https://www.faz.net/-gtl-13tdj

US Open : Haas scheidet als letzter Deutscher aus

Auf Wiedersehen New York: Thomas Haas schaut nach seinem Drittrundenaus von Florida aus zu Bild: AP

Das Achtelfinale des Grand-Slam-Turniers in Flushing Meadows findet wie im Vorjahr ohne deutsche Beteiligung statt. Nach Philipp Kohlschreiber scheiterte auch Thomas Haas in der dritten Runde.

          3 Min.

          Wie oft wird er an diese Partie noch denken in den nächsten Tagen und vielleicht sogar später, wenn die Karriere beendet ist? „Das ist nicht einfach, so ein Spiel zu verdauen“, sagte Tommy Haas, so ein Spiel, das er hätte gewinnen können, ja vielleicht sogar müssen. Aber er hatte eben 6:3, 5:7, 6:7 (8:10), 6:1 und 4:6 verloren, und am Ende jubelte der andere. Während Haas nach den knapp vier Stunden, die sie da zusammen auf dem Platz verbracht hatten, schnell seine Tasche schulterte und rasch verschwand, lief Fernando Verdasco eine kleine Ehrenrunde, ließ sich feiern und warf den jubelnden Fans ein paar Utensilien zu. Für den Deutschen war diese Drittrundenpartie eine verpasste Chance, bei den US Open weit zu kommen, und mit seinen 31 Jahren bleiben ihm nicht mehr viele. „Es gibt so viele Höhen und Tiefen in diesem Sport“, sagte Haas, „es ist nicht leicht, damit umzugehen.“

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Vor allem nicht nach so einem Spielverlauf, den selbst Verdasco als kurios empfand. Nach dem gewonnenen ersten Satz hatte sich Haas im zweiten Durchgang beinahe in jedem Aufschlagspiel des spanischen Weltranglistenzehnten eine Breakchance erspielt, aber er konnte zunächst keine nutzen. Dann aber war es ihm vierten Anlauf doch gelungen, er schlug beim Stand von 5:4 zum Satzgewinn auf - und verlor den Durchgang noch 5:7. Ganz ähnlich war auch der dritte Satz verlaufen, als Haas nach dem Break zum 5:4 wieder zum Satzgewinn aufschlug - und wieder scheiterte. Im Tiebreak ging dieser dritte Durchgang dann verloren, in dem Haas den ersten Satzball hatte, ehe Verdasco seine insgesamt dritte Chance schließlich zum 10:8 nutzte.

          „Ich habe alles gegeben, alles versucht, und deshalb muss ich auch das Positive sehen“ sagt Haas. Beim Aufarbeiten dieser Niederlage darf er sich zugute halten, dass er nach diesen beiden Sätzen nicht zerbrochen ist, dass er es tatsächlich schaffte, alles auszublenden und so weiter zu machen, als sei nichts geschehen. Wie es anders herum geht, hatte ein paar Stunden zuvor der Augsburger Philipp Kohlschreiber vorgemacht, der bei seiner 6:4-, 2:6, 3:6- und 3:6-Niederlage gegen den Tschechen Radek Stepanek zwar stark begonnen hatte und dessen Spiel nach dem ersten Rückschlag aber in seine Einzelteile zerfallen war.

          Unerklärliche Schwächen: Thomas Haas beim Spiel gegen Verdasco
          Unerklärliche Schwächen: Thomas Haas beim Spiel gegen Verdasco : Bild: dpa

          Wende in Satz fünf

          So kann es gehen, so war es Haas nicht ergangen, weil er es nicht zugelassen hatte. „Mental war ich bereit“, sagte er. Und wie bereit er gewesen war. Im vierten Satz wurde Verdasco überrollt, ein Break, noch ein Break, „und dann war der Satz gelaufen“, wie der Spanier hinterher meinte. Nach dem 6:1 hatte nun wieder viel für den Deutschen gesprochen, der auch im fünften und entscheidenden Durchgang zunächst wie gehabt weitergemacht hatte. Haas nahm Verdasco gleich den Aufschlag ab, führte 2:0 und 3:1 - aber auch dieser Satz sollte schließlich noch eine Wende nehmen. „Ein paar Fehler, eine paar falsche Entscheidungen hier und da, etwas Pech und ein paar unmenschliche Schläge von ihm, und dann hat man plötzlich verloren“, sagte Haas. „Das ist verdammt hart.“

          Vielleicht hilft es ihm, dass er in diesem Jahr trotzdem mehr erreicht hat, als er zu Saisonbeginn erwarten durfte. Er gehört wieder zu den 20, 25 besten Spielern der Welt, seine Spielstärke ist überall in der Branche anerkannt. „Er variert sein Spiel unheimlich, man weiß nie, was als nächstes kommt“, sagte Verdasco.

          Nun Fernsehabende in Florida

          Haas weiß das schon. Er wird sich den Rest der US Open zuhause in Florida am Fernseher anschauen, anschauen müssen. Lieber wäre er noch einmal auf einen der großen Plätze angetreten, die nächste Runde hätte sicherlich einen Auftritt im Arthur-Ashe-Stadion garantiert. Aber er gehört wieder zu denen, vor dem sich jeder auf der anderen Seite des Netzes in Acht nehmen muss, und das bedeutet viel, wenn man wie Haas drei Schulteroperationen hinter sich hat. „Natürlich machen solche Spiele trotz allem einen Riesenspaß, natürlich macht dieser ganze Job mehr Freude, wenn ein gewisser Erfolg da ist“, sagt Haas.

          Und natürlich wird es ihm helfen, an die anderen Tage zu denken, als der Körper nicht mitmachte, als Operationen anstanden und manchmal „kein Bock mehr da war, überhaupt noch weiterzumachen“. Er hat sich wieder zurück gekämpft, ist beim Halbfinaleinzug in Wimbledon sogar noch einmal in das große Rampenlicht zurückgekehrt. „Da bekommt man natürlich neue Lust, solange wie möglich weiter zu machen“, sagt Haas. Aber bis zum nächsten Grand-Slam-Turnier im Januar dauert es noch ein bisschen. Diese Niederlage bekommt viel Zeit, an ihm zu nagen. Denn trotzdem war es eine verpasste Chance. Vielleicht bekommt er noch einmal eine neue.

          Weitere Themen

          „Er hat starke Schmerzen“

          Sorge um Hummels : „Er hat starke Schmerzen“

          Dortmund steht im Achtelfinale der Champions League. Die Laune aber nach dem 1:1 gegen Lazio ist schlecht. Das liegt am Ärger über den Schiedsrichter – und der äußerst unglücklichen Verletzung des Abwehrchefs.

          Topmeldungen

          Wachstumsgeschichte: Die Eschborner „Skyline“ entstand nach dem neuen Rathaus und der „kleinen Ortsumgehung“ Rödelheimer Straße.

          Eschborn : Vom „armen Kaff“ zur Boomtown

          Ein Trip durch Amerika war der Ausgangspunkt für den Aufstieg des kleinen Frankfurter Nachbarn Eschborn. Ein Mann hat maßgeblich dafür gesorgt, dass aus einem Dorf eine wohlhabende Kommune geworden ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.