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US Open : Im New Yorker Regen stehen gelassen

  • -Aktualisiert am

Nass: Das Arthur-Ashe-Stadion Bild: dapd

Tennisprofis wie Rafael Nadal monieren bei den US Open die gefährlichen Kurzauftritte auf rutschigem Boden. Der Veranstalter sieht noch keine Terminprobleme - die Damen könnten auch zwei Matches am Tag bestreiten.

          Rafael Nadal kam mit Verspätung aus der Kabine. Acht Minuten musste Gilles Muller am Mittwochmittag allein im Arthur Ashe Stadium warten, ehe der spanische Tennisprofi zum Achtelfinal-Match der US Open erschien. Der Mallorquiner entschuldigte sich bei dem Luxemburger, begründete die Verzögerung mit dem Anlegen eines Tape-Verbandes. Dass diese Aktion ein stiller Protest gegen die Zumutung war trotz Sprühregens die Partie zu beginnen, wurde schnell deutlich – nicht nur weil der Weltranglistenzweite ungewohnt fehlerhaft agierte und bis zum Abbruch 0:3 gegen den Außenseiter zurücklag.

          Als der Niederschlag stärker wurde und Oberschiedsrichter Brian Earley auf dem Platz erschien, machte Nadal seinem Ärger über die unsinnige Spielansetzung Luft: „Es ist immer dieselbe Geschichte. Ihr denkt nur ans Geld!“ Auch die Kollegen Andy Murray (1:2 gegen den Amerikaner Donald Young) und Andy Roddick (3:1 gegen den Spanier David Ferrer) ärgerten sich, dass sie nach dem komplett ins Wasser gefallenen Dienstag für viertelstündige Kurzauftritte auf rutschige Plätze geschickt wurden, die ihre Gesundheit gefährdeten. Und das nur, weil es die Fernsehsender leid waren, Matches vergangener Jahre zu zeigen.

          Die drei Herren marschierten in seltener Harmonie gemeinsam ins Büro von Earley. „Wir können solche Dinge nicht akzeptieren. Wir müssen darum kämpfen, dass wir das Recht haben zu sagen, wenn es regnet, gehen wir nicht auf den Platz“, sagte Nadal. Die deutlichen Worte hatten Erfolg: Die Kurzauftritte blieben die einzigen sportlichen Aktivitäten an diesem Tag, an dem sich Sprüh- ständig mit Nieselregen abwechselte.

          Deutlich: John McEnroe

          Zwar zögerten die Offiziellen lange, bis man sich entschloss, erst die „Day Session“ und später auch die Abendveranstaltung, in der die Viertelfinal-Matches der Damen, darunter die Partien von Andrea Petkovic gegen Caroline Wozniacki und Angelique Kerber gegen Flavia Pennetta, ausgetragen werden sollten, abzusagen. Am Donnerstag sollten die unterbrochenen Spiele fortgesetzt und die abgesagten Partien ausgetragen werden – sofern es das Wetter zuließ.

          Zwei Matches an einem Tag?

          Da der Wetterbericht auch für den Rest der Woche ziemlich trübe aussieht, wird dieses Grand-Slam-Turnier für die Spieler nicht nur zu einer nervlichen Tortur mit stundenlangem Warten, ob nun gespielt wird oder nicht. Falls an den letzten vier Tagen der Veranstaltung alle noch ausstehenden Matches ausgetragen werden können, müsste der Herren-Finalist aus der unteren Hälfte der Auslosung an vier Tagen vier Matches bestreiten, laut John McEnroe, der als Fernseh-Kommentator stets deutlich seine Meinung sagt, eine „unmenschliche Belastung“.

          Sauer: Rafael Nadal

          Turnierdirektor Jim Curley indes hält dies für zumutbar, er schloss sogar nicht aus, dass bei weiteren Wetterstörungen die Damen zwei Matches an einem Tag zu bestreiten hätten. Noch hofft der veranstaltende amerikanische Tennisverband (USTA), dass das Turnier nicht wie in den vergangenen drei Jahren wieder erst am Montag beendet werden kann. Ein Finale am Montag mindert den auf rund 200 Millionen geschätzten Gewinn der USTA. Profitennis ist eben, wie Nadal richtig erkannte, ein Riesengeschäft.

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