreißigjährige später, nachdem 20.000 Zuschauer ihren Liebling nach der 7:6 (7:1), 6:7 (4:7), 2:6, 4:6-Niederlage ein letztes Mal hatten hochleben lassen. „Ich habe viele Dinge erlebt, die dieses Spiel bereithält, aber dieses Gefühl ist völlig neu.“

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          Später, als der Uhrzeiger gegen Mitternacht ging, wurden viele Blicke wieder verschwommen von Wehmut. Nachdem Roger Federer ein letztes Mal seine Vorhand ins Netz geschlagen hatte, hieß es ein zweites Mal an diesem Tennistag Abschied nehmen von einem, den sie in New York lieben. Diesmal nicht für immer, sondern, wenn alles gut geht, nur für ein Jahr, bis zu der nächsten Auflage der US Open. Doch Federers Ausscheiden war noch viel schwerer zu fassen, kam es doch, anders als Roddicks angekündigtes Karriere-Ende, wie aus heiterem Himmel.

          „Ich hätte mit Tonnen von Energie herkommen müssen und bereit sein fürs Weiterkommen“, sagte der Weltranglistenerste, der als Favorit in die US Open gegangen war, aber im Viertelfinale am Tschechen Tomas Berdych scheiterte. „Das ist eine große Enttäuschung für mich. Ich hätte mehr tun müssen und habe kein gutes Spiel gemacht“, sagte der Schweizer, der seiner Neigung widerstand, Niederlagen etwas schöner zu reden. Er muss seine erfolgreiche Jahresbilanz von sechs Turniersiegen nun andernorts aufbessern.

          Gedanken an Federer-Dämmerung wäre verfrüht

          Roger Federer war angetreten, das Grand-Slam-Turnier zum sechsten Mal zu gewinnen und damit einen weiteren Rekord aufzustellen. Die Voraussetzungen schienen die besten, kam der Einunddreißigjährige doch mit dem Wimbledonsieg, der olympischen Silbermedaille und dem Masters-Erfolg in Cincinnati nach New York. Und auch in Flushing Meadow hatte er sich souverän durch die ersten drei Runden gespielt, ehe sein amerikanischer Gegner Mardy Fish wegen gesundheitlicher Probleme nicht zum Achtelfinale antreten konnte. Der lockere Durchmarsch, mutmaßte Federer nach dem 6:7 (1:7), 4:6, 6:3 und 3:6 gegen Berdych, habe ihm womöglich geschadet. „Vielleicht hätte mir ein Sieg gegen Fish mehr Selbstvertrauen gegeben, was die ersten drei Matches nicht taten.“

          Auch wenn der Großmeister gegen Berdych, der im Halbfinale auf den Schotten Andy Murray trifft, nur im ersten und dritten Satz vorübergehend seine gewohnte Klasse zeigte: Es scheint verfrüht, nun abermals eine Federer-Dämmerung heraufziehen zu sehen. Zwar hat der Grand-Slam-Rekordtitelträger erstmals seit 2003 den Einzug ins Halbfinale der US Open verpasst. Doch seine Spielweise, die wieder offensiver und weniger am jeweiligen Gegner orientiert ist, dürfte der Konkurrenz noch eine ganze Weile Kopfzerbrechen bereiten. Dass sich der Weltranglistensechste Berdych, der Federer vor zwei Jahren auch schon das Wimbledon-Turnier verdorben hatte, an besten Tagen vor keinem der großen Vier fürchten muss, hat er mehrmals bewiesen.

          „Er hat gewonnen, weil er heute vielleicht mehr investiert hat als ich“, sagte Federer. „Ich habe einige Bälle verschlagen, aber das ist normal.“ 40 unerzwungene Fehler, fast doppelt so viele wie der tschechische Haudrauf, sind allerdings eher ungewöhnlich für den Schweizer.

          Wie soll es weitergehen

          Den ersten Satz gab er aus der Hand, als er ein frühes Break zum 1:0 verspielte. Als er den zweiten Durchgang verloren hatte und im dritten 1:3 hinten lag, schien die Niederlage schon ausgemacht. Doch fünf Spielgewinne in Folge brachten Federer, vom frenetischen bis unfairen Publikum zu alter Klasse getragen, zurück ins Spiel. „Dieser Verlauf gab mir zweifellos die Chance, den Spielstand wieder auf null zu stellen.“ Doch Berdych ließ nicht nach, durchbrach den Service seines Gegenübers zum 5:3 und gab danach keinen Punkt mehr ab. „Wenn ich in der Lage bin, mein gefährliches Spiel aufzuziehen, dann kann ich damit jeden schlagen“, sagte der Sechsundzwanzigjährige, der für die Zuschauer ebenso zum Spielverderber wurde wie zuvor der Argentinier del Potro.

          Roddick weg, Federer raus – wie soll es weitergehen für die New Yorker, wenn Rafael Nadal erst gar nicht anreisen konnte und ihnen jetzt auch noch ihre Lieblinge abhanden kamen? Roger Federer fand für sich eine Lösung, den traurigen Tag bei den US Open zu bewältigen: „Akzeptieren, abhaken, nach vorne schauen.“ Trotz seiner Niederlage bleibt er die Nummer eins der Weltrangliste.

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