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US Open : Büffeln nach der Lehrstunde

  • -Aktualisiert am

Nichts zu machen: Andrea Petkovic hatte nicht den Hauch einer Chance Bild: AFP

Nach 67 Minuten ist Andrea Petkovic im Achtelfinale der US Open gegen die Russin Wera Swonarewa ausgeschieden. Doch schon wartet die nächste Herausforderung auf die Darmstädterin: Eine Klausur über „deutsche und europäische Verfassungsgeschichte.“

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          Andrea Petkovic hatte es eilig, in ihr anderes Leben zu kommen. Schnell packte sie die Schläger in die Tasche, ergriff das Handtuch und verschwand mit gesenktem Kopf und ohne Gruß ins Publikum aus dem New Yorker Arthur-Ashe-Stadium. Ihr erster Auftritt in der größten Tennisarena der Welt hatte gerade einmal 67 Minuten gedauert, aber so ganz ungelegen kam der letzten deutschen Teilnehmerin die 1:6 und 2:6-Niederlage gegen die Russin Vera Swonarewa nicht.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Denn daheim in Darmstadt wartet schon die nächste Herausforderung auf die Berufsspielerin, die nebenbei Politikwissenschaft studiert: Einen Tag nach ihrem 23. Geburtstag an diesem Donnerstag muss sie eine Klausur schreiben - „deutsche und europäische Verfassungsgeschichte“ lautet das Thema. Statt sich lange mit der Tennis-Lehrstunde im Achtelfinale der US Open aufzuhalten, werde sie so schnell wie möglich nach Hause reisen, „drei Tage und drei Nächte“ büffeln und versuchen, „den anderen Teil meines Lebens in die richtige Richtung zu lenken“.

          Auf die sportliche Prüfung am Montag vor knapp 15.000 Zuschauern war Andrea Petkovic ungenügend vorbereitet. Bis Mitte des zweiten Satzes war sie nervös, ihre Beine waren entsprechend schwer. Gerade einmal elf Punkte gelangen der 38. der Weltrangliste im ersten Durchgang, und die russische Wimbledon-Finalistin dieses Sommers hatte leichtes Spiel gegen ihre überforderte Gegnerin.

          Handtuch geworfen in New York: Andrea Petkovic hatte nur 67 Minuten Spielzeit auf dem großen Platz

          Wenigstens kein Kreuzbandriss

          Zwar sei sie „wie mit Scheuklappen“ ins Stadion gegangen, um sich nicht ablenken zu lassen, sagte Andrea Petkovic, die ihre ersten beide Matches auf den kleineren Showcourts vor weniger Zuschauer gewonnen hatte: „Aber am Anfang war ich überwältigt.“ Beim letzten Mal, als sie auf so großer Bühne aufschlug, sei ihr bei den Australian Open 2008 das Kreuzband gerissen.

          Vera Swonarewa, die in der zweiten Runde schon die Berlinerin Sabine Lisicki besiegt hatte, genügte zwar ein solides Spiel zum Einzug ins Viertelfinale. Trotzdem mochte sich Andrea Petkovic nicht über das abrupte Ende ihrer amerikanischen Traumreise grämen. Weil sie sich nervenstärker präsentierte als noch in der Frühphase dieser Saison und in New York zwei enge Dreisatzmatches gegen höher eingestufte Konkurrentinnen gewann, hätten ihr die US Open „sehr viel Selbstvertrauen für die Zukunft gegeben. Ich weiß, dass ich solche Spielerinnen schlagen kann, wenn ich ich selbst bin.“ Wenn die Pendlerin zwischen den Berufswelten alle ihre Lektionen so gut lernt, muss der Studentin um die kommende Klausur nicht bange sein.

          Federer trifft nun auf Angstgegner Söderling

          Roger Federer steht derweil erwartungsgemäß im Viertelfinale. Der Grand-Slam-Rekordsieger aus der Schweiz bezwang am „Labour Day“ den Österreicher Jürgen Melzer in 2:03 Stunden mit 6:3, 7:6 (7:4), 6:3. Nächster Gegner des an Position zwei gesetzten Federer ist Robin Söderling (Schweden), der sich im Achtelfinale mit 4:6, 6:3, 6:2, 6:3 gegen Albert Montanes aus Spanien durchsetzte. Federer hatte Anfang Juni bei den French Open in Paris eine seiner bittersten Niederlagen gegen den Weltranglisten-Fünften Söderling kassiert.
          Auch Novak Djokovic erreichte das Viertelfinale. Der Weltranglisten-Dritte aus Serbien setzte sich locker mit 6:3, 6:4, 6:1 gegen den an Nummer 19 gesetzten Amerikaner Mardy Fish durch. Djokovic spielt jetzt gegen Gael Monfils, der das französische Duell gegen Richard Gasquet mit 6:4, 7:5, 7:5 gewann.

          Bei den Damen gewann die Topgesetzte Dänin Caroline Wozniacki mit 6:3, 6:4 das Spitzenspiel gegen die Russin Maria Scharapowa. Sie trifft nun auf Dominika Cibulkova, die mit einem 7:5, 7:6 (7:4)-Sieg überraschend die Titelträume der Turniersiegerin von 2004, Sewtlana Kusnezowa (Russlan) beendete. Petkovic-Bezwingerin Wera Swonarewa spielt nun gegen die Estin Kaia Kanepi.

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